HfK Bremen: Robin Rau zeigt Master-Kollektion "Pli"

Zwischen Barock und Postmoderne: Nachwuchsdesigner Robin Rau hat am vergangenen Woche an der Bremer Hochschule für Kunst (HfK) seine bemerkenswerte Master-Kollektion "Pli" vorgestellt. Als Auseinandersetzung mit dem französischen Philosophen Gilles Deleuze (1925-1995) und der Dekonstruktion sahen die rund 50 Zuschauer und drei Prüfer in der Galerie der HfK nahe der Domsheide neo-barocke Kleider mit einer ungewöhnlichen Popnote inmitten eines schrillen Settings voller Artefakte, Querverweise und Anspielungen.

Robin Rau (links) mit seinen Models nach der Show in der Galerie der HfK Bremen. - Rüdiger Oberschür

Für die Entwürfe hatte Rau mit Hilfe von 3D-Programmen klassische Schneiderpuppen modifiziert. "Meine Idee war es, postmoderne Prinzipien wie die Dekonstruktion und den Zufall zu benutzen, um '(Pre-)Postmoderne Körper' als Schneiderpuppen für die Konstruktion von Bekleidung zu entwickeln", erklärte der junge Designer gegenüber FashionNetwork.com. Seine Puppen ließ Rau sich in Zusammenarbeit mit einer Spezialfirma für Frästechnik per CNC-Verfahren aus Styropor fertigen.

Das Volumen seiner ebenso höfisch wie dekonstruktivistisch wirkenden Kleider hat Rau vor allem mit Tüll erzeugt. Der typisch barocke Seidentaft der Kleider Marie Antoinettes haben ihn außerdem zu einem speziellen Stepp-Prinzip inspiriert. Rautenmuster und Kontraste werden bei ihm durch Perlen, Plastik-Fransen und Sraußenfedern akzentuiert.

Neben Couture-Stoffen von Malia Kent aus Paris tauchen Lack und Schlangenleder auf, um den ironischen Aspekt beider Epochen herhorzuheben. Strick hat der Designer in spielerischen Hahnentritt-Mustern integriert.  

Blick auf Teile der Kollektionen von Boom Studio im Eingangsbereich der Galerie. - Rüdiger Oberschür

"Für mich ist die Master-Kollektion der Höhepunkt einer langjährigen kreativen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Strömungen und Einflüssen", erklärte Rau am Rande der Präsentation in der HfK-Galerie. 

Im Eingangsbereich waren dazu u.a. auch die Kollektionen "WhoMen" und "Women of the Forest" von Boom Studio zu sehen. Das Konzept-Label hat Rau mit seiner ehemaligen Kommilitonin Jing Jing Qi im Rahmen des Modedesign-Studiums an der Hochschule Hannover 2014 gegründet. Die Kollektion "Women of the Forest" war Gewinner beim litauischen Fashion Award "Mados Infectija" und wurde im Concept Store New Skin in Vilnius gezeigt. 

Prüfer von Raus Master-Arbeit waren die Professoren Kai Lehmann und Ursuala Zillig. Als Beisitzerin fungierte Martina Glomb, die den Modedesign-Studiengang an der Hochschule Hannover leitet.

Die HfK Bremen hatte zuletzt mit Studierenden die Ausstellung "UNTER - Collection of Collections" während der Berliner Fashion Week gezeigt. Mit der Mode-Performance "Acht" stellten sich im Sommer gleichzeitig Absolventen der Hochschule während der Modewoche in der Hauptstadt vor.

Zuletzt gewann außerdem die HfK-Absolventin Anna Bornhold gleich zweifach beim "International Talent Support" in Trieste. Ausgezeichnet wurde Bornhold für neue und weiterentwickelte Outfits aus ihrer Master-Kollektion "Fashion. Imitation", mit der sie 2015 an der HfK abgeschlossen hatte. In der Kategorie Fashion erhielt Bornhold den vom Modekonzern OTB gestifteten Preis in Höhe von 5.000 Euro und den Modateca Deanna Award für Strickwaren in Höhe von 3.000 Euro. 

Im Januar hatten Modestudenten der HfK außerdem mit dem Berliner Modefotografen Joachim Baldauf das Magazin "Breathe. An Idea about Fashion" herausgebracht.

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