Ralph Laurens Kammerdienerinnen

Ralph Lauren inszenierte ein Fashion-Novum am Dienstagabend im Vorort von New York. Er wurde dadurch zum ersten Designer, der je seine neuste Kollektion in seiner eigenen Garage präsentierte und danach ein gesetztes Abendessen zur Feier des Tages schmiss.
 

AFP

Lauren benannte sogar die Show „Ralph's Garage“ und lud 300 Leute in eine hell erleuchtete Auto-Lagerhalle auf seinem Anwesen in Bedford ein, eine Stadt, die von Puritanern gegründet wurde und von den Briten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis auf den Boden niedergebrannt wurde. Heutzutage ist es ein nobler New Yorker Vorort, wo ältere Promis wie Glenn Close und Bruce Willis ihr Zuhause eingerichtet haben.

Die Show fand zu einem heiklen Zeitpunkt für die Marke statt, die seit einigen Jahren Geld bluten lassen musste. Der Umsatz ist jetzt in neun aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgegangen. Der Designer erlitt ebenfalls eine schreckliche Demütigung durch die Schließung seines riesigen Polo Flagshipstores auf der Fifth Avenue, weil die Geschäfte so schlecht liefen. Eine Filiale, nicht zu vergessen, die Ralph erst im September 2014 als Hauptumschlagplatz für die Entwicklung von Polo als treibende Kraft eröffnete. Keine Unmengen an abgefahrenen Autos können von dieser nackten Tatsache ablenken. Und leider sah der Laufsteg viel mehr nach einer Oldtimer-Auktion aus; auch wenn Ralphs Motoren auf ein Gesamtvermögen von mehr als 250 Millionen Euro geschätzt werden.

"Eine mutige und kraftvolle Vision von Weiblichkeit, kombiniert mit skulpturalen Silhouetten", sagte Ralph, dessen Inspiration seine Autos waren, vermischt mit für Frauen aufgemöbelter Herrenmoden-Ikonographie.

Am Ende war das eine vornehme – aber definitiv keine altmodische – Kollektion von Lauren. Die Show wurde zum Klang eines Formel-1-Auspuffs eröffnet und endete mit einer James Bond-Titelmusik. Die ersten Looks: knackige Prinz of Wales-Karos und Hahnentritt-Kombinationen, die Frauen in adretten Eisenhower-Blousons oder Trenchcoats, die Männer in ausladenden Gehröcken. Man konnte sogar einige der Pepita-Accessoires aus der Kollektion vorab kaufen, noch bevor sie auf dem Catwalk gezeigt wurden. Vor dem exzellenten Finale gab es wunderbare "Great Gatsby"-Smoking-Hemden und eine sensationelle Reihe von Fräcken zu Motorrad-Lederhosen.

Für die Cocktail-Stunde: Glänzende kurze Kleider unter grauen Flanell-Puff-Jacken, nach der Art, wie sie Angestellte in kühlen Nächten auf Parkplätzen in LA tragen. Für Red-Carpet-Auftritte: Hänger in silbernem Bouclé – der gleiche Farbton wie der klassische Porsche in der Mitte des Laufstegs. Glatte Leder-Tuniken und -Kleider ahmten die schlanken Linien der versammelten Autos nach, während eine Reihe von silbernen Choker-Colliers an ihre metallische Veredelungen erinnerten.

Noch bevor die Show begann, zeigte Lauren nostalgische Videos von sich selbst, wie er einen Rennschlitten auf offener Straße von Amerika fuhr. Eine in Schwarz/Weiß gefilmte Nachtfahrt wurde meisterhaft bearbeitet, sodass sich die gestrichelte mittlere Autobahnspur in eine Schere verwandelte, die grauen Flanell zerschnitt. Eine private Show, die aber überall über die Social Media-Kanäle ausgestrahlt wurde. "Nehmen Sie einen Platz in der ersten Reihe ein" war auf der eignen Website der Marke zu lesen, auf ihrem Instagram-Account sah man Ralph, wie er Kendall Jenner seine Autos vorführte und auf Facebook wurde das Menu des Abends angekündigt – Hummersalat und Burger aus der Polo Bar.

Tausende von Leuten haben natürlich 17 dieser Autos schon gesehen – als das Pariser Museum für Dekorative Kunst die Ausstellung "Die Kunst der Automobile: Meisterwerke aus der Ralph Lauren Sammlung" zeigte und als Ralph sich den Orden der Legion d'Honneur (der französischen Ehrenlegion) vom damaligen Präsidenten Sarkozy abholte. Und, um ganz ehrlich zu sein, zu einer Zeit, als Laurens Marke völlig den Bezug zu ökologisch-bewussten Millennials verloren hat. Die Konzentration auf Oldtimer erscheint daher absichtlich nostalgisch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die am schnellsten wachsende Automobilmarke in den USA der Elektroautospezialist Tesla ist.

Jessica Chastain – das Werbegesicht von Laurens neustem Damenduft – traf in einem Bugatti Veyron ein. Neben ihr saßen Diane von Fürstenberg, Katie Holmes, Bruce Weber, Diane Keaton und Ricky Lauren (die beiden letzteren in sehr ähnlichen Annie Hall-Herrenanzügen mit Krawatte).

Der 77-jährige Designer, der mit einem antiken Rennwagen-Piloten-Overall gekleidet war, nahm seine typische, träge Runde über den Runway wahr und küsste seine versammelte Familie. Mit verklärtem Blick verließ er beinahe bedauernd den Laufsteg, als ob es nicht mehr viele weitere Momente wie diesen zu genießen gäbe.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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