Hutbranche im Aufwind: Gondoliere im Großstadtdschungel

Wer mag sich schon mit abgeknickten Ohren im Spiegel betrachten? Die Suche nach einer Kopfbedeckung verlangt Fingerspitzengefühl. Mode-Experten raten im kommenden Jahr zum Gondoliere-Strohhut oder zum Eimermodell. Die Branche kann sich über steigende Umsätze freuen.

Chanel Haute Couture Herbst/Winter 2017 - Chanel

"Ein Hut muss sitzen und passen. Abgeknickte Ohren sind nicht schön", findet Mode-Expertin Kirsten Reinhardt von der Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte. Während der Modehandel in Deutschland auch im laufenden Jahr über sinkende Umsätze klagt, kann sich die kleine Hut- und Mützenbranche weiter über gute Geschäfte freuen. Die neuen Hut- und Mützentrends zeigt von diesem Freitag an die Düsseldorfer Accesoires-Fachmesse Date (bis 24.7.).

Nach Einschätzung von Messe-Organisator Michael Arlt dürfte der italienische Gondoliere-Hut im kommenden Frühjahr und Sommer deutsche Großstädte erobern. Der kleine Strohhut mit gerader Kante könne von Frauen und Männern getragen werden. Für die Dame sei auch ein kleiner Schleier im Trend. "Den sieht man nach einiger Zeit nicht mehr", verspricht er.

Zunehmend gefragt seien aber auch sogenannte Panama-Hüte aus Stroh mit breiterer Krempe, die je nach Verarbeitung und Material bis zu 3.000 Euro kosten könnten. Unter den Stoffhüten sei derzeit wieder das eher schlichte Eimermodell (Bucket Hat) auf dem Vormarsch, das etwa an die Kopfbedeckungen von Anglern erinnere.

Traditionell sind Männer mit einem Umsatzanteil von etwa 60 Prozent die besten Kunden der rund 160 deutschen Hutfachgeschäfte, berichtet Reinhardt. Während der Umsatz im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent zugelegt habe, habe das Plus im ersten Halbjahr 2017 bei zwei Prozent gelegen. Absolute Zahlen wollte die Sprecherin jedoch nicht nennen. Im Gegensatz zum Ladensterben im Modehandel sei die Zahl der Hutfachgeschäfte in den vergangenen Jahren stabil geblieben.

Neben modischen Aspekten sei der Wunsch nach einem ausreichenden UV-Schutz beim Aufenthalt im Freien ein wichtiges Kaufargument, so Reinhardt. Auch ein Strohhut könne dabei normalen Nieselregen aushalten.
Männer seien dabei aufgrund sich häufig lichtender Haare in der Regel die fleißigsten Hutträger und hätten im vergangenen Jahr durchschnittlich 61,13 Euro in ihre neue Kopfbedeckung investiert. Frauenhüte waren nach den Zahlen der Fachhändler trotz oft aufwendigerer Dekorationen mit durchschnittlich 49,31 Euro etwas billiger. Für Kinderhüte hätten Eltern dagegen im Schnitt nur etwa 15 Euro ausgegeben.

Die Hut-Kunden sind dabei nach Beobachtungen von Arlt immer jünger geworden: Während früher in der Regel nur die Generation 50 plus einen Hut aufgesetzt habe, seien modische Kopfbedeckungen heute schon bei jungen Leuten ab etwa 25 Jahren zunehmend gefragt.
 

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