«Baltic Fashion Award» soll Impulse fürs Land bringen

Heringsdorf (dpa) - Papierschnitt-Kleider, die an auseinandergefaltete Lampions erinnern und eine Männer-Jeans- Kollektion, die das Image eines neuen Helden definieren möchte - die Gala zum «Baltic Fashion Award» zeigte am Samstag in Heringsdorf (Mecklenburg-Vorpommern) eine Vielfalt künstlerischer Handschriften.


www.baltic-fashion.de - Die Gewinner

Zwölf Designer aus Lettland, Litauen, Estland und Deutschland hatten sich nach einer Auswahl aus 130 Bewerbungen für die Teilnahme an dem Wettbewerb qualifiziert. «Wir haben in diesem Jahr einen immensen Qualitätssprung erlebt«, schwärmte der künstlerische Direktor von «Usedom Baltic Fashion», Andrej Subarew.

Der seit 2002 alljährlich verliehene Baltic Fashion Award gilt inzwischen als wichtiger Modepreis im Ostseeraum. Als Preisträger überzeugten die Fachjury um Vivienne-Westwood-Chefdesigner Alexander Krenn die jungen Modemacherinnen Doreen Schulz und Clara Leskovar mit der «Besten Damenkollektion Prêt-à-porter». In der Kategorie «Beste Herrenkollektion» konnte Giedrius Paulauskas aus Litauen mit seiner Kollektion «They - the young revolutionists» den Sieg einfahren. Die lettische Designerin Indra Salcevica erhielt den Preis für das «Beste innovative und visionäre Konzept». An ihrer Herrenkollektion lobte die Fachjury den Humor und die Originalität, mit der ein neues Männerbild gezeigt werde.

Nun will das Land Mecklenburg-Vorpommern, das zwei der drei mit je 7500 Euro dotierten Modepreise stiftet, verstärkt Kapital aus dem Modespektakel ziehen. «Wir wollen über Usedom Baltic Fashion mehr Wertschöpfung im eigenen Land erzeugen», umriss Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph die neuen Ideen einer Landesfachklasse für das Schneiderhandwerk. Ziel sei es, mit einer Premium-Ausbildung jungen Schneidernachwuchs heranzubilden, der später in einer Manufaktur hochwertige Kleinstserien für Designer produzieren kann.

Das Interesse an professionellen Schneidern ist auf Modemacher- Seite jedenfalls groß, wie Parsival Cserer bestätigte. Der Berliner Designer beteiligte sich mit seiner Männerkollektion «Egoversion - eine Idee vom Ich» an dem Wettbewerb. «Seit den 50er Jahren hat die deutsche Textilbranche einen Arbeitsplatzverlust von 90 Prozent hinnehmen müssen. Kompetenzen sind ins Ausland abgegeben worden», beklagte er. Dabei sei für Designer der enge Kontakt zum Schneider wichtig, um eine Musterkollektion nahe an der Idee umsetzen zu können, wie Modemacherin Eva Howitz ergänzte. Die Designer haben gute Erfahrungen mit deutschen Schneiderbetrieben: Wünsche würden schnell und präzise umgesetzt. Auch die gemeinsame Sprache sei bei den zuweilen «komplizierten Entwürfen» wichtig.

In Sachsen, einem historischen Standort der Textilwirtschaft, arbeiten 12 000 Menschen in der Branche. Mecklenburg-Vorpommern hat diese Tradition nicht. Nach dem Zusammenbruch der DDR manövrierten sich die Bekleidungswerke zwischen Greifswald und Rostock schnell in den Bankrott. Dem Schneiderhandwerk im Nordosten - meist Ein- oder Zweimannbetriebe - bescheinigte Rudolph jedoch Potenzial. Die Betriebe leisteten eine hochwertige Arbeit, trauten sich aber nicht, mit Designern in Kontakt zu treten.

Usedom Baltic Fashion transportiert inzwischen ein frisches Image von Modernität und Kreativität über die Landesgrenzen. Doch das Wirtschaftsministerium will mehr: «Usedom Baltic Fashion ist kein Selbstzweck, sondern auch Geschäft», betonte Rudolph.

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