Kaufhof-Eigner HBC ohne CEO Storch

Der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company (HBC) braucht einen neuen CEO. Gerald (Jerry) Storch, verlässt das Unternehmen zum 1. November 2017, um zu seiner Beratungsfirma Storch Advisors zurückzukehren. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Richard Baker, Gouverneur und Executive Chairman von HBC übernimmt die Rolle als CEO erst einmal interimsweise.

Gerald Storch - LinkedIn
 
"HBC hat eine lange, erfolgreiche Geschichte mit talentierten Mitarbeitern, Vermögenswerten, geografischer Reichweite und digitaler Infrastruktur. Ich habe großes Vertrauen in das Unternehmen und in das Führungsteam, die die richtigen Maßnahmen ergreifen werden, um HBC für die Zukunft als Marktführer in der sich stetig ändernden Einzelhandelsbranche zu positionieren", sagt Storch.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb in ihrer Onlineausgabe, der Verwaltungsrat werfe Storch vor, die Lage in Deutschland und Europa falsch eingeschätzt zu haben. Zuvor hatten bereits andere HBC-Manager das Unternehmen verlassen.

Durch diese Mitteilung ist die Zukunft der HBC-Tochter Galeria Kaufhof wieder ungewiss, auch wenn Baker den Mitarbeitern in einem Schreiben versicherte, HBC werde auch nach dem Ausscheiden von Storch an der bisherigen Strategie festhalten. "Selbstverständlich stehen wir auch weiterhin zu unserem Engagement und unserer Wachstumsstrategie in Europa“. 

Vor gut zwei Jahren fand die Kaufhof-Übernahme durch die kanadische Hudson's Bay Company, mit Unternehmen wie Saks Fifth Avenue, Lord&Taylor und Home Outfitters, statt – im Manager Magazin wurde schon nach kurzer Zeit über Chaos in Köln berichtet und über Mieterhöhung für die Warenhäuser, sowie umgeleitete oder gestrichene Investitionsgelder. Bald dreht sich das Personalkarussel in der Führungsebene bei Kaufhof.
 
Zudem legte HBC seine Jahresbilanz Anfang 2017 vor. Diese zeigte schwarz auf weiß bzw. rot auf weiß, dass die kanadische Kaufhof-Mutter im Geschäftsjahr 2016/17 in die roten Zahlen gerutscht war. Starker Wettbewerb, gestiegene Kosten sowie Abschreibungen auf zwei Töchter (Saks Off 5th und Gilt) zogen das Ergebnis in den Keller. Für die zwölf Monate bis Ende Januar wies der kanadische Warenhauskonzern einen Nettoverlust von 516 Millionen Kanadischen Dollar (etwa 360 Millionen Euro) aus. Im Vorjahr hatte HBC noch einen Gewinn von 387 Millionen Dollar erzielt.
 
Strategische "Transformationspläne“ wurden dann vorgestellt, um zu sparen. Die Folge waren Massenentlassungen in Nordamerika. Betroffen waren 2.000 Mitarbeiter. Und trotz allem: Auch die Zahlen für das zweite Quartal 2017 waren schlecht.

Der Umsatz sank demnach um 2,8 Prozent und man hoffte seitens des Konzerns auf das zweite Halbjahr: Der Start in die Herbstsaison stimme ihn zuversichtlich, sagte HBC-Chef Jerry Storch noch im September gegenüber Reuters. Das stark wachsende Online-Geschäft, die Auslandsexpansion als auch die Entwicklung des Nobelkaufhauses Saks Fith Avenue und der Kaufhof-Warenhäuser sollten dem Konzern Rückenwind geben. Zudem werde erwartet, dass HBC erste Früchte der Kosteneinsparungen und Restrukturierungen im zweiten Halbjahr ernten könne.
 
Doch was wird jetzt mit Galeria Kaufhof?
Ist es für HBC möglich unter diesem finanziellem Druck in Deutschland zu investieren? Oder wäre es unter dieser Situation besser, einen neuen Investor zu suchen, der Kaufhof übernimmt und die angestrebte Modernisierung vorantreibt?

Im August gab es Berichte, nach denen der kanadische Mutterkonzern Schwierigkeiten mit einem Bankenkonsortium hat, denen HBC-Europa-Chef und CEO von Kaufhof, Wolfgang Link, widersprach. Im September gab es auch Spekulationen über die Verkaufsabsichten der Warenhauskette, die auch sofort zurückgewiesen wurden.
 
Reuters hatte zuvor berichtet, dass der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa abermals ein Gebot für Galeria Kaufhof erwägte. Der österreichische Investor Rene Benko hatte mit seinem Immobilienunternehmen Signa 2015 die Karstadt-Warenhäuser übernommen. Benko wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof kaufen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen.
 
Dieser Plan scheiterte jedoch – den Zuschlag für die damalige Metro-Tochter Kaufhof erhielt für 2,8 Milliarden Euro Hudson’s Bay. Der Konzern plante damals für die kommenden fünf bis sieben Jahre bis zu einer Milliarde Euro in Deutschland zu investieren.
 
Signa wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern und ein Hudson’s Bay-Sprecher betonte: “HBC hat kein Interesse an Geschäften mit Signa.”  Und bei einem öffentlichen Auftritt Mitte September unterstrich Link: "Unser Hauptaugenmerk gilt natürlich dem Mutterschiff in Europa, das ist Kaufhof", und Jerry Storch hatte hinzugefügt: “Köln ist unsere Hauptstadt für Europa. Von dort aus werden wir unser europäisches Geschäft in Deutschland, Belgien und nun auch in den Niederlanden weiterentwickeln”. Und auch an den Investitionen sollte festgehalten werden.
 
Allerdings hat sich das Personalkarussel schon wieder gedreht. Der 50-jährige Link, der seit Mai den Vorsitz der Geschäftsführung hatte, wechselte bereits am 19. Oktober in den Aufsichtsrat von Kaufhof. Wer Link bei Kaufhof als CEO ersetzt, ist bisher völlig offen und Storch, der pro Galeria Kaufhof operiert hat, ist weg.
 
Somit könnte mit der personellen Änderung die Zukunft von Galeria Kaufhof wieder von Neuem diskutiert werden. Nach schlechten Zahlen und einem Wechsel an der Konzernspitze, könnte sich schließlich auch die Unternehmensstrategie ändern – auch wenn man seitens HBC offiziell am "Engagement in Deutschland festhalten möchte".
 

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