London Fashion Week: Die sechs wichtigsten Trends

Die Queen mag die Events auf dem Laufsteg beherrscht haben, aber viele andere Elemente inspirierten die Designer in dieser Saison, vom Kindlichen bis hin zum Perversen. 

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JW Anderson - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Fette Streifen
Schräg, in ungeraden Winkeln geschnitten und in den absurdesten Farben gehalten: Die Streifen waren überall auf den Londoner Laufstegen vorzufinden. Von den hellen Zickzacklinien bei Peter Pilotto, zu den abgefahrenen One-Shoulder-Kleidern mit karamell-farbenen Linien von Roksanda, die Streifen dominierten einfach die britischen Catwalks. Und je mehr Kontrast in den Materialien zu finden war, desto besser wirkten sie, wie bei JW Anderson, wo mattes Leder, Leinen und Paillettenstreifen aufeinanderstießen. Bei Emporio Armani kamen dagegen die Farben wie englischer, sommerlicher Kandiszucker daher, der an den Stränden verkauft wird. Auch Victoria Beckham sprang auf diesen Zug auf: Ihre zweite Linie Victoria bestand aus allen möglichen gestreiften Sommeranzügen in Hellblau und Limette. Und Henry Hollands gesamter Laufsteg war mit kurvenreichen blauen Streifen gestaltet.
 

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Christopher Kane - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Unartig, aber nett
Die Briten haben es immer geliebt, sich beim Sex schuldig zu fühlen. Während die Franzosen ihn als einen spielerischen Zeitvertreib betrachten und die Italiener ihn als eine treibende Kraft im menschlichen Organismus halten, betrachten unsere englischen Cousins den Sex oft als hauptsächlich unerlaubt und als schwächliche Unart. Betrachte man einmal Christopher Kane: Seine Muse für den Frühling war Cynthia Payne, berüchtigt als Gastgeberin für "Sex-Partys" im Vorort Streatham. Daher bestanden die Key-Items aus durchsichtiger Schmutzwäschebeutel-Spitze und aus Kleidern, deren Front mit Fotos von Frauenhöschen verziert war. Bei Ralph & Russo zeigte sich die Sexualität weit mehr als High-End-Stilmittel mit transparenten Maxi-Negligé-Kleidern und bei Simone Rocha wurden die reinen, prüden Kleider in etwas weit Suggestiveres hochgerafft. Henry Holland wiederum sagte, dass seine Kollektion für "verführerische, verwegene Sirenen" entworfen wurde, und Jonathan Anderson reduzierte seine fließende Silhouette zu einer Reihe von straffen, an Bustiers erinnernde Silhouetten. Und Roland Mourets bester Look war das One-Shoulder-Kleid aus violettem, halbtransparentem Chiffon, das jedermanns Blut zum Kochen brachte.


Burberry - Herbst 2017 - Womenswear - London - © PixelFormula

Pelz und Anti-Pelz
Gerade als man dachte, dass PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) am Ende seiner Kräfte wäre, kommt eine neue Generation des Weges entlang, um die als riesiges Übel betrachtete Mode ins Visier zu nehmen. Unmengen an Demonstranten versperrten fast den Eingang von drei großen Shows – Burberry, Gareth Pugh und Versus – dabei die Gäste anschreiend und mit Plakaten von blutigen Tieren winkend. Mehrere Frauen steckten in hautengen Kostümen, die so bedruckt waren, dass sie wie lebendig gehäutete Menschen aussahen. Ironischerweise gab es in London nur selten so wenig Pelz zu sehen. Obwohl wir Zeuge von den Lammfell-Wickelmänteln bei Burberry wurden. Darüber hinaus, in der im Zentrum gelegenen Pall Mall, mit seinen klassischen Gentlemen-Boutiquen, gab es noch niemals seit Menschengedenken so viele teure Jagdzubehör-Läden.

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Roksanda - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Die architektonische Tasche
Roksanda inszenierte ihre Show außerhalb der Serpentine Gallery, die jedes Jahr einen bekannten Architekten beauftragt, eine bahnbrechende Konstruktion aufzubauen. So war Francis Kérés Entwurf für 2017 von dem Baum inspiriert, der als Treffpunkt in seiner Heimatstadt Gando in Burkina Fasso diente. Ein Nebenprodukt davon: die bemerkenswerten Taschen von Roksanda mit ineinandergreifenden Metallschlaufen und edlen Holzgriffen. Jonathan Anderson präsentierte dagegen weiche, ergonomische Taschen mit seinem Markenzeichen-Logo, dem falschen Ankerhaken.


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Pringle of Scotland - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Royalismus in rauen Mengen
Neben den offensichtlichen Bezügen zu Queen Elisabeth in Erdems "Schwarzer-Jazz-Sänger-trifft-auf-königliche-Prinzessin"-Kollektion, zeigte Burberry aristokratisches Militär in einer wundervollen Mutanten-Konfektion. Die lange Liebesbeziehung der Monarchie mit den schottischen Highlands hallte ebenfalls in einer eleganten Show von Pringle wider, in der bemerkenswerte Kleidungsstücke aus Kaschmirmischgeweben mit aufgedruckten Bildern der wilden nordschottischen Moore präsentiert wurden.
 

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Mary Katrantzou - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Kindliche Fantasie
Die anspruchsvolle Naivität wird immer einen Platz im guten alten England haben – angefangen bei "Finding Neverland" mit Johnny Depp. Verspieltheit war auch das Leitmotiv bei Mary Katrantzou. Ihre wie für Puppen geformten Kleider wurden noch kindlicher gemacht, indem sie von Kniestrümpfen begleitet wurden, ihre Seiden-Tops kamen mit naiven Blumen daher und die Models trugen Taschen in Form von rosa Flamingos. Zurück zu Henry Holland, hier stachen die spielerischen Stickereien von Strandmuscheln und Seesternen heraus.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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