Wieviel GOV ist in GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle enthalten

Wieviel Bio ist noch in Bio-Baumwolle? Die GOTS-Richtlinien verbieten genmanipulierte Organismen (GVO) im Saatgut, aber jetzt werden Vorwürfen immer lauter, die am Testverfahren zweifeln.

13 der weltgrößten Marken wie Asos, H&M, Nike, M&S, Levi's und Ikea haben sich verpflichtet, ab 2025 nur noch 100 Prozent nachhaltige angebaute Baumwolle zu nutzen. - Archiv

Das deutsche Textilbündnis, zu dem sich Politik, Nichtregierungsorganisationen und Modeindustrie zusammengeschlossen haben, um sich für eine nachhaltigere, umwelt- und sozialverträglichere Textilproduktion einzusetzen, setzt sich u.a. für die Verwendung von Bio-Baumwolle ein.

Nachhaltige Kleidung ist nicht nur ein Trendthema, sondern wird auch in Zukunft die Branche beschäftigen. Wichtig ist dabei vor allem die Glaubwürdigkeit für eine verlässliche, weltweit gültige Zertifizierung des Rohstoffs.

Der Verdacht, dass zertifizierte Bio-Baumwolle GVO enthält, wurde schon im April 2009 von der staatlichen indischen Export-Organisation Apeda geäußert. Deren Direktor, Sanjay Dave, sprach seinerzeit von Betrugsfällen "gigantischen Ausmaßes".

Dutzende Dörfer hätten zusammen mit westlichen Zertifizierungsfirmen große Mengen gentechnisch veränderter Baumwolle in den Handel gebracht, hieß es in einem Artikel der Financial Times Deutschland. Damals ging man davon aus, dass die Bio-Textilbranche sich nicht den Ast absägen würde, auf dem sie sitzt und sie deshalb fortan die Produktionsabläufe stärker selber überwachen würde. Doch daraus wurde leider nichts.

In Indien wird es irgendwann weder GVO-freie Baumwolle noch sauberes Saatgut geben, denn manipulierte Gene gelangen über Pollenflug auch in nicht-manipulierte Pflanzen derselben Art und damit in deren Saatgut. Vor allem Indien, wo 2002 erstmals GVO-Baumwolle angebaut wurde und wo der Anteil inzwischen bei weit über 90 Prozent liegt, hat nun ein großes Problem. GVO-Verunreinigungen wurden auch in GOTS-zertifiziertem Baumwollgarn aus Indien gefunden.

Das Problem: GVO-Baumwolle enthält ein bakterielles Gen, das sie ein Enzym produzieren lässt, wodurch sie immun wird gegen das Herbizid Glyphosat. So kann dieses Unkrautvernichtungsmittel – großflächig eingesetzt – alle anderen Pflanzen, die außer der Baumwolle auf einem Acker wachsen, vernichten. Neben der konventionellen industriellen Landwirtschaft tragen auch gentechnisch veränderte Pflanzen zum weltweiten Artensterben bei.

Jetzt hat das Schweizer Magazin Saldo (vergleichbar dem deutschen Ökotest-Magazin) in Indien recherchiert und GOTS-zertifiziertes Bio-Garn testen lassen. Ergebnis: Das deutsche Labor hat hohe GVO-Verunreinigungen nachgewiesen. Damit konfrontiert, wehrt sich eine GOTS-Sprecherin "man könne GVO nur in der Rohbaumwolle, nicht aber im Garn nachweisen". Sofern man lediglich billige Schnellverfahren anwendet, ist diese Aussage richtig. Will man es wirklich wissen und gibt für belastbare Tests mehr Geld aus, so ist diese Aussage falsch.

Die EU sagt: "Erzeugnisse, die aus oder durch GVO erzeugt wurden, sind mit ... der Auffassung der Verbraucher von ökologischen/ biologischen Erzeugnissen unvereinbar". Ein Betrug mit Bio-Siegeln ist deshalb bewusste Verbraucher-Täuschung.

Das Magazin Saldo berichtet weiter, was seit langem befürchtet wird: Reines Bio-Saatgut sei in Indien kaum mehr zu haben, und selbst als GVO-frei deklariertes Saatgut sei oft kontaminiert.
Indische Händler und Produzenten sind nicht aus Not korrupt. Mangelndes Unrechtsbewusstsein und Gewinnsucht spielen eine große Rolle. Wir haben es selbst erfahren: Weil Bio-Baumwolle bis zu 15 Prozent teurer ist, kaufen indische Händler lieber konventionelle und besorgen das Bio-Zertifikat dafür später.

Der GOTS erlaubt keinerlei GVO-Verunreinigung, nämlich 0,0 Prozent im Endprodukt. Während er die Einhaltung aller anderen Bio-Kriterien streng kontrolliert, schreibt er keine GVO-Tests vor. Warum? Wie gesagt: Gute und belastbare Testverfahren sind aufwendig und teuer, sie deshalb nicht durchzuführen ist fahrlässig.

Jetzt sollte GOTS in der Pflicht stehen und die im Raum stehenden Vorwürfen umgehend gewissenhaft nachgehen. Der Ruf der gesamten Bio-Textilbranche steht auf dem Spiel. 


 

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