Henkel startet wegen Lieferproblemen mit weniger Umsatz

Der Persil-, Schwarzkopf und Loctite-Hersteller Henkel wird an diesem Mittwoch (9. Mai) seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen. Das Unternehmen hat einen holprigen Start in das neue Geschäftsjahr erwischt. Wegen Lieferproblemen in Nordamerika hatte der Konzern bereits im März vor einem verhaltenen Quartal gewarnt. Bei der Umstellung der Liefer- und Logistiksysteme in den USA war es zu Engpässen gekommen. Erschwert hatte die Situation dann die ohnehin angespannte Lage auf dem US-amerikanischen Transportmarkt. Betroffen waren die verbrauchernahen Sparten Wasch- und Reinigungsmittel sowie die Kosmetik. Das wichtige Klebstoffgeschäft blieb von den Engpässen unberührt. Eine Besserung der Lage hat Henkel für das zweite Quartal in Aussicht gestellt.

Zu kämpfen hat der Konzern zudem stets mit einem harten Wettbewerb. Die Konsumgüterhersteller rund um den Globus liefern sich Preiskämpfe. Für zusätzlichen Druck sorgen die Einzelhändler mit ihren Eigenmarken. Dafür kurbelte eine starke Nachfrage aus der Industrie das Geschäft mit Klebstoffen zuletzt kräftig an. Die Kleber-Sparte ist das wichtigste Standbein des Konzerns und steuert knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Hoffnung auf ein gutes Klebstoff-Quartal geben die starken Umsatzzahlen von Konkurrent Tesa. Die Beiersdorf-Tochter war in den ersten drei Monaten überdurchschnittlich gewachsen.

Zu kämpfen hat der Konzern Henkel stets mit einem harten Wettbewerb. - Shiseido

Andrew Wood von der Investmentbank Bernstein erhofft sich vor allem weitere Details dazu, wie es zu den Lieferproblemen in Nordamerika gekommen ist. Er glaubt zudem, dass Henkel zumindest bei der operativen Marge weiter zugelegt hat. Der Konzern ist bekannt dafür, effizient zu wirtschaften und seine Kosten im Griff zu haben.
Jörg Philipp Frey von Warburg Research stuft die Lieferprobleme als einmalige Belastung ein. Auch Andreas Riemann von der Commerzbank glaubt, dass die Konsumsparten ihr Wachstum in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen werden.

Mehrheitlich erwarten die vom Unternehmen befragten Experten einen Umsatzrückgang um knapp 3 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Dazu dürfte auch der starke Euro seinen Teil beitragen. Das organische Wachstum dürfte bei 0,7 Prozent liegen. Im Vorjahr waren es noch 4 Prozent. Der Kosmetik droht ein Umsatzminus von 3,5 Prozent und den Wasch- und Reinigungsmitteln von 1,8 Prozent. Die Klebstoffe sollten ihren Umsatz organisch um 4,6 Prozent gesteigert haben.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) dürfte derweil von 854 Millionen auf 843 Millionen Euro sinken. Daraus ergibt sich eine Marge von 17,1 Prozent (Vorjahr 16,9). Der bereinigte Jahresüberschuss wird leicht über dem Vorjahresniveau bei 617 Millionen Euro gesehen.

2018 will Henkel aus eigener Kraft um 2 bis 4 Prozent zulegen. Die bereinigte operative Marge, die 2017 bei 17,3 Prozent lag, soll sich auf über 17,5 Prozent verbessern. Beim bereinigten Gewinn je Aktie traut sich Henkel ein Plus von 5 bis 8 Prozent zu.

In diesem Jahr gehört die Henkel-Aktie zu den schwächeren Werten im Dax. Dazu hatte auch die Umsatzwarnung beigetragen. Nachdem eine starke Jahresbilanz im Februar noch zwischenzeitlich für gute Stimmung gesorgt hatte, ging es dann nach dem Schocker im März mit der Aktie bergab. Ihren diesjährigen Tiefpunkt hatten die Papiere Ende April, als sie nur noch knapp über der 100 Euro-Marke lagen.

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