Konsequenz aus Katastrophe: Mehr Schutz für Bangladeschs Arbeiter

Die "Academy of Work", die die Friedrich-Ebert-Stiftung mit lokalen Partnern anschob, dient der Ausbildung von Führungskräften. In einem jeweils dreimonatigen Durchgang sollen jährlich bis zu 20 Gewerkschafter aus- und weitergebildet werden. Partner sind der Think Tank "Bangladesh Institute of Labour Studies" und die lokale BRAC-Universität.

Eine Textilfabrik in Bangladesch – trotzdem sich Auflagen verschärft haben, brannte 2015 eine Fabrik völlig ab. - AFP

Die Initiative entstand auch vor dem Hintergrund der schweren Katastrophe im April 2013. Damals war der Rana-Plaza-Komplex eingestürzt und hatte Tausende unter sich begraben. 1.135 Menschen starben, mehr als 2.500 wurden verletzt. Es ist das bis heute schlimmste Fabrikunglück in der Geschichte des Landes.

Seitdem gibt es insbesondere in der Textilindustrie deutliche Fortschritte bei der Arbeitssicherheit in Bangladesch. Mehr als 200 internationale Auftraggeber schlossen sich etwa zum Aktionsplan für Feuer- und Gebäudesicherheit zusammen. Sie wollen nur noch in Fabriken produzieren lassen, die sie mit eigenen Inspektoren an Ort und Stelle überprüft haben. Mehr als 1.800 von Bangladeschs Textilfabriken wurden bisher so unter die Lupe genommen.

Allerdings ist der Aktionsplan auf die Textilindustrie beschränkt. Und auch hier gibt es noch Probleme: Eine Studie der New York University mit Daten aus dem Jahr 2015 zeigt, dass es insgesamt rund 7.000 Textilfabriken im Land gibt, von denen nur ein Bruchteil offiziell für den Export arbeitet und damit kontrolliert wird.

Inoffiziell arbeiten jedoch auch viele kleinere Fabriken als Zulieferer für die großen Unternehmen und so auch für internationale Kunden. Eine Studie des Overseas Development Institute aus London kam im Dezember 2016 zum Ergebnis, dass in den Slums der Hauptstadt Dhaka fast jedes zweite Kind von Kinderarbeit betroffen ist – viele von ihnen im Textilsektor.

Wie schwierig die Lage auch für Gewerkschaften ist, zeigte sich Anfang des Jahres. Während eines monatelangen Streits zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern um Mindestlöhne wurden nach Gewerkschaftsangaben mindestens 1.600 Arbeiter entlassen und mindestens 34 Aktivisten festgenommen.

"Wir wollen die Akademie dauerhaft etablieren und dadurch auch die Arbeitnehmer unterstützen, den Arbeitgebern auf Augenhöhe entgegenzutreten", sagte Michael Sommer, stellvertretender Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der Eröffnung. Franziska Korn, Büroleiterin der FES in Bangladesch, sagte in ihrer Rede: "Wir wollen zu mehr Geschlossenheit in der Gewerkschaftsbewegung beitragen – auch, damit die Vertreter in Krisensituationen schneller reagieren können."
Die 2013 eingestürzte Fabrik in Bangladesch. - Foto. dpa

Und auch in Deutschland gedenkt man den Opfern in Bangladesch mit dem Fashion Revolution Day. Er ist der internationale Gedenktag an die Opfer des Unglücks in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, die am 24. April 2013 eingestürzt ist. 

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