Fashion Blamage: Magnum & Moschino in Cannes

Ich weiß, wir alle müssen irgendwie unseren Lebensunterhalt verdienen – aber es gibt Grenzen. Grenzen, die Cara Delevingne und Jeremy Scott, beim zutiefst beschämenden Launch von Magnum & Moschino in Cannes, an einem lauen Donnerstagnachmittag, weit überschritten haben.



Magnum Eisverkäufer Jeremy Scott und Cara Delevingne

Es sollte eine normale Pressekonferenz mit der Vorstellung von zwei neuen Magnum Eis-Geschmacksrichtungen in den Hyper-Farben, die das Modehaus Moschino so liebt, werden. Es folgte eine witzlose Farce, bei der zwei coole, kreative Personen nicht nur hirnverbrannte Fragen beantworteten, sondern auch noch ein wirklich dämliches Video präsentierten.
 
Zu sehen war ein großer, bahnbrechender Designer Scott und ein Paradigmen durchbrechendes Model Delevingne, die vor einem wild gewordenen, stumpfen Mob über eine Bühne stolzierten – ein ehrlich gesagt tief-depressives Erlebnis.
 
Die Charade begann mit einem Video, betitelt mit „Release the Beast, Dare to Go Double“. Es zeigt Delevingne, die von "Zeichentrickmonstern" verfolgt wird, weil sie Eis in der Hand hat. Klassischer infantiler Pop.
 
„Jeremy, kannst du uns über Deine Inspiration berichten?“, fragt der Moderator bedeutungsschwer zum Video und die eher banalen Geschmacksrichtungen Himbeere und Kokosnuss. „Ich dachte an ein junges Mädchen und wie sie von diesen Bestien verfolgt wird. Sie schäumt förmlich über vor Temperament und nimmt überhaupt nicht war, dass die Monster ihr Magnum wollen“, jubelt Scott.
 
„Ich weiß gar nicht, ob sie mich oder die Eiscreme vernaschen wollen“, fügt Delevingne lächelnd in einem seltenen humorvollen Moment hinzu.
 
Als nächstes tauchen eine Reihe von transsexueller Transvestiten, die Lady „Voguers“, in Sport- und Netzstrümpfen auf und performen zu einem Soundtrack von Gypsy Woman von Crystal Water. Sie wirbeln wütend über die Bühne und zeigen dabei eine Kollektion glänzender Plastikstrandtaschen mit Bildern der Monster, währenddessen schmelzen die Tabletts mit Eiscreme im heißen Zelt.
 
Scott tauchte vor 20 Jahren in der Fashion-Szene mit großartig exzentrischen Shows auf, die für ihre wunderschön, absurde Melange aus Popkultur und High-Fashion gefeiert wurden. Seitdem verlief seine Karriere unstet, wenngleich der amerikanische Designer, seitdem er bei Moschino als Kreativdirektor angeheuert hat, einige wirklich brillante Kollektionen in Mailand gezeigt hat. Seine Comic Book-Kollektion, Valley of the Dolls, im September 2016, wurde als eine der drei besten Shows der Saison angesehen.
 
Delevingne wiederum ist ein mutiges Model, die Chanel-Shows eröffnet und eine vielversprechende Filmkarriere vor sich hat. Ihr Vater ist zusätzlich ein erfolgreicher Londoner Real Estate Magnat.
 
Eben deswegen war es so pathetisch, sie dort sitzen und Hirnverbranntes über Eiscremefarben verzapfen zu sehen – auch wenn ihre Verträge bestimmt lukrativ waren.
 
Schon wahr, auch Lagerfeld hat Magnum vor einigen Jahren unterstützt, aber der deutsche Designer war klug genug, sich nicht wie ein billiger Hausierer mit Bauchladen in einem geschmacklosen Beach Club Setting sehen zu lassen.
 
Wie heißt es schon bei Markus 8,36 in der Bibel: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden an seiner Seele nimmt.“
 
Die Welt, das wäre eine Sache – bleiben wir bei Fashion und Kommerz. Aber Jeremy, sich für Eiscreme verkaufen, really?
 

 

 

Übersetzt von Melanie Muller

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