Messe Panorama, Ausgabe Juli 2018: So war es aus unserer Sicht!

Im offiziellen Abschlussbericht der Messe wird eine etwas zurückgegangene Besucherzahl bemerkt (genaue Zahlen veröffentlicht die Messe nicht), durchweg sei die Stimmung bei Besuchern und Ausstellern aber positiv bewertet worden. FashionNetwork.com kommt auf ein nüchterneres Ergebnis im Resümee der Panorama Messeausgabe vom 3. bis 5. Juli 2018.

Was stark auffiel, waren die unterschiedlichen Stimmungen in den einzelnen Hallen mit dem gemischten Sortiment an Kleidung, Schuhen und Accessoires – sowohl von der Atmosphäre als auch von der Fröhlichkeit her. Während sich Halle 1 und 2 gut präsentierten und bekannte Marken gezielt die Besucher anlockten, waren andere Hallen durch ein Sammelsurium an Themen, Preislagen und Angeboten geprägt oder es fehlte schlicht und einfach der Anreiz für einen Abstecher dorthin. Sicherlich wird die Atmosphäre auch durch die Räumlichkeiten bedingt: hohe Deckenhöhen und Fensterfronten im Gegensatz zu Bunker-ähnlichen Hallen. Die inszenierten Lounges – mal mit Mini-Basketball-Feld (Halle 8), Tisch-Rennbahn oder in den Hallenzwischenbereichen als Sofalandschaften – sollten die Stimmung auflockern, bei wenig Fluktuation wirkten sie etwas trostlos.

Impressionen aus Halle 2 der Panorama Messe Berlin - Elisa Gianna Gerlach

Halle 1: Die Aussteller waren hier insgesamt zufrieden mit der Besucherzahl, an den beiden ersten Tagen sei viel los gewesen, am dritten Tag kamen nur noch wenige Besucher auf die Messe. Unter dem Stichwort "Grace" stellten Labels wie Apart Fashion, Cartoon, Inwear, More & More, Oui, Peter Kaiser, Rosner und Zalon aus, das auf überwiegend aufwendig gestalteten Ständen. Hier setzten die Marken teilweise auf die klassische Vorführung der gesamten Kollektion oder nur auf die Key-Looks gepaart mit Storytelling oder Marketing-Botschaften.

Magnete wie Marc Cain waren nicht vor Ort, was von anderen Marken durchaus im Bezug auf den Zustrom wahrgenommen wurde. Die frei gewordenen Flächen hatte man mit anderen, kleineren Marken aufgefüllt, was aus Sicht der Aussteller teilweise zu einem unstimmigen Angebot führte. Die Vertreter von Betty Barclay fanden, dass es weniger Besucher als beim letzten Mal waren, dennoch alle wichtigen Klienten für sie dagewesen seien, zumindest aus dem Vertrieb. Man nütze die Messe als Austauschplattform, so das Unternehmen. Und weiter: Man sähe die Panorama schon als wichtige Messe an, vorausgesetzt die nötigen Besucher seien da.

In Halle 2 und unter "Gents" zeigten sich viele Marken mit großen Ausstellungsflächen für die Herrenkollektionen für Frühjahr/Sommer 2019, so etwa Bugatti, Roy Robson, Digel, Benvenuto, Carl Gross, Olymp oder Meyer. Von der Optik der Ausstellflächen war dies die ansprechendste und stimmigste Halle, mit schicken, gut beleuchteten Messeständen. Und auch die Stimmung war positiv, freundlich, offen.

Unter dem Titel "Style Hub" in Halle 3 war die Wirkung doch sehr indifferent: kleinere und bekanntere Labels im Mix, darunter Aussteller wie CPH Muse, Derhy, Naf Naf, Softclox, Tally Weijl, Tom Tailor oder Zabaione. Das Label Blutsgeschwister gab die Auskunft, dass am ersten Tag nicht sehr viel los gewesen sei, am zweiten Tag dafür sehr viel und am dritten Tag erneut wenig. Ansonsten sei für sie selbst die Ausgabe erfolgreich gewesen, sie seien aber auch immer ein bunter Eyecatcher. Früher waren sie auf der Bread & Butter, danach seit Beginn der Panorama hier vor Ort. Es schauten bei ihnen nicht alle Wunschkunden vorbei, die wichtigsten aber schon. Der riesige Retro-Fernseher des Set-Designs war in der gesamten Halle sichtbar und wurde extra zum Anlocken der Besucher installiert. Und die Positionierung in Halle 3? Früher waren sie in der Halle für Womenswear nach altem Konzept, zum zweiten Mal sind sie nun auf diesem Platz. "Hier ist es gemischt, es gibt Frauen- und Männermode." Sie würden aber gerne wieder in Halle 1 zurückkehren, da dort der Besucherzustrom am höchsten sei. Ein ehrliches Feedback? Noch mehr Besucher sind wünschenswert, mehr Events, um die Panorama-Besucher anzuziehen und die Stimmung anzuheizen. Die Lounge-Flächen draußen seien nicht wirklich ansprechend gestaltet für den Sommer. "Die Bread & Butter hatte das früher eigentlich ganz gut hingekriegt!"

