Kochés Cruise Collection – eine Hommage an die kulturelle Vielfalt von Marseille

Während der diesjährigen Cruise Collection Season hat sich vor allem der Besuch in Marseille als lohenswert erwiesen. Unter anderem, weil die Kollektion von Koché auf einem echten Kreuzfahrtschiff inszeniert wurde, wenn auch nicht auf einem Luxusliner.

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Koché - Frühjahr/Sommer 2019 - Cruise Collection - Marseille - Pixel Formula

Die Cruise Collection Season startete vor sechs Wochen in Paris, wo Chanel auf der imposanten Kreuzfahrtschiff-Kulisse "La Pausa", die im Grand Palais aufgebaut wurde, für Ahs und Ohs beim Mode-Publikum sorgte. Zuvor gab es Ausflüge nach Chantilly, Saint Paul de Vence und Arles mit Dior, Vuitton und Gucci. Die Cruise Collection Season endete schließlich am Dienstagabend mit Kochés Show auf der Fähre "Danielle Casanova", die ihre Passagiere von Marseille nach Korsika, Algerien und Tunesien bringt.

Die Co-Ed-Collection von Koché zelebrierte die Diversität Marseilles und setzte gleichzeitig ein modisches Statement für die Renaissance der Hafenstadt. Christelle Kocher, Gründerin und Designerin von Koché, war die dritte Designerin, die zum "Open My Med" eingeladen wurde, ein Event, das von der renommierten Modeschule "Maison Mode Méditerranée" (MMM) ins Leben gerufen wurde. Für die athletische und humorvolle Kollektion von Kocher diente Marseille und dessen Schmelztiegel der Kulturen als Inspirationsquelle. Hier treffen Armenier und Afrikaner, die Provence und Paris aufeinander. 

Eine Mischung aus athletisch und erhaben, ganz typisch für den Stil von Kocher, die in einer ihrer vorigen Shows für Aufsehen sorgte, als sie Models in Trikots des Fußball-Clubs Paris-Saint-Germain über den Laufsteg schickte.

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Koché - Frühjahr/Sommer 2019 - Cruise Collection - Marseille
 
Über ihre aktuelle Cruise Collection sagte sie selbst: "Beim Cruising geht es um’s Reisen. Ich wollte die Idee des Reisens in der Kollektion aufgreifen und Marseille mit seinem speziellen Mix an Kulturen repräsentieren. Als ethnische Referenz habe ich zum Beispiel eine neue Form der Djellaba aus Aertex kreiert, bei der Weiblichkeit auf Gangster trifft. Mode soll doch schließlich eine Botschaft senden, nicht wahr?" so Kocher.
 
In einer energiegeladenen Show, die auf Deck 11 stattfand, erfreute sich das Mode-Publikum an ausgezeichneten Chiffon-Kleidern und Tops verziert mit verspiegelten Perlen in den Mustern von marokkanischen Henna-Designs. Nach der Show konnten sich Touristen mit den gleichen Mustern verzieren lassen. Arabische Henna-Künstler boten diesen Service auch noch nach Mitternacht in der stimmungsvollen Hafenatmosphäre des Vieux Port. In Kochers Kollektion flatterten pure und feminine Blumenroben über das Deck in der Marseiller Abendbrise. Es folgten türkisfarbene Lounge-Anzüge mit Spitzeneinsätzen; rassige provenzalische Kleider, exotische Trainingshosen und das Key Piece von Koché: Ein leichter Mantel aus Merinowolle im Kimono-Cut. Die Herren trugen Sweatshirts mit Schriftzug "Le Sud Bébé", Anzüge im Gangster-Look und Gesichtsmasken mit Hennamuster.
 
"Ich wollte ein imaginäres Land erschaffen, nicht allzu wörtlich. Ich habe mich bewusst für Models entschieden, die die kulturelle Vielfalt dieser Stadt widerspiegeln. Deshalb wählte ich nordafrikanische, maurische und lokale Künstler oder den Schiffskapitän", erklärte Kocher vor der Kulisse des berühmten Chateau d'If des Grafen von Monte Cristo, das in der Ferne als Umriss emporragte.

