Frühjahr/Sommer 2014: Ein Rundgang durch Paris

Das Programm der Pariser Schauen für Frühjahr/Sommer 2014, die am Mittwoch zu Ende gingen, steckte voller Überraschungen. Marc Jacobs verlässt Louis Vuitton – ein historischer Moment für das Luxusunternehmen. „Am Ende der Show hatte ich Tränen in den Augen - und ich war definitiv nicht die Einzige“, berichtet Lizzy Bowring, Fashion Director beim Trendbüro Stylesight. Die Tränen sind mittlerweile getrocknet und man darf sicher sein, dass Louis Vuitton auch in Zukunft alle Aufmerksamkeit der Modewelt auf sich ziehen wird. Aber was sollte man sich in der Zwischenzeit von den Pariser Schauen merken?
Céline und Chloé Frühjahr/Sommer 2014 (Foto: PixelFormula)

„Die Designer sind in dieser Woche wirklich über sich heraus gewachsen“, lobt Tancrède de Lalun, Einkaufsdirektor für Printemps. „Manche haben es gewagt, sich selbst in Frage zu stellen.“ Er nennt Cédric Charlier und Anthony Vaccarello und auch Riccardo Tisci, der den von ihm vor ein paar Saisons für Givenchy kreierten, erfolgreichen Sweatshirt- und Streetweartrend hinter sich lässt. Er präsentierte eine technisch ausgefeilte und glamouröse Show. Auch andere Häuser verließen ihre gewohnten Pfade und wagten Neues. Galliano überraschte komplett mit einer sehr jungen Show, in der die Galliano-typischen Schnitte keinen Platz mehr fanden.

Auch die Kollektion von Phoebe Philo für Céline brach mit ihren bisherigen Entwürfen. Für Tancrède de Lalun war sie ein voller Erfolg.“ In jeder Saison ist es Céline, die den Ton für die Modeindustrie angibt“, beobachtet er.

Die Marke der LVMH-Gruppe wurde in der Vergangenheit so stark kopiert, dass sie ihre letzte Pre-Kollektion den Medien nicht mehr vorstellte. Für Frühjahr/Sommer präsentierte sie enstpannte, farbenfrohe, arty Prints – ganz anders als die eher bürgerliche Strenge, für die sie sonst bekannt ist. „Ein großer Erfolg, der sehr viel Einfluss haben wird“, freut sich der Experte von Printemps.
Alexander McQueen und Haider Ackermann (Foto: PixelFormula)

Von Dries Van Noten bis Valentino stand detailreiche Näharbeit im Vordergrund. Letzterer hat laut Lizzy Bowring eine „Ode an die Nähkunst“ erstellt. Die Retail-Expertin von Stylesight nennt außerdem die Kollektionen von Céline, Giambattista Valli und Haider Ackermann als Teil ihrer persönlichen Top Ten der Saison. „Das besondere an Paris ist natürlich die Ausgereiftheit der Kollektionen – aber auch und vor allem die Fähigkeit der Designer, alles aus den unterschiedlichen Materialien rauszuholen und ein verlässliches kommerzielles Ergebnis zu erreichen“, erklärt die ehemalige Trenddirektorin bei Nordstorm. „Sogar die Stammesthematik bei Alexander McQueen entspricht den Wünschen der Kundin.“
Yang Li und Dries Van Noten Frühjahr/Sommer 2014 (Foto: PixelFormula)

Sportliche Kleidung hält weiter Einzug in der Luxusgarderobe mit luftigen und sanften Stoffen. Bikerjacken (z.B. fest gegen die nackte Brust gedrückt wie oben bei Yang Li) und Bomberjacken kommen dieses Mal in den wichtigsten Stoffen der Saison: Tüll, Organza, Spitze und Strick. Oft sind sie auch transparent. Wie ist es eigentlich um den kommerziellen Erfolg transparenter Röcke bestellt, die man überall sehen konnte? „Das ist ein schwieriges Stück, das auf der Straße nur funktionieren wird, wenn es über Shorts oder einem Rock getragen wird“, warnt die Retail-Expertin von Stylesight. Ihre Lieblingskollektionen? „Dries Van Noten wegen der verwendeten Materialien und der subtilen Verwendung der Farbe Gold, Chloé für den Safari-Luxus, der voller kommerziell gut nutzbarer Stücke steckt, und Louis Vuitton, der Denim und Spitze extrem raffiniert nutzt.“
Olympia Le Tan und Acne Studios Frühjahr/Sommer 2014 (Foto: PixelFormula)

Der Sommer ruft und das Meer dient als Inspiration beispielsweise für die Kollektion „A Girl in Every Port“ von Olympia le Tan. Der Strand dienste als Vorlage für die Denimstücke von Jean Touitou für elegante Frauen ohne Absatzschuhe, die durch ihre Ausstrahlung mehr überzeugen als durch ihre Kleider. Die schwedischen (und frankophilen) Acne Studios haben sich von frenchy Marinelooks inspirieren lassen, von der Matrosenjacke bis zum gelben Regenmantel. Gelb kommt überhaupt in der nächsten Saison oft vor. Auch bei Kenzo ging es um Fische und Ozean. Aber etwas ernster, denn das kalifornische Duo Carol Lim und Humberto Leon hat mit seiner sehr in blau gehaltenen Kollektion eine ökologische Botschaft gegen die Überfischung der Meere verbreiten wollen.

Manche Marken wollten mit ihren Shows Geschichte schreiben und klügelten interessante Inszenierungen für ihre Kollektionen aus.M an wird sich noch eine Weile an Rick Owens komplett getanzte Schau erinnern, genauso wie der verunfallten Autos bei Givenchy oder des Wasservorhangs bei Kenzo. Olympia le Tan wählte das Pariser Aquarium als Rahmen für seine Präsentation aus. Der Preis für die einfallsreichste Location geht an Jacquemus, dessen Show in der größten Spielhalle Europas stattfand. Die energiegeladene Deko passte zur Kollektion, die mit ihren frischen Ideen überzeugen konnte.

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