"Karl Lagerfeld – Karlikaturen": Die politische Seite des Couturiers

Wer an Karl Lagerfeld denkt, denkt in erster Linie an einen begnadeten und unermüdlichen Designer, der bis zu seinem Tod im Februar Kollektionen für Chanel, Fendi und seine gleichnamige Marke entwarf. Darüber hinaus war er ein talentierter Fotograf, dessen gesamtes Schaffen von 1987 bis 2019 im kommenden Jahr im Kunstmuseum Moritzburg Halle präsentiert werden soll.

Neben seiner Kamera griff der Designer am liebsten zu Stift und Papier. "Meine Skizzen sehen aus wie das fertige Ergebnis, ich verschwende keine Zeit mit Drapieren, während ich Verdi höre.", sagte er einst gegenüber Le Figaro. Und seine Skizzen erfreuen sich großer Beliebtheit – 125 von ihnen aus den 60er-Jahren wurden vergangenen Monat über das Auktionshaus Palm Beach Modern für einen Stückpreis von bis zu 3.000 US-Dollar versteigert.

"Donald Trump: Mein Vorschlag für eine modernisierte Freiheitsstatue inspiriert von meiner schönen Frau Melania und natürlich vergoldet..." - Karl Lagerfeld/Steidl Verlag

Doch seine Zeichenkünste beschränkten sich nicht auf die Welt der Mode. Das kürzlich erschienene Buch "Karl Lagerfeld – Karlikaturen" hebt eine weitere Leidenschaft des Allround-Talents hervor – Karikaturen. Bereits in jungen Jahren wollte Lagerfeld Karikaturist werden, was sich auch in seiner gleichnamigen Marke widerspiegelt, in der er selbst mit seinem unverkennbaren Signature-Look zur Karikatur wurde. Doch auch auf politischer Ebene beschäftigte er sich mit Karikaturen. So zeichnete er zwischen 2012 und 2019 insgesamt 75 "Karlikaturen" für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das F.A.Z.-Magazin. Diese sind Gegenstand der Publikation, die mit begleitenden Texten von Alfons Kaiser durch die Zeichnungen und Lagerfelds humorvollen Blick auf das Weltgeschehen führt.

"Angela Merkel: Hier habe ich die Hosen an!" - Karl Lagerfeld/Steidl Verlag

Vom Ukraine-Konflikt über die Griechenland-Krise, Präsidentschaftswahlen, Brexit oder die katholische Kirche bis hin zur Flüchtlingspolitik thematisierte er auf seine eigene – mal mehr mal weniger satirische – Weise über sechs Jahre lang was die Welt bewegte. Obwohl Paris seit vielen Jahrzehnten seine Wahlheimat war, galt sein Interesse auch weiterhin verstärkt der deutschen Politik. Es überrascht daher nicht, dass unter all den Staatsoberhäuptern und Regierungschefs Angela Merkel sein Lieblingsmotiv war. Ob als Germania, Europa, Weihnachtsmann, Rotkäppchen oder schlicht und einfach im Hosenanzug und schwarz-rot-goldener Krawatte vor dem Brandenburger Tor. Oft zu sehen auch im Kontext des deutsch-französischen Verhältnisses gemeinsam mit François Hollande.

"Mayday Wird sie abstürtzen...?" - Karl Lagerfeld/Steidl Verlag

Die letzte dieser Karikaturen wurde im Januar 2019, nur kurz vor seinem Tod am 19. Februar, veröffentlicht. Es ist beinahe ironisch, dass ausgerechnete diese Karlikatur keine Personen, sondern stellvertretend für Angela Merkel und deren Nachfolgerin an der Spitze der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, nur deren Jacken zeigt.

"Die CDU hat an Gewicht verloren..." - Karl Lagerfeld/Steidl Verlag

Alles in allem eine besondere Möglichkeit für all diejenigen, die Karl Lagerfeld und dessen sehr direkte Art und Weise auch abseits von eleganten Kollektionen und atemberaubenden Runway-Kulissen in Erinnerung behalten wollen.

Die Publikation "Karl Lagerfeld – Karlikaturen" (Steidl Verlag / Frankfurter Allgemeine Zeitung) mit Texten von Alfons Kaiser umfasst 160 Seiten und ist für einen Preis von 34 Euro erhältlich.
 

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