Fußball-WM: Adidas und Nike werden aufgefordert, faire Löhne in Asien sicherzustellen

Die umsatzstarken Sportbekleidungshersteller Adidas und Nike – zwei der Hauptsponsoren der bevorstehenden Weltmeisterschaft – müssen gewährleisten, dass die Arbeiter in ihren asiatischen Zuliefererbetrieben einen fairen Lohn erhalten, da ihr Anteil an den Produktionskosten stetig sinkt, erklärten zivilgesellschaftliche Organisationen am Montag.

Adidas und Nike statten 22 der 32 Teams bei der Fußball-WM aus, die in dieser Woche ihren Auftakt in Russland feiert. Die Marken haben den größten Teil ihrer Produktion nach Indonesien, Kambodscha und Vietnam verlagert, wo niedrigere Löhne herrschen und die Ausbeutung der Arbeiter überhand nimmt. - Reuters

"Der Anteil von den Produktionskosten für einen Nike- oder Adidas-Schuh, der als Lohn in die Tasche eines Arbeiters fließt, ist heute um unglaubliche 30 Prozent geringer als in den frühen 1990er-Jahren (2,5 Prozent im Jahr 2017 für Nike-Schuhe im Vergleich zu 4 Prozent im Jahr 1995)", teilte die Clean Clothes Campaign in einer Stellungnahme mit.

Die Höhe der Produktionskosten für ein Paar Schuhe, von denen ein Teil in die Löhne der Arbeiter in den Zulieferbetrieben fließt, ist seit den frühen 1990er-Jahren stetig gesunken, verkündete die Clean Clothes Campaign (CCC). Grund dafür sei eine Verlagerung der Produktionsstätten von China in profitablere Billiglohnländer wie Indonesien.  

"Die Marken entschieden sich dafür, ihr Geld lieber in Fußballspieler zu investieren anstatt in die Arbeiter, die ihre Hemden und Schuhe nähen."

Adidas und Nike statten bei der Fußball-Weltmeisterschaft, die diese Woche ihren Auftakt in Russland feiert, 22 von 32 Teams aus. Den Großteil ihrer Produktion haben die beiden Hauptsponsoren nach Indonesien, Kambodscha und Vietnam verlagert – Billiglohnländer, in denen die Ausbeutung von Arbeitern weit verbreitet ist.

In diesen drei Ländern liegen die Durchschnittsgehälter der Textilarbeiter um 45 bis 65 % unter dem Existenzminimum, das sie benötigen würden, um die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu decken, kritisiert eine globale Koalition aus Gewerkschaften, Arbeitnehmern und Menschenrechtsorganisationen.

Die US-amerikanische Marke Nike gab an, die Lieferanten müssten ihren Angestellten mindestens den lokalen Mindestlohn oder den in der Branche üblichen Lohn zahlen, einschließlich Prämien für Überstunden und gesetzlich vorgeschriebene Leistungen.

"Wir bleiben weiterhin im Gespräch mit Regierungen, Herstellern, NGOs, Marken, Gewerkschaften und Fabrikarbeitern, um einen langanhaltenden und systematischen Wandel zu unterstützen", sagte eine Nike-Sprecherin.

Auch der deutsche Sportartikelhersteller Adidas konstatiert, dass er in seinen Lieferketten an sichere Arbeitsbedingungen und faire Löhne gebunden sei, und seine Lieferanten dazu verpflichte, mindestens den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen.

"Der durchschnittliche monatliche Nettolohn der Produktionsarbeiter in den Einrichtungen, mit denen Adidas in Indonesien arbeitet, liegt deutlich über dem derzeitigen Mindestlohn", so eine Adidas-Sprecherin.

"EXTREME AUSBEUTUNG"

Ein Großteil der Sportbekleidung, die Adidas und Nike herstellen lässt, stammt aus Indonesien. Hier sind 80 Prozent der Textilarbeiter Frauen, die nur 86 Euro im Monat verdienen, wobei einige von ihnen nicht den gesetzlichen Mindestlohn erhalten, konstatiert ein Bericht der Clean Clothes Campaign.

Die wöchentlichen Löhne sollten ausreichen, um die Grundbedürfnisse der Arbeiter zu decken und ihnen ein zusätzliches Einkommen ermöglichen, um ihre Situation zu verbessern und nicht in "einem Teufelskreis der Armut gefangen zu bleiben", erklärte Martin Buttle von der Ethical Trading Initiative (ETI).

"Marken wie Nike und Adidas müssen ihre Verantwortung ernst nehmen und ihren Lieferanten einen fairen Preis zahlen", sagte Buttle gegenüber der Thomson Reuters Foundation. "Wenn sie das nicht tun, führt das zu schlechter Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen", fügte er hinzu.

Im Jahr 2011 haben Nike und Adidas ein Abkommen über die Rechte der Gewerkschaften in Indonesien unterzeichnet. Den darin vereinbarten Zielen und Grundsätzen sollten sie jetzt nachgehen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz sowie die Bezahlung fairer Löhne sicherzustellen.

"Die Löhne auf Armutsniveau sind ein Problem, das schon lange besteht ... Marken drücken die Preise, was sich wiederum auf die Arbeiter auswirkt", sagte Anannya Bhattacharjee von der Asia Floor Wage Alliance (AFWA), eine Menschenrechtsorganisation, die Textilarbeiter vertritt.

"Fußball ist eine inspirierende Sportart, aber jeder muss sich daran erinnern, dass die Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet, um die inspirierenden Sportler einzukleiden, extreme Ausbeutung und Leid bedeutet", sagte Bhattacharjee. "Das müssen wir stoppen."
 

Übersetzt von Eva Bolhoefer

© Thomson Reuters 2018 All rights reserved.

SportBrancheBusiness