Menswear: Fünf Trends für die Herbst-/Wintersaison 2018/2019

Zwischen Migranten und Flüchtlingen im Exil, Terrorgefahr und Naturkatastrophen veranlasste die aktuelle geopolitische Lage die Designer dazu, in dieser Saison in sich zu kehren. Sie setzten sich mit bedeutungsstarken Themenkreisen wie Schutz und Überleben auseinander. Daraus kristallisierte sich eine Outerwear mit größeren, runderen Volumen heraus, mit funktionellen und mehrschichtigen Designs, um den Körper besser einzuhüllen. Hosen sind breit und bequem (Jogginghosen oder Hosen mit elastischem Bund) geschnitten. Verschiedene Nylongewebe hielten schon in der vergangenen Saison Einzug in die Männermode, doch aus dem Herbst/Winter 2018/2019 sind sie, an der Seite extrem widerstandsfähiger technischer Stoffe, nicht mehr wegzudenken. Diese decken unter anderem das menschliche Bedürfnis, sich vor Unwetter zu schützen. Dennoch soll sich der Mann in der kommenden Wintersaison möglichst frei bewegen, und alles Notwendige auf sich tragen können. Die an der Pitti Uomo und der Milan Fashion Week gezeigten Kollektionen zeichnen wahrlich das Bild einer kalten, unwirtlichen Welt.

1) Verhüllung

Yoshio Kubo hüllt die Gesichter in zarte Schleier - DR

Der Mensch sucht Schutz vor der Außenwelt und vor den Blicken seiner Mitmenschen. Masken stehen in der Herbst-/Winterkollektion 2018/2019 sinnbildlich für das Schutzbedürfnis. Auf den italienischen Laufstegen waren die Models im wörtlichen wie auch im sprichwörtlichen Sinn verhüllt. Unter Kapuzen und Rollkragen lugten wie bei Schwarzer-Block-Demonstranten nur die Augen hervor. Auch Sturmhauben mit Totenköpfen (Beyond Closet) und Motorradmützen (The Soloist) waren sehr präsent. Einige gingen noch einen Schritt weiter, so Moschino mit seinen Leder- und Latexmasken oder Palm Angels mit Metallspitzen auf den Mützen.

2)  Vollausgerüstete Nomaden

Takahiromiyashita The Soloist packt seine Models in mehrere Schichten ein - Pitti Immagine ph Giannoni Giovanni

Noch nie haben die Designer die Grenzen der Bekleidung so weit zurückgestoßen, wie in dieser Saison. Ziel ist es nicht mehr nur, den Mann einzukleiden, sondern ihn gegen alle möglichen Widrigkeiten auszurüsten, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Dass Mann auf alles vorbereitet zu sein hat, zeigte uns Craig Green bereits in London mit seinen Zelt- und Boot-Gewändern. Und in Mailand wurden bei Yoshio Kubo beispielsweise Himalaya-Erstürmer mit einem geöffneten Fallschirm ausgestattet.

Besonders angesagt ist in der neuen Saison auch der Schichtenlook, mit langen Mänteln oder lediglich Innenmänteln und anderen Tuniken, die unter Jacken oder gar Pullovern getragen werden. Bei The Soloist sind die Models im Rücken mit Ersatzkleidern ausgestattet. Beidseitig tragbare oder in Einzelteile zerlegbare Modelle sind ebenfalls allgegenwärtig, bei Bmuet(te) in Form von Kleidungsstücken mit Doppelfunktion, bei Sunnei als Rucksack, der mit dem Rückenteil einer Daunenjacke verschmilzt.

3) Handschuhe

Motorradhandschuhe bei Les Hommes - © PixelFormula

Zu den It-Accessoires der Herbst-/Wintersaison 2018/2019 zählen neben den Rucksäcken, auch Handschuhe – am liebsten bunt oder sonst auffällig. Bei den meisten Modellen stammt die Inspiration aus der Arbeitswelt: Undercover zeigte bunte Gummihandschuhe, Fendi produzierte gefütterte Fäustlinge, Moschino entwarf elegante, lange Handschuhe ganz in Schwarz, Dolce & Gabbana setzte auf besticktes rotes Leder, Prada auf Krokodilleder und Les Hommes auf Motorradhandschuhe mit Lederbändeln.

4) Cowboys

Elegante Cowboy-Mode bei Dsquared2 - © PixelFormula

Shearling-, Tartan- und Cordstoffen gelingt in dieser Saison ihr großes Comeback. Zusammen mit dem omnipräsenten Denim und einem Hauch Retro verkörpern sie den wilden Westen. Von Schafspelzmänteln über karierte Holzfällerhemden (bevorzugt in Rot/Schwarz, wie bei Woolrich) bis hin zu Samtjacken wurden die Laufstege vom Cowboy-Fieber erfasst.

Shearling kommt dabei vor allem in Wolljacken, Bomberjacken und Dufflecoats zum Einsatz (bei Dirk Bikkembergs in silberner Ausführung). Schottenkaros sind auf Pullovern, Hemden, Mäntel und Hosen zu sehen, und Cordstoffe ziehen sich durch alle Produktreihen. Mit großen Gürtelschnallen und den typischen um den Hals geschnürten Lederbändeln mit Metalladler am Ende wird der Cowboy-Einschlag in zahlreichen Kollektionen etwas dezenter umgesetzt. Auch einige Hemden mit Brusttaschen und halfterähnliche Dekorelemente an den Hosen spielen auf den wilden Westen an.

5) Fanschals
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Fanschal bei Versace - © PixelFormula

Fanschals zählen zu den coolsten Accessoires der Saison! Die aus Wolle hergestellten Modelle mit langen Fransen sind mit bunten Lettern beschriftet und dürften im kommenden Winter für Furore sorgen. Versace bot ein personalisiertes Modell mit Logo. Bei Magliano dienten sie schüchternen Trägern als Liebeserklärung mit der Aufschrift "Bellissima". Die Gebrüder George und Michael Heaton des Labels Represent brachten zu Ehren ihrer ersten Show in der lombardischen Hauptstadt eine Schwarz-Rote Version des Milan AC-Schals heraus.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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