Greenshowroom und Ethical Fashion Show: Der Markt boomt, aber die Stimmung war zäh!

Vom 3. bis 5. Juli fanden die beiden Messen für Green- und Eco-Fashion im Kraftwerk Berlin zur Modewoche statt. Das Konzept hatte man für diese Ausgabe leicht verändert – aber damit auch einen Stagnationspunkt erreicht?

Seit Beginn der Veranstaltung Greenshowroom, damals noch im Hotel Adlon mit einer Handvoll Aussteller, wurde der Zuspruch von Ausgabe zu Ausgabe größer. Durch die Zusammenlegung des Greenshowrooms und der Ethical Fashion Show (seit Januar 2015) und der Übernahme durch die Messe Frankfurt (2011) gewann die Plattform für grüne Mode einen zusätzlichen Aufschwung und rückte zunehmend in die Aufmerksamkeit der Besucher der Berlin Fashion Week. Die letzte Ausgabe im Januar war definitiv der Zenit, denn diesen Juli machte die beliebte Messe etwas schlapp. Die Stimmung war zwar positiv, die Luft dennoch ein bisschen raus.

Perspektivenwechsel im Kraftwerk: Greenshowroom und Ethical Fashion Show, Ausgabe Juli 2018

In einer Mitteilung hieß es: "Wir haben tolle Labels im Programm, die wir bewusst noch einmal stärker modisch kuratiert haben", so Olaf Schmidt, Vice President Textiles and Textile Technologies der Messe Frankfurt. Das führte dazu, dass die 170 Labels aus der Vorsaison auf 140 (internationale und nationale Aussteller aus 24 Ländern) schrumpften. Man wolle die Qualität der Messe verbessern, so die Organisatoren.

37 Prozent der Labels stammten aus Deutschland und 54 Prozent aus dem europäischen Ausland, allen voran aus Frankreich, Niederlande, Portugal, Schweiz und Spanien. Zudem gab es Aussteller aus Äthiopien, Kambodscha, Sri Lanka sowie Kanada. 44 Prozent der Marken waren neu dabei. Insgesamt versammelten sich Labels mit nachhaltiger Street- und Urbanwear (Ethical Fashion Show) sowie Contemporary und High-Fashion (Greenshowroom). Ein Fokus lag auf der Schuh- und Lederproduktion, was auch in den Konferenzen behandelt wurde. Das groß angekündigte Beauty-Areal bestand nur aus vier Marken und zwar Benecos, Biosfair, Ella Brantë und einer Ringana-Repräsentanz. Schade, denn hier hatten sich die Besucher auf mehr gefreut.

Unter den Ausstellern waren sehr viele dabei, die eine kleine Standfläche gebucht hatten – angeblich wurden die Preise erhöht. Laut einiger Aussteller wurde zum ersten Mal auch eine "Media-Gebühr" erhoben, ein Paketpreis für eine bessere Berichterstattung via der Kommunikationskanäle der Messe Frankfurt. Das entsprach in der Durchführung nicht den Erwartungen einiger Aussteller.

Die Besucherzahlen werden seitens der Messe nicht veröffentlicht, den Ausstellern fiel aber der geringere Andrang auf. Elemente Clemente war nicht befriedigt, obwohl sie mit Herzblut die Nachhaltigkeit und eine solche Plattform unterstützen. "Die Messe ist eindeutig zu schwach besucht. Ich finde die Location inzwischen toll, es ist eigentlich schön gemacht, aber von den Besuchern her ist es zu wenig. Es kommen zu wenig ernstzunehmende und größere Kunden hierher. Und die Messe wird auch ein bisschen zerrieben zwischen der Panorama und Premium", die auch nachhaltige Marken ausstellen und in der Priorität der Einkäufer höher bewertet würden, wie Geschäftsführer Clemens Dörr erklärte. Eine Schwierigkeit sähe er aber darüber hinaus besonders im Kaufverhalten des Endkonsumenten, der noch immer nicht genügend über die Themen Nachhaltigkeit, Umweltverschmutzung und Massenkonsum informiert sei.

Ein offener Stand und Zusatzprogrammpunkte sind das Erfolgsgeheimnis von Lanius.

Einen anderen Eindruck hatte das Label Lanius, die direkt im Eingangsbereich ihren Stand positionierten. Im Vorfeld hatten sie ganz gezielt eingeladen, einen zweiten Stand mit einer Vorführung zum Färbevorgang aufgebaut und sie veranstalteten zusammen mit Weleda eine "Ginger-Party" am ersten Tag im Zuge des Nightshifts (verlängerte Öffnungszeiten für einen Abendbesuch). Das seien sicherlich Maßnahmen und ein Attraktivitätsfaktor, um mehr Besucher anzuziehen. Man war sehr zufrieden. Auch der Stand sei im Design daran angepasst, offener zu wirken. Lanius fühle sich der Messe verbunden, wünsche sich aber noch mehr Labels und dass alles größer und nicht kleiner würde.