Im Rahmen von "Open My Med" lud Koché eine Gruppe von Künstlern ein, in der Rue de la Republique und im J1, einem dynamischen neuen Kunstraum in einem ehemaligen Lagerhaus im Hafenviertel der Stadt, Kunst-Installationen in ehemaligen Lagerhäusern zu realisieren. In einem davon gab es virtuelle Popup-Installation, in einem anderen widerum hing ein großes Plakat mit der Aufforderung "Live dangerously until the end!". Ein deutliche Anspielung auf den Ruf der Stadt als internationaler Dreh- und Angelpunkt des Drogenhandels. Berühmt auch der Film mit Gene Hackman aus dem Jahr 1975, der hier "French Connection 2" gedreht hat.

Heute zeigt sich die Hafenstadt in einem anderen Licht, mit gepflegten Straßenbahnen und dem legendären Schwimmverein "Cercle des Nageurs", wo Kocher zum Mittagessen lud. Auch das imposante neue Museum MUCEM, das diese Woche eine Ausstellung von Ai Wei Wei eröffnete, spiegelt den Charakter eines neuen Marseille wider. Der chinesische Künstler hat eine besondere Verbindung zu der Hafenstadt: Denn sein Vater, der Dichter Ai Qing, segelte in den 1920er Jahren von Shanghai nach Marseille und ging anschließend nach Paris, um als Lackierer zu arbeiten und das literarische und künstlerische Leben der Hauptstadt zu entdecken.
 
"Marseille liebt die Mode und Marseille ist in Mode", sagte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Didier Parakian, dessen Großvater vor einem Jahrhundert aus Armenien nach Marseille emigrierte.
 
Es war auch auffallend ehrgeizig von einer jungen Marke wie Koché, eine Cruise Collection zu inszenieren – denn ihre Konkurrenten sind hochkarätige Modehäuser wie Vuitton oder Chanel.
 
"Es war ein einzigartiges Angebot, das Marseille mir da gemacht hat – wie ein unbeschriebenes Blatt Papier, auf das ich schreiben konnte was ich wollte. Dafür bin ich sehr dankbar. Und mit jeder Show, die ich hier mache, möchte ich eine starke Botschaft senden. Deshalb habe ich mich für ein authentisches Casting entschieden, von Künstlern bis zu den Schiffsleuten. Es war mir wichtig, ein positives Bild von dieser großartigen Stadt zu vermitteln", lachte Kocher, die später mit Künstlern wie Lucille Uhlrich und Diego Bianchi zusammenkam, die ebenfalls über den Laufsteg schritten.
 
Kochés Show war die dritte im Rahmen des Projekts "Open My Med", gefolgt von den Designern Yacine Aouadi und Jacquemus. Letzterer kehrt am Montag, dem 25. Juni zu seiner ersten Men's-Show nach Marseille zurück. Beide werden von Woolmark unterstützt, das auch Jacquemus' Videos und Kochés Show im legendären Strand Bookstore in New York finanziert.
 
"Wir mögen es, selbst aktiv zu werden und auf Worte Taten folgen zu lassen", erklärte Stuart Ford, Generaldirektor für die westliche Hemisphäre bei Woolmark.
 
Open My Med hat 104 MMM-Absolventen mit Preisen ausgezeichnet, die eine kreative Community von Designern in der Region bilden. "Diese Küste war schon immer eine Quelle der Inspiration für Künstler und Designer, von Azzedine Alaia bis Yves Saint Laurent; und mit Open My Med wollen wir die jungen Modeschöpfer des Mittelmeerraums wertschätzen und unseren kulturellen Reichtum zum Leuchten bringen", erklärte Aurélia Vigouroux, Co-Direktorin des MMM.
 
Koché ist inzwischen in 65 Boutiquen vertreten, darunter auch Galeries Lafayette und Dover Street. Aber in erster Linie bleiben E-Commerce-Websites wie Net-a-Porter die größte Einnahmequelle, erklärte Jean René Bouton, Managing Director von Koché, vor der Show.
 
Das Schiff hatte nichts Glamouröses. Wenn es nicht gerade als Kulisse einer Fashion Show dient, bringt es Menschen und Autos nach Korsika oder Nordafrika. Ein Luxusschiff à la Titanic war es nicht, aber das brauchte es auch nicht. Das hätte der demokratischen Message dieser Kollektion und am Ende auch der Marke Kocher widersprochen.
 
Beim Verlassen der Show kam man nicht umhin zu bemerken, dass eines der Ausflugsziele des Linienschiffs die Küstenstadt Oran ist – der Geburtsort von Yves Saint Laurent. Und auch, wenn Koché nicht mit der legendären Marke YSL vergleichbar ist, hätte Yves dieses Event wahrscheinlich sehr genossen.

Übersetzt von Eva Bolhoefer

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