Dior, ein schickes Rodeo mit mexikanischen Akzenten in Chantilly

Alle Elemente waren so miteinander verbunden, um die Cruise Collection 2019 von Christian Dior zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen: die prächtige Umgebung der Domäne von Chantilly, die idyllische und grüne Landschaft, eine von der Torera Marie Sara organisierte Reitervorführung... Das Defilee, das am Freitagabend in der Großen Pferdestallung der Domaine während einer Sintflut stattfand, wird wegen seiner einzigartigen Schönheit in Erinnerung bleiben, mit einer der schönsten Kollektionen aus der Feder der künstlerischen Leiterin Maria Grazia Chiuri.

Der Toile de Jouy-Stoff: Eines der Leitmotive der Croisière Kollektion2019 von Dior - FashionNetwork.com ph GD

Es war keine leichte Aufgabe, mehr als 800 Gäste an einem Freitagabend 50 Kilometer von Paris entfernt und mitten in einem Transportstreik zu befördern. Die Show war für 20 Uhr angesetzt, gegen 21 Uhr rückte aber noch eine lange Limousinenflotte an, da die Gäste nur tröpfchenweise ankamen. Während die Sitzreihen der halb bedeckten Arena rund um die mit grauem Sand bedeckte Manege noch nicht mal ganz gefüllt waren, brach ein starkes Gewitter über die Szenerie herein, das sich den Abend über noch verstärkte.

Draußen warteten acht "Escamamuzas", die traditionellen mexikanischen Reiterinnen, auf weißen Pferden aufsitzend auf ihren Auftritt: bis auf die Knochen durchnässt, in ihren eleganten langen, schwarz bestickten Dior Kleidern und nur von großen Sombreros geschützt. Nach 21 Uhr dann schwangen sie sich anmutig und von einem Orchester begleitet auf den Laufsteg empor.

Das Ende der Vorführung markierte den Beginn der Modenschau. Die Models widersetzten sich tapfer dem strömenden Regen und dem rutschigen, nassen und mit Schirmen gesäumten Holzlaufsteg. Sie trugen glücklicherweise Gummistiefel mit Schnürsenkeln und ihr langer Pferdeschwanz wurde von Leder-Reiterhelmen oder Gaucho-Strohhüten des berühmten Hutmachers Stephen Jones beschützt.

Letztendlich konnte nichts Besseres als ein schöner Sturm passieren, um den durchnässten Charakter des Dior Mädchens nach der Version Maria Grazia Chiuris zu illustrieren, die mit Stolz auf dem Rücken ihrer Lederjacken das Wort "Diorodeo" verkünden ließ. Die Designerin hat sich in der Tat ihre Inspiration von den "Escaramuzas" und vor allem von deren Rodeo geholt, der Charreada, wo man sich in traditionellen mexikanischen Petticoat-Kleidern zu Pferd begegnet, dabei aber das Know-how des Couture-Ateliers des Hauses und diesen einzigartigen Pariser Touch integriert.
Die mexikanische Kavallerie ist in Dior gekleidet. - FashionNetwork.com ph DM

Zu Beginn ist es eine sehr umfassende, facettenreiche Kollektion, in der sich Maxiröcke mit ultrakurzen abwechseln, maskuline Anzüge mit weißen Blusen und dünnen schwarzen Krawatten mit ultra-femininen Glamour-Outfits, in denen man jedes Mal an kleinen Akzenten den Esprit des Gründers des Hauses wiederfindet. Die Jacke des Kostüms "Bar" – verjüngt – ist nie weit davon entfernt.

Manchmal übernimmt die Reiternote die Überhand, wie bei diesem gerade knöchelumspielenden Hosenrock eines beigen Baumwollanzugs. Oder bei den Bustiers in Form von Ledersatteln mit Rückenschnallen, die in einer weißen Version einen zarten Tüllrock mit Toile de Jouy-Muster begleiten, oder in der schwarzen Version ein Bluse-Rock-Ensemble aus weißer Baumwolle ergänzen.

Maria Grazia Chiuri wusste der Versuchung der exotischen Folklore zu widerstehen und hat mit Finesse die Referenzen dieser mexikanischen Amazonen verwendet: zum Beispiel in den lebendigen Farben der Stickereien, in den bestickten Galons, die die langen Kleider aus Baumwolle zieren, Schwarz auf Weiß oder umgekehrt, in den Guipurestickereien einiger Korsagen. In den Motiven von wilden Tieren wie Tigern und Schlangen, die die üblichen idyllischen Landschaften des Toile de Jouy ersetzen, und hier für Mäntel, Jacken, Hosen und andere Shorts verwendet wurden.

Ein von Mexiko inspiriertes Kleid, von Maria Grazia Chiuri designt. - FashionNetwork.com ph GD

Die mexikanische Inspiration findet sich vor allem auch in den ausgestellten Rüschenkleidern und in den lange Unterrock-artigen Röcken wieder, die eng an der Taille von großen Gürteln aus schwarzem Leder oder in kunterbunt gehalten werden. Oder in diesen weißen Teppichen mit den für Südamerika typischen schwarzen Streifen, die hier zu Röcken und Jacken umgearbeitet wurden. Ganz zu schweigen von dem Volumen, dass unter einer Unendlichkeit von Falten, Tüll und Spitze anschwellt.

Am Ende hat der Regen die Party nicht verdorben, wie der neue CEO von Christian Dior, Pietro Beccari, mit einem Lächeln unterstrich: "Die Show war umso poetischer." Während sich das Publikum in das angrenzende Gebäude verstreute, weiterhin im Regen, wo sie ein feuchtfröhliches Fest erwartete, konnte man unter den Gästen Paris Jackson, Isabelle Adjani, aber auch den Chef der LVMH Gruppe und Inhaber von Christian Dior Couture, Bernard Arnault, und seine Tochter Delphine, stellvertretende Direktorin von Louis Vuitton, und mehrere Chefs der Gruppe ausmachen, wie auch den stellvertretenden Generaldirektor Toni Belloni oder Sidney Toledano, der nach der Leitung von Dior nun den Modebereich leitet.

Übersetzt von Elisa Gerlach

Copyright © 2018 FashionNetwork.com Alle Rechte vorbehalten.

Mode - Prêt-à-PorterMode - AccessoiresMode - VerschiedenesLuxus - Prêt-à-PorterLuxus - AccessoiresLuxus - VerschiedenesModenschauen