Jimmy Choo ist international gut aufgestellt, US-Einzelhandel bleibt problematisch

In absehbarer Zukunft wird Jimmy Choo der Micheal Kors-Familie beitreten, doch bis dahin bleibt das Unternehmen unabhängig. Und in dieser Position schneidet das Label sehr gut ab.


Jimmy Choo


Am Donnerstag veröffentlichte Jimmy Choo seine Halbjahresergebnisse. Für die ersten sechs Monate des Jahres legt das Unternehmen Zahlen vor, die über dem Marktwachstum liegen. Die Margen konnten „trotz einem schwierigen Umfeld“ verbessert werden. Die Grundlage für diesen Erfolg bildet einerseits das Kerngeschäft, Luxus-Damenschuhe für besondere Anlässe, und andererseits die fortschreitende Diversifizierung des Unternehmens.

Luxusschuhe bleiben auch weiterhin das Kernangebot des Konzerns, 74 Prozent des Umsatzes kommen aus diesem Bereich. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs erzielte Jimmy Choo 23 Prozent Umsatz mit seinem immer grösser werdenden Accessoires-Angebot, im Vorjahr waren es noch 22 Prozent.

Starke Produkt
Die zentralen Wachstumstreiber im Bereich Damenschuhe waren auch weiterhin die neueingeführte Modelle – sowohl in den saisonalen Kollektionen wie auch im Kernangebot. Die Ende 2016 erstmals präsentierte Brautmodekollektion umfasste im vergangenen Jahr eine breitere Auswahl an Cinderella-Absätzen mit Swarovski-Kristallen, sowie neue Absatzgrößen und Farben.


Jimmy Choo

Mit klassischen Modelle wie den Romy Pumps konnte ebenfalls ein gutes Ergebnis erzielt werden, wie auch mit einigen anderen neuen Schuhen. Weiter waren Sandalen und Luxus-Turnschuhe sehr erfolgreich. Neu eingeführt wurden in der vergangenen Saison verschiedene Modelle wie der Schuh Bridget mit gerundeter Schuhspitze, die der Capsule Collection „Icons“ nachempfundene Keilsandale Edina und das Modell Ren 35, eine „moderne Abwandlung der klassischen Jimmy Choo Sandale“.
           
Die beliebten Lockett-Taschen leisteten ebenfalls einen bedeutenden Beitrag zum soliden Wachstum der Accessoires-Kategorie. Mit der Einführung der Schultertasche Artie erweiterte das Label sein Produktangebot in diesem Bereich.

Der schnellste Zuwachs wurde bei den Männern verzeichnet, gestützt auf eine umfangreiche Werbeabdeckung. Mit Menswear wurde fast 9 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt, die Anzahl der Stores, die Produktlinien für Männer verkaufen, nahm weiter zu. Ende 2016 führten 71 Läden Damen- und Herrenkollektionen, nun sind es bereits 86.

Starke Zahlen
Was ergibt sich daraus nun konkret? Das Unternehmen verwies auf ein Umsatzwachstum um 16,5 Prozent auf 201,6 Millionen Pfund. Das ist ein starkes Ergebnis, auch wenn positive Währungseffekte ihren Teil dazu beitrugen. Währungsbereinigt ergibt sich ein Wachstum um 4,5 Prozent und ein Plus von 3,5 Prozent auf vergleichbarer Basis im Einzelhandel („mit Wachstumsraten in fast allen Regionen“). Für ein Unternehmen, das bald einen neuen Besitzer hat, sind das erfreuliche Nachrichten.

Der Vorsteuergewinn schnellte in die Höhe – um 174,2 Prozent auf 18,1 Millionen Pfund! Doch kann dieser trügerisch sein, da er Ergebnisbelastungen aus dem Vorjahr nicht miteinbezieht. Das bereinigte Ergebnis auf EBITDA-Basis ist ein viel deutlicher Anhaltspunkt, und auch hier war das Wachstum beeindruckend: Ein Anstieg um 19,5 Prozent auf 37,4 Millionen Pfund, die Marge stieg um 50 Basispunkte auf 18,6 Prozent. Das Unternehmen erfreut sich bester Gesundheit.

Im Einzelhandel konnten besonders gute Ergebnisse erzielt werden, währungsbereinigt stieg der Umsatz um 6,7 Prozent auf 65,8 Millionen Pfund. Die Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft konnten um 24,3 Prozent auf 8,7 Millionen Pfund verbessert werden, hauptsächlich durch den Erfolg der neuen Düfte und den von Safilo hergestellten Sonnenbrillen.


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Im Großhandel ergab sich währungsbereinigt ein Rückgang um 1,6 Prozent. Insgesamt konnte jedoch ein Plus von 10,4 Prozent auf 65,8 Millionen Pfund verzeichnet werden. Dies trotz der erwarteten Abschwächung der Kauflust in US-Kaufhäusern und sinkender Kundenzahlen in den USA ganz allgemein.

In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahrs will das Unternehmen bei den Großkunden im amerikanischen Wholesale den elektronischen Datenaustausch (EDI) einführen. Dadurch kann das Auffüllen der Warenbestände verbessert und die Abverkaufsraten der Kollektionen optimiert werden.

