Vorstand der Warenhaussparte von Galeries Lafayette entlassen

Wenn der Chef eines Unternehmens mit der Übernahme des Warenhauses Le Printemps in Paris oder von House of Fraser in England liebäugelt, so heißt das noch lange nicht, dass er an seinem direkten Umfeld zu Hause nichts auszusetzen hat.

Die Information, die vergangene Woche der französischen Finanzzeitung Les Echos zu entnehmen war, lässt nur wenig Zweifel aufkommen: Alle Vorstandsmitglieder der Warenhaussparte der Galeries Lafayette-Gruppe seien entlassen worden.

Diese Entscheidung mag radikal sein, sie wurde jedoch erwartet, seit der Sohn von Konzernchef Philippe Houzé, Nicolas, die Führung der Warenhaussparte übernommen hat.

Nicolas Houzé.

Auch dessen Vorgänger, Paul Delaoutre, wurde relativ abrupt abgesetzt, doch war dies die Entscheidung des Aktionärs. Bereits die Ernennung der früheren Einkaufsleiterin von Harvey Nichols, Averyl Oates, als Modedirektorin brachte Fragen über die Zukunft des unter Paul Delaoutre eingesetzten Teams auf.

Über den möglichen Abgang oder Rücktritt der Nummer zwei der Sparte, des stellvertretenden Generaldirektors Michel Roulleau, wurde seit Monaten spekuliert. Laut Insidern ist er jedoch ein Schwergewicht des Konzerns und als einziger mit den CEOs der großen Luxuskonzerne vertraut.

„Michel Roulleau ist zur Zeit der einzige, der einfach mit Bernard Arnault zu Mittag essen kann“, vertraute uns ein Branchenkenner nach dem Abgang von Paul Delaoutre an. So soll er auch als einziges Vorstandmitglied nicht entlassen worden sein. Les Echos zufolge wurde ihm ein Job als Berater des Vorstandsvorsitzenden angeboten …

„Die anderen wurden gebeten, baldmöglichst zu gehen“, schreibt die Zeitung. Es handelt sich um Christophe Cann, stellvertretender Generaldirektor Sales und International, Anne-Marie Gaultier-Dreyfus, Marketingchefin, die auch für die Förderkampagne für das Kaufhaus BHV Marais verantwortlich war, Jean-Yves Rémond, Personalchef und Laurent Singer, Leiter Informationssysteme.

Die Finanzzeitung sprach auch von der wahrscheinlichen Ernennung des Bruders von Nicolas Houzé, Guillaume, zum Image Director. Zurzeit ist er Vorsitzender der Konzernstiftung von Galeries Lafayette.

Eine Familienzusammenkunft innerhalb des Vorstands, die Fragen über die Situation des Konzerns und dessen Zukunftspläne aufkommen lässt.

Finanziell ist das Unternehmen seit dem Verkauf seiner Anteile an der französischen Supermarktkette Monoprix gut gestellt. Doch Gerüchten zufolge läuft der Verkauf am Flagship Store am Pariser Boulevard Haussemann eher harzig. Insbesondere durch die Ausrichtung als eine Art Luxuskaufhaus für den Massenmarkt soll sich das Unternehmen in seiner Entwicklung von den Wünschen und Bedürfnissen der Touristen entfernt haben.

Zudem wird gemunkelt, dass der Konzern durch den Platz, den das Warenhaus Le Printemps (wieder) einnimmt, etwas aus der Bahn geworfen wurde. Der Konkurrent eröffnet diese Woche einen neuen, untypischen Laden mitten in der Pariser Einkaufspassage Carrousel du Louvre.

Dadurch können die Familienbeziehungen in einem Konzern, der darauf schon immer Wert gelegt hat, nur noch gestärkt werden. Es bleibt nur noch die Frage, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist!

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