Halle 4 mit dem Motto "Modernist" mixte teuer mit leger, Sneaker mit Sailing mit T-Shirts oder Jacken. Es wirkte wie eine Resteecke, obwohl gar nicht mal so uninteressante/unbekannte Labels dort waren, wie Bensimon, Camel Active, Ecco, Lindbergh, Mellow Yellow oder Mexx.

Trotz des hübsch gestalteten Vintage-Marktes kamen nur wenige Besucher in Halle 5. - Elisa Gianna Gerlach

In Halle 5 warb man mit einem Vintage-Markt, der zum ersten Mal stattfand. Mehrere Berliner Vintage-Läden wurden kostenfrei dazu eingeladen, ihre Highlights direkt an die Messebesucher zu verkaufen. Am ersten Tag fehlten zwar noch Spiegel und es sei etwas unorganisiert gewesen, es wurde aber doch ein bisschen was verkauft. Die kleine Shopping-Einheit war dazu gedacht, mehr Leute in diesen Messeabschnitt zu leiten. Die Idee war gut, das Ziel wurde nicht erreicht. Aussteller wie Gerry Weber Shoes, Mephisto oder Josef Seibel machten lange Gesichter.

Interessant war Halle 6 mit den "Retail Solutions", wo auch an Mini-Ständen Fachwissen und Digital-Lösungen, Shop-Software oder Management-Systeme angeboten wurden, dazu gab es Ladenausstattungen, die Business-Lounge und einen kleinen Bereich für Retail-Konferenzen. Aussteller waren u.a. Fashion Cloud, Cloudstock, Fashion Gallery Berlin, Hazenkamp, Mailbutler oder Pattern Studio.

Die Hallen 7 B und C liefen unter dem Titel "Xoom" und stellten den Sustainable Fashion Bereich der Messe in Kooperation mit der Innatex dar. Rund 53 Stände mit Marken wie Antonio Verde, Heidekönigin, Museknitwear oder Organication und Standard-Organisationen wie GOTS, OEKO-TEX und der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) waren repräsentiert. Etwas ab vom Schuss der gängigen Laufroute auf der Panorama und doch leider von der Optik der Kollektionen her nichts für Händler mit urbanem, modernem und Business-Angebot, wirkte die grüne Zone sehr stiefmütterlich bedacht. Trotz des florierenden und wichtigen Nachhaltigkeits-Trends war hier wenig Charme zu finden, der bei der Konkurrenz-Veranstaltung sehr wohl vorhanden war. Alltagskleidung, sehr kommerzielle Kollektionen und leider die Müsli-Stimmung trotz der zertifizierten Bio-Stoffe konnten auch eingefleischte Fans nicht überschwänglich überzeugen.

Halle 9 mit "Nova" liegt ebenso wie Halle 1 strategisch gut an den Haupteingängen und ist sehr hell und großzügig. Neben bekannten Marken wie Cinque, Lacoste, Superdry, Gant, Buffalo, H.I.S. Jeans, Jack & Jones oder Thiga fanden kleine Lifestyle-Marken zentral in der Mitte ihre Beachtung. Koreanische Kosmetik, Berliner Seifen von Maisoap oder Socken, Brillen & Co. waren eine gelungene Abwechslung.

Impressionen aus Halle 9 mit den Lifestyle-Produkten - Elisa Gianna Gerlach

Cinque gab an, bewusst diese Standnummer gewählt zu haben, da man im Markenumfeld neben Lacoste und Gant positioniert sein wolle und die Halle modern wirke. Außerdem sprächen sie sich bewusst für die Panorama aus und dass man diese Messe brauche. Man mache zwar kaum Neukunden, für sie verlief es aber dennoch erfolgreich. Das Vertriebsteam leiste im Vorfeld schon die Akquise-Arbeit, die Messe sei als Kommunikationsplattform wichtig.

Superdry war nach längerer Pause wieder auf die Messe zurückgekehrt und mit der Qualität der Kunden sehr zufrieden, auch wenn weniger davon erschienen – Bestandskunden und potentielle Neukunden. Auch für sie ist die Position neben der Konkurrenz bedeutsam.

Laut Programmheft waren es 354 Aussteller insgesamt. Positiv fiel der Messe-Service bei organisatorischen Punkten wie Garderobe, Informationsständen und Shuttle-Angebot auf.

Fazit: Eine Networking-Plattform, die für gezielte Standbesuche und Pflichttermine geeignet ist.

 

 

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