Festival de Hyères 2017: Schweizerin Vanessa Schindler gewinnt Hauptpreis

Der Hauptpreis des renommierten Modedesign-Preises von Hyères geht in diesem Jahr an die Schweizerin Vanessa Schindler.  Die Jury wurde in diesem Jahr von dem Creative Director von Schiaparelli, Bertrand Guyon, geleitet, der Schindlers technische Souveränität und ihren innovativen Umgang mit Stoffen herausstellte. 

Gewinnerin des Hauptpreises: die Schweizerin Vanessa Schindler. - © Jérémie Leconte

Schindler habe es geschafft, Materialien mit atemberaubender Fähigkeit in Stoffe zu verwandeln und ein neues Textil- und Dekorations-Lexikon mit beispiellosen Effekten voller Licht und Volumen zu erfinden, so die Jury. Die 29-Jährige stammt aus dem Schweizer Kanton Freiburg und hat zwei Jahre an ihrer Hyères-Kollektion gearbeitet.

"Ich wollte über die Essenz von Kleidung nachdenken und zurückgehen zur Handwerkskunst mit radikaler Innovation", erklärt sie am Rande der Preisverleihung. Im Laufe ihrer Forschung entdeckte sie Urethan, ein flüssiges Polymer. Es ist eine Art chemisches Harz, das in Fasern verschmilzt und Veneers produziert, die sofort weich und glänzend sind. Nach längerer Beobachtung und wiederholten Versuchen gelang es Schindler schließlich, das flüssige Material in einen festen Zustand zu bringen, der es erlaubt, in Kleidungsstücken verwendet zu werden.

Ein Look von Vanessa Schindler. - © Jérémie Leconte

Die Textil-Expertin schweißt das Material, das mit Silizium verwandt ist, mit Stoffen zusammen, das diesen Volumen verleiht. Urethan ist dabei sowohl funktional als auch dekorativ, wie es in einem langen, schlichten Polyester-Kleid mit 3D-Effekten sichtbar wird, die im Licht schimmern. In anderen Fällen verwandelt sich Urethan in wellenförmige Rüschen auf einer Tüllspitze, in lichtdurchlässige, geometrische Verzierungen oder in Details eines übergroßen Pelzmantels.

"Ich habe eine neue Welt erschaffen", sagte Vanessa Schindler, die mit mehreren Künstlern und Architekten ein großes Studio in der Nähe von Lausanne teilt. Nach dem Abitur der Haute Ecole d'Art et de Design (HEAD) in Genf absolvierte sie Stationen im Etudes Studio bei Balenciaga (unter Alexander Wang) und bei Henrik Vibskov in Kopenhagen. Im Juni 2016 absolvierte sie einen Master-Abschluss, wieder an der HEAD.

Die HEAD ist auch die Alma Mater von Marina Chedel, 28, der Gewinnerin des neuen Swarovski-Accessoire-Preises von Hyères. Nach dem Abitur arbeitete Chedel bei Walter Van Beirendonck und spezialisierte sich dann auf Schuhe und promovierte an der London College of Fashion im Dezember 2016. Der Mode-Accessoires-Preis wurde erstmals vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.

Der zum 15. Mal in diesem Jahr verliehene Chloé-Preis in Höhe von 15.000 Euro ging an die deutsche Designerin Gesine Försterling. Die 30-Jährige hat u.a. Stickerei in Indien gelernt und wurde von der Jury für ihre atemberaubende Weberei gewürdigt. Der Schiaparelli-Sonderpreis ging mit 10.000 Euro an die finnische Designerin Maria Korkeila, 24.

Der Preis der Galeries Lafayette ging an die französische Designerin Marine Serre, Wendy Andreu gewann den Preis des Festivals und der Stadt Hyères für ihre Handtaschen- und Hutkollektion. 
 

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