LFWM: Die Avantgarde bleibt entspannt

Die 17-tägige internationale Menswear Saison hat in London begonnen, in einer Stadt, die immer noch eine Reihe grausamer Terror Attentate verdauen muss. Trotzdem werden nur wenige Gäste ihre Besuche auf den London Fashion Week Men's stornieren. Im Januar eröffnete Sadiq Khan die Londoner Schauen – jetzt steht der Bürgermeister in Donald Trumps Schusslinie und muss Kritik über sich ergehen lassen. 


Edward Crutchley - Photo: Edward Crutchley - Instagram

Wie auch immer, Solidarität in schwierigen Zeiten wird in der Fashion Welt großgeschrieben – und das schon seit den Anschlägen auf das World Trade Center 9/11, während der New York Fashion Week. Wer etwas auf sich hält, erscheint.
 
ISIS, die die Verantwortung für das London Bridge Attentat letzte Woche für sich in Anspruch nehmen, sind erklärte Feinde von multikulturellem Leben und es gibt wohl keine Industrie, die multinationaler ist als die Fashion Industrie – speziell in London. Der Schauenkalender beginnt mit dem 5-jährigen Jubiläum der UK Men’s Season, gefolgt von einer Show des Royal College of Art, eine von mehreren Studenten-Modenschauen in der Stadt, die bekannt ist für ihr großes Potential an Nachwuchstalenten.

Am Freitagmittag werden sich dann alle Augen auf Edward Crutchley richten. Er war zehn Jahre Consultant bei Louis Vuitton, bevor er seine eigene Kollektion vorstellte, die nordenglische Simplizität mit kontinentalem Luxus vereint. Ähnlich schwierig wird es sein, Einladungen für Wales Bonner zu bekommen. Sie war letztes Jahr Gewinnerin des LVMH Preises und wurde durch ihren Mix aus afrikanischer Folklore und moderner, urbaner Schneiderkunst zum Star. Spannend wird auch Martine Rose, deren Show aus einem Mix aus Big-Band-Charme und New-Wave Stil letzten Januar für viele die Kollektion der Woche war. Weiterer Highlight: Charles Jeffrey mit Loverboy – seine Kollektion trägt den gleichen Namen wie seine legendären Partys in East London.


Menswear von Wales Bonner - © PixelFormula

Auch Abseits der Laufstege wird einiges geboten: David Furnish, der Gatte von Elton John, veranstaltet eine Charity Party am Samstagabend, Rag & Bone, das in New York entstandene UK Label, eröffnet einen neuen Shop in London und Burberry veranstaltet am Montag ein Frühstück.
 
Nach London, zieht die Fashion-Karawane dann für drei Tage weiter nach Florenz auf die Pitti, von dort vier Tage nach Mailand und zum Abschluss noch einmal fünf Tage nach Paris, um dort am Sonntag, den 25 Juni, zu enden.


Rag & Bone - Spring-Summer2017 - Menswear - New York - © PixelFormula

In London wird es diesmal keine Schau der Modeveteranin Vivienne Westwood geben, auch Jonathan Anderson zeigt seine neue J.W.Anderson-Kollektion lieber in Florenz. Glücklicherweise wird der avantgardistischste aller Avantgardisten, Hussein Chalayan, wieder den Laufsteg erobern.
 
Trotz des vorangegangenen Terrors sollte man keine verängstigte Stadt erwarten. Die Briten hassen Feiglinge. Bleib ruhig und mach weiter, ist ihr beliebtestes Motto. Vor allem, hab Spaß dabei – wie der Mann, der während er vor dem Terrorangriff auf der London Bridge floh, sein Bierglas fest in der Hand hielt. Die Tageszeitung „The Guardian“ nannte es „The Pint of London Pride“ – angeblich hat er nicht einen Tropfen verschüttet.
 

 

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