Hugo Boss mit kräftigem Gewinnrückgang erwartet

Der Edelschneider Hugo Boss hat ein turbulentes erstes Quartal hinter sich. Nach einer saftigen Gewinnwarnung des Managements im Februar, dem darauf folgenden Rauswurf von Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs und dem nicht minder plötzlichen Weggang von Markenvorstand Christoph Auhagen Ende April sind die Erwartungen an die Quartalsbilanz des MDax -Konzerns entsprechend niedrig. Analysten rechnen vor allem bei den Gewinnkennziffern mit deutlichen Rückschlägen. Hugo Boss wird seine Geschäftszahlen an diesem Dienstag (3. Mai) vorlegen.

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Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Montag befragten Analysten erwarten den Nettogewinn um 42 Prozent niedriger bei 44 Millionen Euro. Der bei Hugo Boss als operatives Ergebnis bezeichnete Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten dürfte um 27 Prozent auf 96 Millionen Euro sinken. Vergleichsweise gering nimmt sich da der erwartete Umsatzrückgang von 3 Prozent auf 647,50 Millionen Euro aus.

Hugo Boss kämpft schon seit längerem mit Problemen auf wichtigen Auslandsmärkten. Während das Europa-Geschäft sich zuletzt noch solide erwies, setzten dem Konzern die nachlassende Nachfrage der chinesischen Verbraucher sowie die Rabattschlachten in den USA zu. Wie groß das Ausmaß der Misere ist, trat aber erst Anfang des Jahres zu Tage. Da kündigten die Schwaben für das laufende Jahr einen Rückgang beim operativen Ergebnis von mindestens zehn Prozent an. Der Umsatz soll 2016 währungsbereinigt nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen.

Um zurück in die Spur zu finden, will Hugo Boss im laufenden Jahr weniger neue Läden eröffnen und die Investitionen drosseln. Zudem sollen einige Geschäfte geschlossen werden. 20 Läden in China stehen bereits auf der Streichliste, bis zu 20 weitere Filialen in anderen Regionen könnten noch hinzu kommen. Übernahmen soll es vorerst keine mehr geben.

Auch am Preisgefüge schraubt Hugo Boss. Während die Preise hierzulande stetig steigen, wurden sie auf dem chinesischen Festland mit der Frühjahrskollektion um 20 Prozent gesenkt. In den USA will Hugo Boss ebenfalls rigoroser vorgehen. Weil sich dort die Großhändler regelrechte Rabattschlachten liefern, will der Konzern seine Kernmarke Boss nur noch auf in Eigenregie bewirtschafteten Flächen verkaufen.

Boss Women in New York - © PixelFormula

An eine rasche Wende bei Boss glauben Experten nicht. Das kühle Wetter in Europa, eine geringere Zahl shoppingfreudiger Touristen und das schwache Umfeld für Luxusgüter ließen keine schnelle Trendumkehr erwarten, schrieb das Bankhaus Lampe in einer Studie. Die Baader Bank glaubt zudem, dass im ersten Quartal ungünstige Währungseffekte eine größere Rolle gespielt haben. Auch die Deutsche Bank rechnet erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Besserung der Lage.
Unklar ist weiterhin, wer Hugo Boss in Zukunft führen wird. Nach dem Weggang von Lahrs, den seinerzeit der inzwischen wieder ausgestiegene Großaktionär Permira an Bord geholt hatte, ist der Chefposten vakant. Der Nachfolger für Markenvorstand Auhagen steht zwar bereits fest, nicht aber wann er anfängt. Schlimmstenfalls könnte es November werden, bis Tommy-Hilfiger-Manager Ingo Wilts Auhagens Nachfolge antritt. Analysten sehen in dem Wechsel einen Hinweis darauf, dass fortan die Herrenmode wieder eine stärkere Gewichtung im Konzern bekommen könnte. Lahrs hatte stark die Damenmode gefördert, die mit einem stagnierenden Umsatzanteil von 11 Prozent noch immer ein zartes Pflänzchen ist.

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