Fokus Einzelhandel und Omnichannel
Im Gegensatz zu anderen Luxusmarken bleibt der Großhandel für Jimmy Choo ein wichtiger Absatzkanal. Doch das Unternehmen fördert auch seine eigenen Läden. Das Investitionsprogramm für die konzerneigenen Läden wurde im ersten Halbjahr ausgebaut. Sechs neue konzerneigene Einzelhandelsgeschäfte (DOS), acht Neueröffnungen und Standortverlagerungen machten fünf Filialschließungen mehr als wett. Insgesamt verfügt der Konzern nun über 151 DOS, wobei Stores mit dem neuen Ladenkonzept mittlerweile über die Hälfte des Einzelhandelsnetzwerks ausmachen. Vor einem Jahr betrug dieser Anteil noch 40 Prozent. Alles in allem macht Jimmy Choo „gute Fortschritte“ in Richtung des mittelfristig gesteckten Ziels von 200 DOS. Im Schnitt eröffnet oder überarbeitet das Label 20 bis 30 Läden pro Jahr.

Weitere Handlungsschwerpunkt des Unternehmens: Die Eröffnung neuer Flagship-Stores in zentralen Standorten weltweit. Sieben der für 2017 anvisierten 10 Flagships haben ihre Türen bereits geöffnet. Die Läden an der New Bond und der Sloane Street in London, wie auch in Mailand, Paris, Beverly Hills, Madison Avenue und Harbour City Hong Kong sind eröffnet, die verbleibenden drei Flagship-Stores dürften bis Ende Jahr in Asien eingeweiht werden.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten startete Jimmy Choo ein neues Joint Venture. Dieses wurde erst im vergangenen Monat, nach Ablauf des ersten Halbjahrs, rechtskräftig und betrifft sechs Läden, die zuvor als Franchisen geführt worden waren.
In Brasilien, Russland und Südkorea eröffnete der Konzern im ersten Halbjahr vier neue Franchisen, einschließlich zwei Travel Retail-Stores. In Indonesien und Australien wurde je eine Franchise geschlossen.


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Die Onlinepräsenz wird immer wichtiger. Seit der zweiten Hälfte des vorhergehenden Geschäftsjahrs setzte das Unternehmen auf die Einführung von Omnichannel-Services in den Läden in England, im ersten Halbjahr 2017 nun auch in den USA. Die „Nachfrage auf Kundenseite ist groß und schlägt sich in unserem Umsatzwachstum nieder. Das führte zu einer deutlichen Verbesserung des Geschäftsverlaufs, insbesondere in den USA“.

Weiter investierte Jimmy Choo im ersten Halbjahr in den Ausbau des Onlinehandels und integrierte die zuvor ausgelagerte Auftragsabwicklung erfolgreich in den eigenen Betrieb. All dies „schlägt sich im Umsatzwachstum nieder“.

Doch all diese Anstrengungen müssen von einem soliden Marketingprogramm begleitet werden, damit die Marke für die Kunden weiterhin an vorderster Front präsent ist. Die Marketingstrategie des Unternehmens stützt sich auf ein umfangreiches Visual Merchandising, wobei die Ausgaben generell in der zweiten Jahreshälfte steigen. Doch auch Red Carpet-Events und soziale Netzwerke sind ein wichtiger Bestandteil der Strategie.

Im ersten Halbjahr unterstützte das Label seine starken Verbindungen zu VIPs mit prominenten Platzierungen auf dem roten Teppich an Veranstaltungen wie den Golden Globes, den Oscar-Verleihungen und dem Cannes Film Festival. Hier bleibt Jimmy Choo „beispiellos erfolgreich mit einer stärkeren Präsenz als alle anderen Schuhlabel“.

Die Marketingaktivitäten des Labels in den sozialen Medien stützen sich auf VIPs und Influencers. Durch die Zusammenarbeit mit berühmten Persönlichkeiten, Designern und Influencern gelingt es Jimmy Choo, neue Kunden über Social Media-Kanäle anzuziehen und die Kundenbindung zu bestehenden Kunden zu vertiefen.  

In den ersten sechs Monaten des Jahres stiegen die YouTube-Views der Marke weiter an, auf insgesamt 23,5 Millionen Views. 2016 waren es 22,2 Millionen. Auch auf Instagram konnte das Unternehmen seine Fans begeistern, die Anzahl Follower stieg um 22 Prozent auf 6,7 Millionen.

Weltweit attraktiv
Dadurch gelingt es dem Unternehmen, Luxuskunden in der ganzen Welt anzusprechen. Das währungsbereinigte Wachstum von Jimmy Choo im ersten Halbjahr betrug in der Region EMEA 5,9 Prozent, dies ungeachtet der Einbrüche bei den Touristenströmen und zeitweiligen Ladenschließungen. In Asien (exkl. Japan) verbesserte sich der Umsatz um 8,2 Prozent, in Japan gar um 11 Prozent. Insbesondere die neuen Männerkollektionen fanden großen Anklang.

In Nord- und Südamerika ergab sich ein Plus von 11,6 Prozent, währungsbereinigt jedoch ein Rückgang um 2,7 Prozent. Die Geschäftstätigkeit wurde in dieser Region durch die zurückhaltenden Bestellungen von Kaufhäusern stark beeinträchtigt. Trotz der schwächeren Nachfrage für Luxusprodukte in der ganzen Region verzeichneten Einzelhandelsgeschäfte in den USA im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Wachstum. Dies auch durch die schrittweise Einführung der Omnichannel-Angebote.

Fazit: Die Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr sind beeindruckend und zweifellos erfreulich für das Managementteam von Michael Kors, das die Marke bald übernimmt.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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