Die Marke Erdbär aus Salzburg berichtete, dass sie neuerdings ein ausgereiftes Digital-B2B-Portal für die Ordern nutze, daher könnten sie sich auf der Messe auf Gespräche konzentrieren und die Gäste mit grünem Wiesengetränk verwöhnen. Ein Stand vor Ort sei wichtig für den "Erlebnisfaktor" und für die Emotionen. "Eine Messe im herkömmlichen Sinne hat das Ablaufdatum bald erreicht", so Robert Laner, Co-Founder von Erdbär.

Wichtige Themen, über die man auf der Messe sprach, waren Transparenz und Diversifizität. Bei der Konferenz der Fair Wear Foundation wurde deutlich, dass der Druck in der Branche wachse, dass auch Big Player gezwungen seien, sich zu verändern. Das Ziel sei, allgemeingültige Vorgaben und Richtlinien in der gesamten Textilbranche zu schaffen. Flächendeckend müsse eine Veränderung passieren, nicht nur in zertifizierten Fabriken oder bei Produzenten.

In der überlaufenen und gut gemachten Blogger-Lounge "PrePeek powerd by Fashion Changers" sprach man beim Talk über Körper, Normen und Inklusion oder tauschte sich in der freundlichen Community aus. Rund 300 Blogger und Influencer sollen laut des Messeberichts vorbeigeschaut und die Kollektionsteile von rund 25 teilnehmenden Labels der kommenden Saison für Mini-Fotoshootings im Pre-Test anprobiert haben.

Design-Hingucker und Highlights im Erdgeschoss waren die Sneaker mit Elementen aus Kaffee, gemähtem Gras oder Zunderschwamm-Pilzen von Nat-2, das vegane Apfel-Leder (getrocknete, pulverisierte Apfelreste u.a. aus der Saftproduktion zu einem Textilleder verarbeitet) für Handtaschen von Nuuwaï, die künstlerischen Illustrations-Muster von Rhumaa aus Amsterdam, die super leichten Rucksäcke aus Filz (recyceltes Plastik) und portugiesischem Kork von UlStᴓ oder die Wäschebeutel von Guppyfriend, die verhindern, dass Mikroplastikfasern aus der Kleidung durch die Waschmaschine in den Wasserkreislauf geraten.

Greenshowroom Selected: Diese nachhaltige Swimwear erregt wohl keine Aufmerksamkeit bei Renate Künast (4. v. li.), wie dieser Schnappschuss beweist!

Die Modenschau der Veranstaltung fand erstmalig auf dem Catwalk der Mercedes-Benz Fashion Week (MBFW) statt und präsentierte unter dem Titel "Greenshowroom Selected" eine bunte Mischung aus den Kollektionen der Aussteller. Die kuratierte Show wirkte diesmal professioneller, vielseitiger und erhielt mehr Resonanz, die Styles wirkten teilweise zu gewollt.

Positiv fiel das Konferenzprogramm mit den Formaten FashionSustain und dem von der Premium Group organisierten Fashiontech auf, wo Themen wie Naturfasern, ethisch korrekte Schuhe und die Digitalisierung in der Mode diskutiert wurden.

Ein Fair Fashion Move, der am letzten Tag mittags vom Alexanderplatz bis hin zum Kraftwerk führte, zog die zusätzliche Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Messe. Es nahmen rund 200 Personen an diesem Demo-Walk teil, der von der Messe Frankfurt und Hessnatur organisiert wurde. Besonders die Blogger waren davon begeistert und lobten diese Aktion mit dem Wort "Cool!".

Ab dem nächsten Mal (15.-17. Januar 2019) wird die Messe in "Neonyt" (Fantasiewort) umbenannt, das alte Konzept aus Greenshowroom und Ethical Fashion Show wird es so dann nicht mehr geben. Sie wird auch weiterhin eine "Kommunikations-Marketing-Plattform" bleiben, wie Thimo Schwenzfeier, Leiter Marketingkommunikation und Show Director Neonyt, berichtet. Sie solle zudem zu einem ausgedehnter Hub werden, mit der Messe als Grundlage, aber mit erweitertem Programm mit Konferenzen und Events. Der PrePeek-Bereich solle gleichfalls ausgebaut werden – zugänglich auch für Marken, die keine Aussteller sind.

Die Messe Frankfurt ist der weltweit größte Messe-, Kongress und Eventveranstalter mit eigenem Gelände. Mehr als 2.400 Mitarbeiter an 30 Standorten erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 669 Millionen Euro.

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