Chanel erwirbt Beteiligung an Farfetch zur digitalen Stärkung

Das französische Couture-Haus Chanel hat eine Minderheitsbeteiligung an dem in London ansässigen Online-Einzelhändler Farfetch übernommen, teilten die Unternehmen am Montag mit. Dies geschah im Rahmen eines Zusammenschlusses, um digitale Dienste wie Chats zwischen Kunden des Labels und Verkaufsmitarbeitern zu entwickeln.

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Chanel - Frühjahr/Sommer 2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula

Luxusgüterfirmen auf der ganzen Welt versuchen, ihre digitalen Dienstleistungen auf jüngere oder technisch versierte Kunden auszudehnen.

Das Privatunternehmen Chanel, das für seine Tweed-Anzüge und gesteppten Lederhandtaschen bekannt ist, galt diesbezüglich als Ausreißer in der Branche, da es sich entschloss, keine Webverkäufe seiner Kleidung und Lederwaren anzubieten.

Im Rahmen des neuen Abkommens werde das Label seine Waren nicht über Farfetch verkaufen, sondern in den kommenden Jahren mit der Plattform an digitalen Innovationen im Zusammenhang mit dem Kundenservice arbeiten, sagte Bruno Pavlovsky, Fashion President von Chanel.

Dazu könnten Smartphone-Anwendungen gehören, die es den Menschen ermöglichen, ihre Vorlieben und Größen online zu markieren, bevor sie einen Laden betreten. Das bedeutet, dass Assistenten auf ihre Bedürfnisse eingehen können, oder ihnen helfen, einen Artikel zu finden, der zum Beispiel in einer Zeitschrift gesichtet wurde, sagte er.

"Es geht darum, wie wir unsere Beziehung zu unseren Kunden bereichern können", sagte Pavlovsky gegenüber Reuters und fügte hinzu, dass Chanel nicht versuchte, einen "Big Brother"-Ansatz zu verfolgen, sondern denjenigen, die es wünschten, maßgeschneiderte Unterstützung zu geben. Er gab keine finanziellen Einzelheiten über die Fusion bekannt.

Über eine Börsennotierung von Farfetch wurde seit langem spekuliert. Investmentbanken haben vor kurzem die Arbeit an einem US-Börsengang im Laufe dieses Jahres aufgenommen, berichteten Quellen im Januar. Zu den weiteren Investoren von Farfetch zählen der chinesische Online-Händler JD.com, die französische Investmentgesellschaft Eurazeo und der staatliche Investor Singapore Temasek.

Die Shopping-Plattform des Onlinehändlers verbindet Käufer mit Luxusmodeartikeln aus mehr als 700 Boutiquen weltweit. Die Firma hat auch in die Entwicklung von digitalen Funktionen für Geschäfte investiert, die an ihre Partner angepasst werden können. Burberry sagte am Donnerstag, dass es sich mit Farfetch zusammentun würde.

"Die Herausforderung für unsere Luxusindustrie besteht darin, dass unsere Kunden an ultra-personalisierte Erlebnisse gewöhnt sind", sagte Farfetchs portugiesischer Gründer und Geschäftsführer Jose Neves. "Wenn man in einen Laden geht, kennen die Leute einen nicht."

Chanel bietet bereits ausgewählten Kunden einige digitale Unterstützung an, möchte diese jedoch weiter verbreiten, sagte Pavlovsky und fügte hinzu, dass die Firma in diesem Jahr mit der Erprobung neuer Dienste beginnen würde. Die Marke hat fast 200 Filialen. Sie verkauft Kosmetika, Brillen und Parfums online, sagt aber, dass die Veröffentlichung anderer Artikel im Internet sie weniger exklusiv machen würden.

Konkurrenten wie Louis Vuitton von LVMH, Kering's Gucci oder Hermes haben einen anderen Weg eingeschlagen und wollen das Umsatzwachstum mit Online-Verkäufen steigern.

Übersetzt von Felicia Enderes

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