Simone Rochas damenhafte Dekonstruktion

London Fashion Week: Poetisch, romantisch und unter einem donnernden Applaus: Die neueste Kollektion von Simone Rocha ist die Summe aus einer tollen Designerin und einer Kraft in der Modewelt, zu der sie geworden ist.

Simone Rocha - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - PixelFormula
 
Präsentiert drinnen in Middle Tempel, einer geschichtsträchtigen Kirche zwischen den großen Anwaltskammern von Londons Innenstadt, besaß diese Frühlingskleidung alle sanfte Schönheit, die man mit Rocha verbindet. Viktorianische Kleider, den Schulmädchen in Sofia Coppolas "Die Verführten" würdig, aber maximal dekonstruiert – mit Fetzen von baumelndem Stoff, Spitze-Ausschnitten und verdrehten Stoffblumen.

Rochas Kleider schaffen es, sehr künstlerisch, dennoch adrett und damenhaft zu sein. Ihre dramatischsten Looks waren fließende, schwarze Kattun-Mäntel, die mit riesigen Blütenblättern geschmückt waren. Darüber hinaus schafft es wohl kein Designer in London, so einflussreiche Schuhe zu kreieren. In dieser Saison: mit Federn bedeckte und Perlen-Bändern ausgestattete Slipper oder wunderbar klobige High Heels mit abgeschrägten Plexiglas-Absätzen. Man weiß, dass sie kopiert werden, doch die Genialität von Simones Originalen kann niemals umgesetzt werden.

"Es dreht sich alles um eine Art von Naivität und Verspieltheit und darum, die Projektionen der letzten Saison aufzuschlüsseln. Ich wollte etwas sehr Zerbrechliches und Kindliches kreieren – fast ein kleines Mädchen, das sich mit der Kleidung der Mutter verkleidet. Es sind übertriebene Versionen meiner Kleidung mit Unmengen von Rüschen und einer Dekonstruktion, die bis zum Boden hinunterreicht. Volumen, die sich entzweien und darunter gelegene Perlen freigeben", sagte Rocha mit einem Lächeln und atemlos hinter der Bühne.

Sogar die Einladung war "naiv": ein einfaches weißes Papier mit zwei kindlichen, mit rotem Faden aufgenähte Skizzen. Das gleiche Muster war auf einigen erhabenen weißen Kitteln des Finales aufgestickt.

Alles in allem ein toller irischer Tag, mit dem stolzen Vater John – der gerade vom Fliegenfischen in Quebec zurück kam, wo er mehrere 10-Kilo-schwere Lachse gefangen hatte – der sich im warmen Glanz der feinen Show seiner Tochter aalte; zusammen mit dem aus Dublin stammenden Fotografen Perry Ogden und Jasmine Guinness, dem Spross des Getränkeimperiums und ehemaliges Topmodel. "Es war einfach zu schön. Bravo Simone!", gurrte Jasmin nach der Umarmung mit der Designerin.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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