Givenchy ernennt Clare Waight Keller zum neuen Kreativ-Direktor

Clare Waight Keller wechselt zu Givenchy von Chloé, wo sie ihre letzte Modenschau am 2. März über den Laufsteg brachte und damit eine sechsjährige Amtszeit beendete. Waight Keller folgt auf Riccardo Tisci, der das Haus im Januar nach zwölf Jahren verließ. Die Berufung bedeutet einen radikalen Wandel für Givenchy – weg vom dunklen Italo-Gothic eines Tisci hin zum Romantizismus eines coolen Anglo-Französischen Girls - der Waight Keller.
 
Clare Waight Keller by Steven Meisel - Instagram

“Hubert de Givenchy’s selbstbewusster Stil war zu allen Zeiten eine Inspiration und deshalb bin ich sehr dankbar für die Gelegenheit, ein Teil der legendären Geschichte dieses Hauses sein zu dürfen. Ich freue mich darauf, mit den Teams zusammen zu arbeiten und ein neues Kapitel dieser wunderbaren Geschichte zu schreiben“, sagte Waight Keller.

In ihrer Zeit bei Chloé bewegte Waight Keller die Marke geographisch – nahm eine Frühlings-Kollektion mit zum Brody House, einem berühmten Tempel des Modernismus in Los Angeles und fotografierte für Anzeigen auf der ganzen Welt. Ihr wurde hoch angerechnet, inspirierende Kampagnen zu kreieren – mit Aufnahmen in Apulien (Italien), den Adirondack Mountains im US-Bundesstaat New York oder dem Jardin du Luxembourg in Paris, die alle jeweils den außerordentlichen Bohemian-Stil ihrer Kollektionen einfingen.

„Ich bin sehr glücklich darüber, dass Clare Waight Keller nun ein Teil der LVMH Gruppe ist. Ich glaube ihre umfassende Expertise und Vision wird es Givenchy erlauben, den nächsten Abschnitt auf ihrem einzigartigen Pfad anzugehen. Ich warte schon ganz ungeduldig ihren Beitrag zum fortgesetzten Erfolg des Hauses“, sagte Bernard Arnault, Chaiman des Luxuskonzerns LVMH, der Givenchy besitzt.

„CLARE WAIGHT KELLER. NEW ARTISTIC DIRECTOR. SHOT BY STEVEN MEISEL” – so las sich die Neuigkeit auf Givenchyofficial, der Instagram-Seite des Hauses. Im Web war die Meinung zu dieser Berufung sehr positiv und reichte von „Omggggggggggg“ (gemeint war damit „Oh.My.God!“) bis zu „AMAZING“, also „toll“ oder „großartig“.

Während sie bei Chloé die sechste Frau an der Spitze des Hauses war, wird Waight Keller als Pionierin die erste Frau sein, die Givenchy führt. Das Haus wurde 1952 von Hubert de Givenchy mit der legendären Les Séparables Kollektion gegründet, mit Bleistiftröcken und puffärmeligen Blusen. Tatsächlich steht die „Bettina Bluse“ für seine Herrschaft, ein weißes Shirt benannt nach dem Model Bettina Graziani und zur Legende geworden durch ein Gemälde von René Grau. Sein berühmtestes Model allerdings wurde Audrey Hepburn, der Star von „Frühstück bei Tiffany’s“ und das Kostüm Sabrina, für das Kostümbildnerin Edith Head einen Oscar bekam. Seit seinem Wechsel in den Ruhestand im Jahr 1995 ging das Haus durch die Hände von drei britischen Designern - John Galliano, Alexander McQueen and Julien MacDonald – bevor es im Februar 2005 bei Tisci beinahe sesshaft wurde.

Waight Keller wird die kreative Gesamtverantwortung übernehmen, einschließlich der Ready-To-Wear Kollektionen für Damen und Herren und den Accessories und natürlich ebenso für die Haute Couture der LVMH Modemarke. Während Tisci dem französischen Label ein modernes Antlitz gab und den Verkauf von Lederwaren in die Höhe trieb, war er ebenso dafür bekannt, in letzter Minute erst seine Meinung und dann die Kollektionen zu ändern.

Waight Keller wechselte 2011 zu Chloé von Pringle of Scotland, wo sie „Artistic Director“ war und vorher für Gucci, Calvin Klein und Ralph Lauren gearbeitet hatte. Sie verließ Chloé, als das Umsatzwachstum ein hohes Niveau erreicht hatte. Dennoch soll sie es als schwierig empfunden haben, mit dem Chef der Marke, Geoffroy de la Bourdonnaye, zusammenzuarbeiten, wie mehrere Quellen versichern. Und sie ergänzen, dass ihre wiederholten Versuche, einen Anteil am Umsatzwachstum in Form einer Gehaltserhöhung zu bekommen, abgelehnt wurden. Waight Keller war über mehrere Monate hinweg in Gesprächen mit LVMH, sagen ihr nahestehende Quellen.


Instagram: @clarewaightkeller

Im vergangenen November teilte der Eigentümer von Chloé, das Schweizer Unternehmen Richemont mit, dass das französische Label “eine geografisch weit gefächerte, zweistellige Wachstumsrate beim Halbjahres-Umsatz genieße, die größtenteils von Leder angetrieben“ und durch die Popularität der Drew and Fay Ledertaschen gestützt werde.

Waight Keller werden ein Paar sehr erfahrene und professionelle Hände nachgesagt, die eine starke Story rund um eine Marke und um sich selbst aufbauen können, zusammen mit talentierten Designassistenten. Sie steckte hinter dem Design von einigen der Chloé Bestseller-Taschen. Und obwohl Waight Kellers Familie im vergangenen Juni von Paris zurück nach London zog, erwartet niemand, dass das Givenchy Studio ebenfalls nach London zieht, verraten informierte Kreise. Wie bei Chloé werde einiges ihrer Arbeit in London erledigt werden, während sie – wie zuvor – ins Pariser Studio pendelt, so die Quellen.

Analysten des Börsenbrokers Bernstein erwarten, dass Givenchy im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis von 16 Millionen Euro auf der Basis von 202 Millionen Euro Umsatz erzielt hat. Während Lederwaren relativ stark performten, seien die letzten zwei, drei Ready-to-Wear Kollektionen nicht so gut verkauft worden.    

Givenchys CEO Philippe Fortunato ergänzte in einem Statement: “Die Teams und ich heißen Clare Waight Keller herzlich willkommen in der Givenchy Familie. Ich bin ganz gespannt darauf, miterleben zu dürfen, wie Clare ihren einzigartigen Sinn für Eleganz und Moderne zu Givenchy bringt. Wenn sie die 65-jährige Geschichte unseres Hauses und die außerordentliche handwerkliche Qualität seiner Ateliers erforscht, wird Clare Givenchy dabei helfen, sein volles Potential zu entfalten; da bin ich sicher.“

Fortunato kam 2014 zu Givenchy, als das Regime von Tisci einen enormen Verschleiß an Chefs produzierte. Die CEOs kamen und gingen – einschließlich Marco Gobbetti, Fabrizio Malverdi und Sebastian Suhl.
Nach dem triumphalen Finale in Paris Anfang dieses Monats mit einer „psychedelisch, optimistischen“ Kollektion, sagte Waight Keller zu FashionNetwork.com: „Ich bin Morgen weg, zurück nach Hause ans Ende der Welt“, womit sie den Bezirk rund um die King’s Road meinte.
Wie es aussieht, nicht für lange, Clare.
 

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