Textilbündnis gewinnt mit H&M, C&A und Aldi an Schlagkraft



Näherinnen in Fernost bekommen vielleicht bald die Auswirkungen des Textilbündnisses zu spüren
Chapeau, Herr Müller! Ihr Textilbündnis gewinnt langsam an Fahrt und damit auch an Einfluss! Heute haben die Spitzenverbände HDE, GermanFashion, textil+mode sowie der AVE ihren Beitritt zum „Bündnis für nachhaltige Textilien“ erklärt. Noch wichtiger ist allerdings, dass nun auch große und einflussreiche Unternehmen das Bündnis unterstützen. Zu den beitretenden Unternehmen zählen u.a. Accessu, Adidas, Adler, Aldi Nord, Aldi Süd, Bierbaum-Proenen, Bugatti, C&A, Dieckhoff, Dressler, Elmer & Zweifel, Ernsting‘s Family, Hugo Boss, Hakro, H&M, KiK, Kübler, Lidl, Olymp, Otto Group, Peppermint, Pikeur, Rewe Group, Seidensticker, Tchibo, Wilvorst und Wilox.

Realos mischen jetzt beim Bündnis mit

Der Grund für das plötzliche Interesse seitens der Industrie liegt darin, dass das an die Realitäten der Branche angepasst wurde. „Nur im engen Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft können wir in den Produktionsländern etwas bewegen“, betont Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), immer wieder. Gemeinsam wurde ein „ambitionierten Aktionsplan“ mit „konsequent internationaler Ausrichtung“ erarbeitet, der einen breiten Beitritt der Wirtschaft ermöglicht. Unternehmen können (und wollen) in den Lieferländern keine staatlichen oder tarifpolitische Aufgaben wahrnehmen, wie man es beim alten Bündnis anfangs im Auge hatte. Das überarbeitete Bündnis ermöglicht nunmehr abgestimmte Initiativen der Staatengemeinschaft. Auch kleinere mittelständische Unternehmen, die gar nicht die Möglichkeit haben, in den Produktionsländern die gleichen Kontrollen durchzuführen wie große Konzerne mit eigenen Sustainability-Abteilungen, werden in dem Aktionsplan angemessen berücksichtigt.

Hoffentlich mehr als ein zahnloser Tiger

Der Aktionsplan dient als Handlungsrahmen für die künftige Arbeit des Bündnisses. Die Ergebnisse werden durch eine unabhängige Stelle geprüft und öffentlich gemacht. Das richtige Signal für ein stärkeres soziales Engagement in der gesamten Lieferkette ist jedenfalls gesetzt - bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur eine Lippenbekenntnis ist. Zahnlose Tiger als Alibi für Green-Washing gibt es schon zu Genüge. Die Otto Group bspw. will sogar einen Schritt weiter gehen und fordert im Vorfeld des g7-Gipfels die Politik auf, ein internationales Bündnis auf den Weg zu bringen. „Es finden unterschiedliche Initiativen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene statt, die es zukünftig zu koordinieren gilt, um den weltweiten Herausforderungen in der Textilindustrie noch wirkungsvoller begegnen zu können", fordert Otto-Group-Vorstand Hans-Otto Schrader.

Hintergrund

Nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im Jahr 2013, bei dem über tausend Menschen starben, und weiteren Unglücken in den Nähstuben Südostasiens, initiierte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) letztes Jahr das Textilbündnis mit dem Ziel (irgendwann) auch ein Textilsiegel für Verbraucher einzuführen. Das Bündnis, das Bezahlung, Arbeitszeiten, Sicherheits- und Umweltstandards in den Zulieferländern regeln sollte, stieß zunächst auf massive Kritik und wurde nun im Schulterschluss mit diversen Parteien aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft an die Realitäten angepasst und präzisiert.


Foto: via flickr /© Shakil Chowdhury

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