Calvin Klein: Raf Simons Traum von Amerika

Nostalgische Romantik bei Calvin Klein, bei dem Dennis Hopper in einer Reihe von Andy Warhol-Siebdruck-Prints glänzte, die fast die Hälfte der Kollektion schmückten – die zweite Kollektion von Raf Simons für die Marke.

Calvin Klein - Frühjahr/Sommer 2018 - Instagram

Grafiken, Schriftzüge, Warhols Auto-Crashs und Logos wanderten über viele Outfits – Simons neueste Wiedereinführung des American Dreams. Dieser, der selbstsicher den Minimalismus zugunsten einer humorvollen Zusammenstellung der amerikanischen Ikonographie ausrangiert hat, was das Leitmotiv dieses Hauses war. Alles ist in der wagemutigsten Farbpalette gefertigt – von den Rodeo-Seidenhemden in Blutorange, Fuchsia und Kanarienvogel-Gelb bis hin zu den feuerwehrroten Cowboystiefeln.

Männer und Frauen – fast mit auswechselbaren Garderoben – waren für beide Geschlechter gleichermaßen mit Woll-Plaids, Chesterfield-Mäntel, Jeansjacken, mit Warhol-Superhelden vollbedruckte Jeans oder mit Hosen mit Leder-Etiketten gekleidet, die Miniaturen von Brooke Shields aus der legendären "Nichts kommt zwischen mich und meine Calvins"-Kampagne zum Vorschein brachten. T-Shirts rühmten sich ebenfalls mit Warhol-Bilder von Rafs Muse der Saison: die berühmte Kunstsammlerin Sandra Brant.

Manche der Models – in große Harlekin-Muster geworfen oder mit dem eigestickten Firmennamen und der Adresse oder mit einer Reihe von ausgefallenen Accessoires ausgestattet – trugen an ihren Handgelenken Bündel mit Woll-Posamenten, Parfüm-Flakons (die berühmten Düfte der Marke "Eternity" und "Obsession"), Industriegurte und sogar Holster mit sich herum. Das Ergebnis? Eine großartige Show, auffällige Kleidung und eine hochgradig kommerzielle Kollektion – all das in Kombination wird Calvin Klein heute zum heißesten amerikanische Label machen.

Einst stand Calvin Klein für Monofarben und Hightech-Stoffe. Jetzt nicht mehr. Unter Simons heißt es jetzt: Neon-Töne, französische Seide und abstraktes, expressionistisches Leder. Der Designer hatte dem Label bereits seinen Stempel bei der jüngsten Neugestaltung des Calvin Klein Flagship-Stores auf der Madison Avenue aufgedrückt. Es war ein Tempel des 90er-Minimalismus gewesen – ein ganz weißer Kasten und ein Vermächtnis des Architekten John Pawson – der nun in leuchtendem Gelb gestrichen und mit zahlreichen Gerüststangen und hängenden Stoffklumpen von Künstler Sterling Ruby dekoriert wurde. Der gleiche in LA stationierte Artist, dessen riesigen und bunten Woll-Quasten von der Decke bei dieser Show hingen, inszenierte auch die Räumlichkeiten des Midtown-Headquarter in der 39. Straße. Draußen fand ein Verkehrskollaps mit Cadillac Escalades statt, als die Stars – Kate Bosworth, Kyle MacLachlan und Cindy Crawford, deren Tochter Kaia in der Show lief – in einem Flammenmeer von Paparazzi-Lichtern eintrafen.

"Ich denke, die Mode ist in letzter Zeit zu sehr auf Nummer sicher gegangen. Deshalb ist es wichtig, viele Kinofilme und TV-Serien anzusehen. Sie werden mit viel mehr Freiheit kreiert.", legte Simons hinter der Bühne dar. Der Soundtrack: die Titelmusik zu "American Beauty" bis hin zu "Fahrenheit 451".

Als er vor einer Meute von zahlreichen Mode-Journalisten hinter der Bühne sprach, überraschte Simons seine Zuhörer, indem er enthüllte, dass seine Lieblingsbeschäftigung jüngst darin bestand, sich auf den neusten Stand von "Game of Thrones" zu bringen.

"Ich habe mich davon einfangen lassen. Es gibt die Serie zwar seit sieben Jahren, aber ich habe sie nie gesehen. Aber es ist überwältigend, alles daran – die Schlachten, die Dialoge und die Drehorte. Es ist nicht das, was man erwarten würde. All diese Kämpfe!", verkündete er strahlend. Ein gleicher Kontrast wie all die modernen, femininen Seiden-Stücke und die behängten Fischernetz-Cocktail-Kleider auf dem Laufsteg.

Simons, der sich liebenswürdig mit seinem langjährigen Design-Mitarbeiter Pieter Mulier verneigte, auf die Frage, was all die Warhol-T-Shirts auf sich hätten, erklärte: "Warum Dennis Hopper? Er ist der männliche Vorzeige-Amerikaner!"
 
Mit dem Mann kann ich da nur mehr als übereinstimmen!

Übersetzt von Elisa Gerlach

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