New York: Designer sehnen sich nach einem Amerika, das gut war und nicht nur great ist

Eine Reihe von Runway-Shows schauten in den ersten drei Tagen eindeutig auf optimistischere Zeiten zurück, in denen die Nation weit mehr an die Zukunft und an ihre Rolle glaubte, die Welt zu amüsieren und zu erleuchten. Die New Yorker Designer sind weit davon entfernt, den Ausruf von Präsident Trump "Make America Great Again" abzukaufen, und ihnen schien schmerzlich bewusst zu sein, dass die Reputation ihrer Nation aufgrund des Rückzugs aus dem Pariser Abkommen zum Klimawandel und Trumps Außenpolitik à la Amerika zuerst international eine Niederlage erlebte.

Creatures of the Wind - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - New York - Indigital.tv

Betrachte man einmal Adam Selman, der auf Amerikas berühmteste weibliche Künstlerin Georgia O'Keeffe verwies. Er begründete seine Kollektion auf dem berühmten Gingham-Hemd der Malerin – wobei er gleichzeitig eine große Dosis Schwung injizierte. Statt der von O’Keeffe präferierten, steifen Button-Down-Variante, schickte Selman Strampler-Shorts und knöchellange Hemdenkleider über den Laufsteg, die offen über roten Satin-BHs getragen wurden, um viel nackte Haut zu enthüllen. Plus: Seine im 70ies-Style gestalteten, mit Airbrush bemalten Jeans erinnerten an das Selbstbewusstsein einer Ära, die oft als "Das Ich-Jahrzehnt" bezeichnet wurde.

"Es macht mich ganz krank, 'Nieder mit Amerika' zu hören.", sagte Selman den Kritikern hinter der Bühne.

Kate Spade New York hielt die witzigste Präsentation der Saison ab, tief in den Gewölben der Grand Central Station in einer berühmten NYC Institution, der Oyster Bar. Redakteure schütteten gläserweise Zitronen-Bellinis und haufenweise frische Tangy-Austern runter, als die Preservation Hall Jazz Band (eingeflogen aus New Orleans) durch die Massen marschierte. Kate Spade New York Kreativdirektorin Deborah Lloyd verwies auf New Orleans, auch als The Big Easy bekannt, um eine unbekümmerte Stimmung zu schaffen – Blumenkleider im Lagen-Look und fichtengrün-weiße Gingham-Outfits, von Models mit bedruckten "Work It"-Baseball-Kappen getragen. "Ich wollte einen amerikanischen Geist einfangen.", sagte Lloyd ironischerweise vor dem Wochenende, als Hurrikan Irma das ganze Land an den letzten großen Sturm, Hurrikan Katrina, erinnerte, der viel von New Orleans zerstört hatte.

Oder werfe man einen Blick auf die Show der besten jungen Designer des Wochenendes – Creatures of the Wind – die sich auf die 60er-Jahre-Gegenkultur bezogen, als die Idee der revolutionären Veränderung eine ganze Generation erregte. Andernorts war eine Sehnsucht nach verrücktem Glamour sichtbar, so bei Christian Cowan, dem neuen Hipster-Talent, der im berühmten Noho-Restaurant Indochine zeigte. Cowan schmachtete nach dem schwindelerregenden Optimismus der 70er-Jahre und der Großteil seiner Kollektion wirkte, als ob sie aus dem Trash & Vaudeville stamme – das ist der legendäre, wohltätige East Village Vintage-Gebrauchtwarenladen, der Glam Rock-Rockstars im Mix aus viktorianischem Stil, Kabarett-Theater und Space Age-Bildern anzog.

Folglich besaßen die Tops von Cowan Tudor-Ärmel, seine Trenchcoats kamen in Metallic-Silber daher und sein fantastischer, schwarz-weißer Hosenanzug war mit einem sagenhaften Horrorfilm-Motiv bedruckt. Cowan kennt ganz klar seine Modegeschichte und der unvergesslichste Look in dieser witzigen Show – ein rosafarbener Tweed-Hosenanzug, allerdings aus Hotpants, Chaps, BH und passendem Sombrero bestehend – war ein verrückter Wink an Coco Chanel und wurde von einem Model getragen, die von einem Pekinesen an einer rosa Leine eskortierte wurde.

Bei Brandon Maxwell, vom Grand Hollywood der 50er beherrscht, verlangte es das texanische Talent ganz klar nach einer höflicheren Ära, Lichtjahre von dem krassen Rassismus der heutigen Politik in Amerika entfernt.

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Brandon Maxwell - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula
 
Es stimmt, dass sich in der Key-Show der Saison, Calvin Klein, alles um die dunkle Seite des amerikanischen Traums drehte – von Rodeo bis zum Rockkonzert. Doch Raf Simons – ein Belgier, lasst uns das nicht vergessen – blickte entschlossen in die Zukunft, um die Mode-Codes in einer mutigen Darstellungsweise neu zu erfinden.

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Calvin Klein - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Und diese Saison enthielt auch die andere große amerikanische Tradition, den Protest. Auf der Fifth Avenue – die berühmteste Straße der Stadt – gelang es einer Gruppe aus der Animal Defenders League, die Präsentation von Banana Republic stillzulegen. Ihre Beanstandung? Überhaupt nichts aus der Kollektion, aber die Tatsache, dass die amerikanische Schönheit Olivia Palermo die Markenbotschafterin von Banana Republic ist – die bekannt ist für das prominente Tragen von Pelz.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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