EU-Ostländer: "Gleiche Verpackung muss auch gleichen Inhalt haben"

Die östlichen EU-Mitglieder rebellieren gegen die Zwei-Klassen-Standards im Supermarkt. Sie kritisieren unterschiedliche Qualitäten in Ost und West bei Lebensmitteln, Waschmitteln und Produkten zur Körperpflege. Nun wollen sie konkrete Schritte festlegen, zusammen mit der EU-Kommission.

Ein Treffen mehrerer Regierungschefs in Bratislava widmet sich am Freitag, 13. Oktober der von vielen hier so empfundenen Benachteiligung östlicher Verbraucher durch westliche Firmen. Internationale Konzerne verkauften billigere und minderwertige Produkte, allerdings auch noch in gleicher Verpackung, so lautet der Vorwurf. Die Regierungen mehrerer östlicher Länder wollen daher mit EU-Kommissarin Vera Jourova Gegenmaßnahmen beraten. Das Ziel ist klar definiert: "Eine gleiche Verpackung muss auch den gleichen Inhalt haben."

Östliche EU-Mitglieder kaufen lieber in westlichen EU-Ländern ein. - Archiv

"Sie wissen, wie sehr wir an Marken glauben, und nutzen das aus", beschwerte sich etwa Jana Holkova. Vor allem bei Lebensmitteln, Drogeriewaren und Reinigungsmitteln sieht die Bankangestellte aus Bratislava klare Qualitätsunterschiede bei trotzdem oft höherem Preis zwischen den in der Slowakei verkauften Produkten und denen, die sie in österreichischen Regalen findet. "Wir sehen dieselbe Marke, die wir aus der Westwerbung kennen, und wundern uns dann, warum das scheinbar identische Produkt bei uns nicht so gut ist", klagte sie.

Aus Bratislava fahren seit Jahren so viele Kunden über die Grenze, dass in österreichischen Gemeinden Supermärkte und Einkaufszentren mit Slowakisch sprechendem Verkaufspersonal wie die Pilze aus dem Boden schießen. Wovon die Einkaufstouristen schon lange überzeugt sind, sollen auch unter slowakischer Federführung durchgeführte Vergleichstests von Verbraucher-Organisationen belegen.

Bereits 2011 erschien dazu eine Aufsehen erregende Studie aus acht Ländern. Anfangs stellten sich die meisten Hersteller und Handelsketten taub, andere stempelten die Vergleichsmethoden als unseriös ab. Doch in den vergangenen Monaten hat sich das Blatt gewendet, seitdem vor allem die vier Visegrad-Länder Slowakei, Ungarn, Polen und Tschechien die Ungleichbehandlung ihrer Konsumenten zur Staatsangelegenheit machten. Sie wählten den slowakischen Regierungschef Robert Fico zu ihrem gemeinsamen Sprecher. Deshalb ist nun auch Bratislava der Schauplatz der Konferenz.

Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ergriff inzwischen Partei für die Ost-Konsumenten: "In einem gemeinsamen Europa kann es keine Verbraucher zweiter Klasse geben. Ich kann nicht akzeptieren, dass den Menschen in manchen Teilen Europas qualitativ schlechtere Produkte in gleicher Verpackung verkauft werden." Damit übernahm Juncker wörtlich, was Fico seit Monaten anprangerte. Inzwischen hätten sich schon neun Länder (also ein Drittel der EU-Mitglieder) als Betroffene zusammen gefunden, erklärte die slowakische Landwirtschaftsministerin Gabriela Matecna zur Konferenzvorbereitung vor einer Woche.

Erste Wirkungen zeigt die Empörung aus dem Osten schon. Der Kekshersteller Bahlsen ließ im Sommer mit der Erklärung aufhorchen, man wolle dem Wunsch der Ost-Konsumenten entsprechen. Schon seit Juli würden auch die in Polen für den Ostmarkt erzeugten Butterkekse wie im Westen echte Butter statt des billigeren, aber gesundheitlich bedenklicheren Palmöls enthalten.

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