Die vielen Farben von Hermès

Paris Fashion Week: Wie genau eine Show-Location verwendet wird, verrät viel über eine Marke und darüber, wie sie von den Geschäftsführern gesehen wird. Dies trifft auch auf die am Montagnachmittag im Pariser Palais de Chaillot präsentierte Show von Hermès zu. Gezeigt wurde eine hochraffinierte Kollektion für die Frühjahr-/Sommersaison 2018.


Hermès - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - Paris - Photo: PixelFormula

Vor Hermès wählten bereits viele andere Luxus-Labels diesen Veranstaltungsort mit seiner Modernismus-Pracht und dem bezaubernden Ausblick auf den Eiffelturm. Um nur einen Vergleich aufzuzeigen: Giorgio Armani beispielsweise versperrte den Blick nach hinten mit einer riesigen schwarzen Kastenkonstruktion. Hermès hingegen schuf einen himmlisch weißen Raum, wobei die Aussicht von Jalousien eingehüllt wurde. Die Gäste mussten sich den Weg durch einen schachbrettartigen Durchgang bahnen, wie die Statisten aus dem Film "THX 1138". Aus einer Reihe von Lautsprechern drang ein ernster Ansager, der einen Monolog von Jarvis Cocker über die zentralen Farben des Hauses vorlas.

Im Innenbereich herrschte eine angenehme Stille, da alle Fotografen – eine große Gruppe von Menschen, aber vielleicht nicht die leiseste Berufsgruppe – zur Betonung der vorherrschenden Ruhe in einen anderen Raum verbannt wurden. Inmitten dieser spirituellen Anlage präsentierte die Modeschöpferin Nadège Vanhée-Cybulski eine kunstvolle Kollektion verlängerter Raffinesse. Lange schürzenähnliche Mäntel aus sanftem Wollstoff mit Schottenmuster, mit viel Liebe hergestellte buttergelbe Mini-Blazer mit maskulinem Einschlag und hochwertig bedruckte Seiden-Jersey-T-Shirts mit "Grand Manège"-Aufdruck. Selbstsicher setzte sie die Ressourcen des Hauses in Szene – sei es in Form einer ultravioletten Eisenhower-Jacke aus Nubuk oder eines gestrickten Lederrocks, der Bände über die einzigartige Handwerkskunst des Hermès Ateliers sprach. Sowohl in geschmacklicher als auch in qualitativer Hinsicht kann dem Label kein Vorwurf gemacht werden. Die Accessoires waren darüber hinaus durchgehend beeindruckend, wie beispielsweise ein neues Schuhmodell mit länglichem Stahlabsatz. Doch obwohl es kein Geheimnis ist, dass das Modehaus im Dienste wohlhabender Kunden steht, kam das Gefühl auf, dass diese Kreationen nicht in erster Linie für vielbeschäftigte moderne Frauen entstanden sind.
 
Das Endergebnis stand eindeutig im Einklang mit der DNS des Modehauses und der Eigenwahrnehmung des Labels und dadurch vielleicht etwas weniger mit der Weise, wie Frauen heutzutage leben.

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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