„Gender Fluid“ stellt Modeindustrie auf den Kopf

Gender Fluid, Genderless, Transgender, Unisex, … All diese Begriffe beschreiben einen Trend, der in den vergangenen Jahren in der Modebranche aufgekommen und nicht mehr wegzudenken ist. Dies zwingt die Branche zum Umdenken.

Von geschlechtsneutralen Kollektionen bis hin zu gemischten Menswear- und Womenswear-Schauen, die Luxusbranche befindet sich im Umbruch. Es handelt sich um einen tiefgreifenden Wandel, der nicht einfach mehr nur als Epiphänomen abgetan werden kann.


Das Transgender-Model Hari Nef bei der letzten Menswear-Schau von Gucci © PixelFormula - © PixelFormula

In Kollektionen, die zur Geschlechtsneutralität tendieren und bei denen lediglich die Größen und einige Details die Unterschiede markieren, spiegelt sich der Geist der Zeit. Davon zeugen auch die zahlreichen Marken der neuen Bewegung, wie Avoc, Lucio Vanotti, J. W. Anderson, Public School, Andrea Crews und Hood By Air.

Der „No Gender“-Trend ist nicht zuletzt in den jungen Generationen stark ausgeprägt, wie IST-Gründerin Barbara Franchin erklärt. Seit 15 Jahren ist sie im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs am Puls der Kreativität in der Modebranche: „Von den 935 eingegangenen Bewerbungen in diesem Jahr fallen 31 Prozent in die Kategorie Genderless oder Unisex. Im Vergleich dazu machte diese Kategorie im Vorjahr weniger als ein Prozent der Bewerbungen aus“.


Die Unisex-Kollektion von Anna Bornhold am ITS-Nachwuchswettbewerb im Juli 2016

Der Trend ist dennoch keine Neuerfindung unserer Zeit. Bereits im 20. Jahrhundert war der androgyne Stil bei Popstars und bestimmten Designern von Chanel bis zu Yves Saint Laurent beliebt. Doch heute ist die Entwicklung als Begleiterscheinung eines Wandels der Gesellschaft zu verstehen, wie er an am Beispiel der gleichgeschlechtlichen Ehe versinnbildlicht wird.


Jaden Smith trägt in der Louis Vuitton Sommerkampagne 2016 einen Rock

Die Branchenakteure versuchen nun, mit der neuen Entwicklung Schritt halten. Im Juni 2015 eröffnete die Florentiner Modemesse Pitti Uomo so den Bereich „Open“ für gleichgeschlechtliche Mode.

Für die Marken ermöglicht der Zusammenschluss der Männer- und Damenschauen vor dem wirtschaftlich schwierigen Hintergrund außerdem eine Kostensenkung.


Das Womenswear-Label Vetements steht seit seiner Gründung für geschlechtsneutrale Mode– © PixelFormula - © PixelFormula

Zahlreiche Marken mischen auf den Laufstegen bereits heute männliche und weibliche Looks, doch in dieser Saison ist mit den ersten vollständig gemischten Schauen ein radikaler Wandel vorprogrammiert.

Die erste Burberry-Show, an der am 19. September in London sowohl die Womenswear- als auch die Menswear gezeigt wird, wird mit Spannung erwartet. Auch Gucci will in Zukunft denselben Weg gehen.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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