Gold glänzt in unsicheren Zeiten

Eine 100 Kilo schwere Goldmünze klauten Diebe im März aus dem Bodemuseum in Berlin. Doch das Edelmetall zieht nicht nur Langfinger an, sondern derzeit auch wieder mehr Anleger. Mit 1326,08 Dollar pro Feinunze (etwa 31,1 Gramm) erreichte der Goldpreis in dieser Woche zeitweise ein Jahreshoch an der Börse.

Seit Beginn des Jahres hat das Edelmetall etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. - archiv

Gold gilt vielen Anlegern als "sicherer Hafen" in unruhigen Zeiten. Seit Beginn des Jahres hat das Edelmetall etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. Zuletzt sorgte der jüngste Raketentest Nordkoreas für eine Flucht von Investoren in die "Krisenwährung".

Nach Einschätzung von Barnabas Gan von der Oversea-Chinese Banking Corp. in Singapur könnte sich der Goldpreis noch einige Zeit über der Marke von 1300 Dollar halten. Es gebe keine Hinweise, die auf eine schnelle Lösung der Nordkorea-Krise hindeuteten. Der latente Konflikt zwischen Pjöngjang und den USA sollte die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen hoch halten, argumentiert auch Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Hinzu kommt der politische Hickhack in den USA. Voraussichtlich Ende September könnte in der größten Volkswirtschaft der Welt die Schuldenobergrenze erreicht werden. "Sollte sich der Kongress bis dahin nicht auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze einigen, droht der Regierung abermals die Zahlungsunfähigkeit und es müssten Behörden zwangsweise geschlossen werden", erläutert Weinberg.

Die jüngste Dollar-Schwäche stützt ebenfalls das Interesse an dem Edelmetall, das in der US-Währung abgerechnet wird. Verliert der Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert, wird Gold für Investoren außerhalb der USA tendenziell erschwinglicher.

Das Edelmetall wirft zwar keine Zinsen oder Dividenden ab, lockt aber mit dem Versprechen von Sicherheit und Wertsteigerung. Anleger haben verschiedene Möglichkeiten: Sie können Münzen und Goldbarren kaufen, aber auch Wertpapiere, die die Entwicklung des Goldpreises nachbilden, zum Beispiel Zertifikate.

Privatanleger sollte allerdings bedenken, dass der Goldpreis erheblich schwanke, warnt der Bundesverband deutscher Bank (BdB) vor zu viel Euphorie. Sie profitierten mangels Dividenden oder Zinsen nur, wenn der Goldpreis steige.
Im ersten Halbjahr war das Interesse an dem Edelmetall zwar weltweit geringer als im Jahr zuvor. Nach Angaben der Vereinigung World Gold Council kauften Investoren, Schmuckindustrie, Technologieunternehmen und Notenbanken rund 2004 Tonnen, 14 Prozent weniger als im starken Vorjahreszeitraum.

Im Vergleich zu den Aktienmärkten schneidet der Goldpreis in diesem Jahr bislang aber gut ab: Das Wall-Street-Aktienbarometer Dow Jones Industrial legte seit Jahresbeginn bis Mitte der Woche um gut 10 Prozent zu, der deutsche Leitindex Dax schaffte ein Plus von annähernd 6 Prozent, sein Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 von 4 Prozent. Von seinem Höchstpreis von 1900 Dollar je Feinunze im Sommer 2011 ist Gold allerdings aktuell noch weit entfernt.
 

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