Heidi Klum gegen Anastacia: Das Star-Duell der Discounter

Die jüngste Runde im Wettkampf zwischen den Erzrivalen Aldi und Lidl wird nicht über die Preise ausgetragen. Stattdessen setzen die Discounter auf Starpower. Lidl präsentiert während der New York Fashion Week eine Modekollektion von Model Heidi Klum. Aldi stellt am gleichen Tag in Köln auf einer eigens inszenierten Modenschau eine gemeinsam mit der US-Sängerin Anastacia entwickelte Kollektion mit Biker-Jacken und Jeans vor. Mitte September sollen beide Kollektionen fast zeitgleich in die Läden kommen.

Die Kollektion wird am 7. September 2017 während der New York Fashion Week Weltpremiere feiern. - Lidl

Die zeitliche Nähe der Ereignisse ist für den Marketing-Experten Martin Fassnacht kein Zufall: "Das zeigt die harte Konkurrenz im deutschen Einzelhandel. Man beobachtet die Konkurrenz genau und reagiert sehr schnell, um sich gegenüber dem Wettbewerber keine Blöße zu geben." Schließlich ist das Geschäft mit Textilen für beide Discounter von großer Bedeutung. Denn Aldi und Lidl gehören zu den zehn größten Textilhändlern Deutschlands.

Die Zusammenarbeit mit Stars sichert Aldi und Lidl nicht nur viel Aufmerksamkeit. "Ziel ist ein Imagetransfer von den Prominenten auf den Discounter, der den Billiganbieter aufwertet und ihm einen Premiumanstrich verleiht", erklärt Fassnacht die Strategie der Handelsketten.

Die Discounter machen daraus auch gar keinen Hehl. "Lidl wurde bisher nicht automatisch mit High-Fashion in Verbindung gebracht", räumt Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland ein. Dies wolle das Unternehmen mithilfe von Heidi Klum ändern. Mit der neuen Kollektion werde Lidl "in der etablierten Fashion-Welt auffallen", meint Bock selbstbewusst.

Allzu wörtlich sollte man die Bezeichnung High-Fashion aber nicht nehmen. Denn auch die Leo-Blazer, Tops, Bomberjacken und Super Skinny Jeans der Lidl-Kollektion werden sich im typischen Discounter-Preisbereich zwischen 8 und 25 Euro bewegen. Teuerstes Stück wird eine Echtleder-Jacke im Bikerstil für rund 60 Euro sein. Heidi Klum selbst spricht dann auch lieber davon, dass sei "Mode mit Wow-Effekt" kreieren wollte.

Aldi hat in den vergangenen Jahren schon einige Erfahrung mit Promi-Kollektionen gesammelt, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit der Designerin Jette Joop. "Unsere exklusiven Kollektionen mit prominenter Unterstützung kommen bei unseren Kunden mehr als gut an", sagt Kim Aline Suckow, die stellvertretende Geschäftsführerin im Einkauf von Aldi Süd.

Die US-amerikanische Sängerin Anastasia bringt gemeinsam mit Aldi Süd eine Fashionkollektion heraus. - Aldi Süd

Wohl auch deshalb legte der Discounter noch einmal nach und setzte bei seinem jüngsten Projekt auf die Zusammenarbeit mit dem Weltstar Anastacia. Die rund 40 Teile der Kollektion – von der Bikerjacke in Veloursleder-Optik bis zur Handtasche mit Anhängern – seien "nach den Wünschen und Vorlieben des internationalen Rockstars kreiert" worden, wirbt der Discounter. Mit der Anastacia-Kollektion werde Aldi "rockig". Die Sängerin selbst wird mit dem Satz zitiert: "Die gesamte Kollektion steht absolut für mich und meinen Style."
 
Dass niedrige Preise und Starglamour gut zusammen passen, hatte vor Aldi und Lidl bereits Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann entdeckt. Er brachte in den vergangenen Jahren immer wieder Schuhkollektionen heraus, die in Zusammenarbeit mit Stars wie dem Topmodel Cindy Crawford, der Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Halle Berry oder zuletzt der Sängerin Ellie Goulding entstanden.

Die Zusammenarbeit mit den Stars "sende ein starkes Signal in Richtung der modebewussten Kunden", heißt es bei dem Unternehmen. Gleichzeitig habe es "positive Ausstrahlungseffekte auf die Dachmarke Deichmann".

Wie viel die Stars für ihre Zusammenarbeit mit den Discountern kassieren, ist natürlich Geschäftsgeheimnis. Preiswert dürften sie im Gegensatz zu den Kollektionen nicht sein. Dennoch ist Marketing-Experte Fassnacht überzeugt, dass sich die hohen Kosten rechnen. "Selbst wenn sie mit der Kollektion selbst keinen Gewinn machen sollten, macht sich am Ende die Aufwertung der eigenen Marke für die Billiganbieter bezahlt", ist er überzeugt.
 

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