Vanessa Bruno strebt nach neuer Harmonie

Die Pariser Designerin scheint mit ihrer jüngsten Entscheidung ein Plädoyer für das Ende der Zweitlinien zu schaffen. Aus der Einstellung ihrer Linie Athé zur Frühjahrs-/Sommersaison 2018 erhofft sich das 1996 gegründete Label neuen Aufwind und neue kreative Energie. Durch die Aufnahme des Casual Looks von Athé im niederen Preissegment in die Hauptkollektion will die Designerin Vanessa Bruno ihr Angebot für die Kunden klarer gestalten.


Frühjahr-/Sommerkollektion 2018 - Vanessa Bruno
 
"Angesichts der jüngsten Entwicklungen der Mode-Kollektionen, mit dieser Angebotsfülle, denke ich, dass wir uns auf eine einzige Botschaft, eine einzige Identität zurückbesinnen müssen. Zwei Linien unter demselben Namen zu führen, ist nicht mehr zeitgemäß", befindet die Gründerin und Direktorin der Marke. Diese Umstellung erfolgte laut Vanessa Bruno reibungslos, mit der zuvor erfolgten Schließung der Athé-Cornerstores und unter Berücksichtigung der Kundenwünsche.

Die Designerin versucht sich dem hektischen Zeitplan der Modebranche zu entziehen und gesteht, dass die Bereitstellung von zwei Kollektionen auch zu Wiederholungen führt. "Es ist an der Zeit, wieder zur Vernunft zu kommen, herunterzuschalten, sowohl für die Teams als auch für meine Kreativität. So können wir uns genügend Zeit nehmen, um für unsere Kundinnen eine schöne Garderobe zu entwerfen. Unsere Ethik verlangt von uns, mit für die Kundinnen gestalteten Kollektionen zu einem Gleichgewicht zurückzufinden", erklärt Vanessa Bruno. Durch die Beschränkung auf eine Hauptstory will die Marke ihre Werte bekräftigen und ihren treuen Kundenstamm überzeugen.

Mit einem Netzwerk von rund 300 Multibrand-Stores weltweit ist Vanessa Bruno gut aufgestellt. Angesichts der Begeisterung für ihre erste "einheitliche" Kollektion erhofft sie sich gar einen Ausbau ihrer Position. Im Großhandel erzielte das Label mit der Frühjahr-/Sommerkollektion 2018 15 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. "Es gibt keinen differenziellen Ansatz mehr, wir sagen nicht, das können Sie nicht bestellen – das ist für alle Beteiligten angenehmer. Schließlich finden sich die bislang um Athé gruppierten Kunden in den Casualwear-Stücken wieder und haben auch Zugang zu anderen Angeboten, denen sie in der Hauptkollektion weniger Beachtung schenkten", so die Designerin.

Die Kollektion wird auch in den acht eigenen Stores des Labels sowie in einem Franchisenetzwerk in Südkorea angeboten. Für die kommende Entwicklung will das Unternehmen keinen spezifischen Kanal bevorzugen: "Ich denke, es ist heute wichtig, einen globalen Ansatz zu verfolgen, eine Art Synthese aus den Erwartungen im Groß- und Einzelhandel sowie im Onlinehandel, der jährlich um 35 Prozent wächst", so Bruno. Ohne Angabe des genauen Umsatzes verweist die Designerin darauf, in den vergangenen Jahren gut gefahren zu sein. Nur den Anteil der Accessoires am Umsatz gibt das Unternehmen bekannt: 35 Prozent. Dies nicht zuletzt durch die ganz besondere Erfolgsgeschichte ihres Taschenangebots.
 
Vanessa Bruno

"Wir haben das Glück, Accessoires anzubieten, die automatisch zu ihrem Publikum finden, ohne große Marketingbestrebungen oder Launchkampagnen unsererseits. Das war der Fall bei der Cabas-Tasche, die immer noch weltweiten Erfolg erzielt, der Lune-Tasche, und heute des Gemma-Modells, das bei den Kundinnen spontan Anklang findet. Ich denke, der Schlüssel ist es, den Kunden ein Produkt zu bieten, das ganz einfach ihren Lebensgewohnheiten entspricht", entschlüsselt Bruno ihren Erfolg.

Geografisch betrachtet bleibt Europa der wichtigste Abnehmer des Unternehmens, noch vor den USA. Hier entwickelt sich das Label denn auch am stärksten. Vanessa Bruno interessiert sich nicht zuletzt für die nordeuropäischen Länder, und schließt auch die Eröffnung eines neuen Stores in diesem Gebiet nicht aus.

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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