Christian Dior Couture: Feministinnen Out, Grandes Dames In

Es ist offiziell; die feministische Revolution bei Christian Dior ist beendet. Nach mehreren Saisons politisch schräger Shows von Maria Grazia Chiuri war dies ein klares Statement klassischer Couture, vielleicht sogar ein bisschen zu viel


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Christian Dior - Fall-Winter2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula

Letzte Saison behängte Chiuri die Wände ihrer Show mit radikalen Plakaten, Bildern von Studenten-Demonstrationen, Agitprop-Grafiken. Sie hat diese Woche sogar den gesamten Flagship-Store von Dior auf der Avenue Montaigne mit denselben Bildern bedeckt.

Die Räumlichkeiten der Couture-Show dieser Saison waren jedoch komplett in Weiß gehalten: ein maßgefertigtes Zelt im Rodin-Museum, das aus Hunderten von Segeltüchern bestand – eine Idee aus der jüngsten, rekordbrechenden Ausstellung über Monsieur Dior im Louvre.
 
Kein einziger Slogan war dieses Mal zu sehen. Stattdessen eine reine, erlesene Auswahl an aufreizenden Outfits, schlanke, mittellange Kleider; Mini-Cape-Jacken; fein geschnittene, mitternachtsblaue oder pinkfarbene Kreppkleider im Korsett-Stil und handbestickt.
 
Die italienische Modeschöpferin hat darüber hinaus die Bar Jacke mit Fledermausärmel und schmalen, wellenförmigen Rüschen überarbeitet. Diese Show hatte eine andere Botschaft – Nude ist das neue Grau von Christian Dior, mit einigen fleischfarbenen Kleidern auf dem Laufsteg.
 
Man spürte, dass Chiuri eindeutig entschlossen war, zu unterstreichen, dass sie ihr eigenes Atelier beherrscht. Ihre jungen Models, von Michelle Lee gecastet, waren tadellos. Eine Auswahl an Vogel-förmigen Ohrringen verlieh dem Ganzen zudem eine Prise lässige Eleganz.

Christian Dior - Photo: PixelFormula

Auf halbem Weg schaltete Chiuri plötzlich um und kehrte zu ihrem vorherigen Job bei Valentino zurück, mit ungefähr 15 Looks, die von Gobelin-Wandteppichen inspiriert waren – darunter schulterfreie Kleidern oder Intarsia-Mäntel aus Kaschmir. Man hätte schwören können, dass mehrere Gäste ihre Einladungen überprüften, um sicherzugehen, dass sie wirklich bei einer Dior-Show waren.
 
Alles in allem war die Achillesferse der Kollektion, dass es nur wenig Neues zu sehen gab, was natürlich eines der wesentlichen Elemente der Haute Couture ist. Sie soll als eine Art Modelabor dienen; in dieser Kollektion jedoch gab es nicht viel Experimentelles zu entdecken.
 
Zum Finale marschierten die Models zügig über den gewundenen Catwalk zu "Metti Una Sera A Cena" von Ennio Morricone. Eine Melodie, die wir, wenn uns unser Gedächtnis nicht täuscht, bereits beim Finale einer Hubert de Givenchy Show vor drei Jahrzehnten gehört haben.
 
Alles in allem: Mode, die in einer Zeitschleife zu stecken schien.

Übersetzt von Felicia Enderes

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