Nadja Swarovski: "Als Frau sehe ich die Welt manchmal anders"

Von Michael Jacksons ikonischem weißen Handschuh bis zum Stern auf dem Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center, Swarovski-Kristalle kann man scheinbar überall finden. Doch es gibt auch einen realen Swarovski hinter all diesen makellosen Kristallen: Nadja Swarovski, Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers. 


Nadja Swarovski ist Mitglied des Vorstands und Leiter Corporate Communications und des Designteams. - Swarovski

Nach dem Eintritt in den Familienkonzern 1995, einhundert Jahre nach der Gründung, ist Swarovski seit 2011 Mitglied des Vorstands und leitet die Unternehmenskommunikation und verantwortet das Designteam. Für die "Life Lessons"-Serie von Reuters sprach Swarovski darüber, wie man ein hochwertiges Juwel poliert und perfekt macht.
 
Frage: Sind sie aufgewachsen mit Geschichten über ihren Urgroßvater und wie er sein Geschäft erschaffen hat?
 
Nadja Swarovski: Absolut. Daniel Swarovski war ein Pionier, er war weit vor seiner Zeit. Er war ein außergewöhnlicher Mann und unendlich neugierig. Er war ein Glasschneider aus dem Land, was heute als Tschechische Republik bekannt ist. Er lernte die Kunst des Glasschneidens von Hand. Dann ging er zur ersten Elektrizitätsmesse in Wien und sah Erfindungen von Edison und Siemens, und sein Geist öffnete sich. Er erfand eine Maschine, um den Kristall zu schneiden, und innerhalb eines Jahrzehnts konnte er ihn zur Brillanz verfeinern. Die größte Lehre von ihm war, dass man nie auslernt.
 
F: Was hat ihnen ihr Vater über die Verantwortung für die Fortsetzung eines Familienunternehmens gelehrt?
 
NS: Es gibt ein deutsches Sprichwort: Steter Tropfen höhlt den harten Stein. Mit anderen Worten, bleib dran. Mein Vater hat auch gern gesagt: Wenn der Chef nicht auftaucht, werden andere nicht kommen.
 
F: Wie haben Sie es geschafft, Ihre eigene Nische innerhalb des Unternehmens zu erschaffen?
 
NS: Als ich 1995 dem Familienunternehmen beigetreten bin, sah ich eine Chance darin, dass sich unsere Marke stärker mit Disziplinen wie Kunst, Architektur, Mode, Design und Kultur auseinandersetzt. Ich sah eine große Gelegenheit, um das kreative Material Kristall den Visionären unserer Zeit vorzustellen. Ich denke, dass ist es was Alexander McQueen, Jean-Paul Gaultier, Zaha Hadid und andere Künstler angezogen hat, um dieses Material so zu verwenden, damit sich ihre künstlerischen Bedürfnisse erfüllen.
 
F: Sie sind das einzige weibliche Mitglied des Vorstands. Wie fühlt sich das an?
 
NS: Es ist eine Herausforderung, meistens. Swarovski hat mehr als 30.000 Mitarbeiter, mit einer Präsenz in 170 Ländern. Es gibt viele Interessen, Meinungen und Leute, die Aufmerksamkeit brauchen. Aber gerade weil ich eine Frau bin, sehe ich die Welt manchmal anders und sehe Werte in Dingen, die meine männlichen Kollegen vielleicht nicht mögen.
 
F: Sie sind Kunstliebhaberin?
 
NS: Ich sammle ziemlich viel von Marc Quinn, der vor allem Skulpturen macht. Ich sammle auch Fotografien von Annie Leibovitz. Ich habe viele Designstücke, u.a. von Fredrikson Stallard, Gaetano Pesce, Amanda Levete und Zaha Hadid.
 
F: Wie entscheiden Sie, welche sozialen Projekte sie unterstützen?
 
NS: Sauberes Wasser und Nachhaltigkeit haben einen hohen Stellenwert, weil sie so tief in der Wirtschaft und in meinem Alltag verwickelt sind. Wir haben eine Wasserschule in sieben Ländern, die sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen für bedürftige Gemeinden bietet und auch Gemeinden über die Bedeutung ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Fragen, die den Wasserverbrauch beeinflussen, schult. Wir haben fast 9.000 Lehrer, die für 500.000 Mitgliedern der Gemeinschaft arbeiten.
 
F: Werden Ihre Kinder auch in das Familienunternehmen eingebunden?
 
NS: Sie sind noch sehr jung. Das Familienunternehmen ist immer eine Möglichkeit, aber ich möchte, dass sie ihren eigenen Weg wählen. Ich hatte viele verschiedene Berufserfahrungen, bevor ich zum Familienbetrieb kam – und das hat sich positiv auf das Geschäft ausgewirkt.
Meine Aufgabe ist es, ihnen mein Bestes zu geben, sie immer zu unterstützen, aber ihren Weg müssen sie selber finden.
 
 

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