Die polnische Kosmetikbranche floriert

Sowohl internationale Branchenriesen als auch heimische Firmen stellen hier Pflegemittel und Make-up her. Die Produkte punkten laut Experten durch ihre Qualität und erobern zunehmend den Weltmarkt.

Ob Cremes, Seifen oder Make-up: Immer öfter füllen Kosmetikprodukte "Made in Poland" die Drogerieregale. In einem Branchenbericht heißt es gar, Kosmetika aus Polen eroberten die Welt. Denn die Industrie bei Deutschlands Nachbar boomt. Der heimische Verkauf der Pflegeprodukte wachse ebenso wie die Nachfrage aus dem Ausland. Einer der Hauptabnehmer ist Deutschland.

Polen ist mittlerweile der sechstgrößte und zugleich der am schnellsten wachsende Markt für Pflegeprodukte in der EU. - Archiv

Die Industrie blickt in Polen auf eine lange Tradition und namhafte Hersteller zurück: Max Factor, Gründer des gleichnamigen Unternehmens (das inzwischen zu Coty gehört) lernte sein Handwerk in Lodz. Und die aus Krakau stammende Kosmetikunternehmerin Helena Rubinstein begann mit dem Verkauf polnischer Cremes in Australien ihre Karriere.

Schon seit Jahren geht es nun bergauf, die Branche boomt mit jährlichen Exportrekorden, wie der Kosmetik-Branchenverband in Warschau mitteilt. 2016 habe das Plus rund 16 Prozent auf drei Milliarden Euro betragen. Etwa 600.000 Tonnen Kosmetik- und Hygieneartikel führte Polen nach Angaben des Statistikamtes aus. Dem Verband zufolge ist Polen mittlerweile der sechstgrößte und zugleich der am schnellsten wachsende Markt für Pflegeprodukte in der EU.
Rund 400 in- und ausländische Firmen haben demnach hier ihren Sitz. "Große internationale Unternehmen, starke polnische Player sowie mittlere, kleine und Mikro-Firmen", zählt der Kosmetikverband auf. Diese vielfältige Struktur sei die Basis der starken Industrie. Global Player wie der französische L'Oréal-Konzern oder das US-Unternehmen Coty haben in Polen ihre mitunter weltweit größten Fabriken. Auch das EU-weit größte Nivea Werk der deutschen Beiersdorf AG befinde sich in Polen.

Die starke internationale Konkurrenz spornt auch die Entwicklung polnischer Produzenten an. Um mithalten zu können, investieren sie Experten zufolge verstärkt in Forschung und Technologie und würden damit nun im Ausland überzeugen. "Kosmetik, die in Polen hergestellt wird, wird von Jahr zu Jahr immer mehr geschätzt", sagt Joanna Lodygowska vom polnischen Kosmetikunternehmen Dr. Irena Eris, das neben Marken wie Chanel und Dior zum französischen Luxusverband Comité Colbert gehört. "Wir sind der Beweis, dass Kosmetik aus Polen von bester Qualität ist", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur gegenüber.

Neben ihrem Erfolgskurs in Polen verzeichnet die Firma ein Exportwachstum im zweistelligen Bereich und ist in mehr als 50 Ländern, darunter Deutschland, vertreten. Auch Polens vor allem für Nagellack bekannte Firma Inglot Cosmetics schaffte es auf einige der renommiertesten Einkaufsstraßen der Welt: Die Marke ist u.a. am Broadway in New Yorker, auf der Via del Corso in Rom sowie der Düsseldorfer Königsallee zu finden.

Damit erobern polnische Produkte nach Osteuropa zunehmend auch den als anspruchsvoll geltenden mittel- und westeuropäischen Markt. Der Verkauf hat sich nach Angaben der Kosmetikbranche in den vergangenen Jahren vermehrt gen Westen verlagert. Weltweit sind in Polen hergestellte Kosmetika inzwischen in mehr als 160 Ländern, darunter Vietnam, Australien und Saudi-Arabien, erhältlich. Wichtigster Markt ist die EU, wo die Handelsbilanz seit dem EU-Beitritt Polens 2004 auf rund das Zehnfache anstieg.

Die Branche floriert nicht zuletzt wegen niedriger Beschäftigungskosten. Doch die Industrie hebt auch das Know-how hervor. "Unsere Fachkräfte gehören zu den besten in Europa", heißt es selbstbewusst beim Kosmetikverband. Das Personal gilt als besonders gut qualifiziert: An mehr als 60 polnischen Hochschulen werden Studiengänge im Bereich Kosmetologie angeboten. Das ist nach Angaben des Branchenverbands das EU-weit größte Hochschulangebot.

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