„Todschick“: Gisela Burckhardt beim Literarischen Salon Hannover

Gisela Burckhardt war am Montagabend zu Gast beim Literarischen Salon in Hannover. Die Autorin und Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsvereinigung Femnet hat ihr im vergangenen Jahr erschienenes Buch „Todschick“ und die vielschichtige Arbeit daran vorgestellt.

Autorin Gisela Burckhardt (links) und Dörte Pohlabeln beim Literarischen Salon Hannover. - Rüdiger Oberschür

„Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ lautet der Untertitel des fundierten Bandes, der mehr als nur Missstände in der  Textilproduktion in Bangladesch, Indien, Pakistan, Äthiopien, Nicaragua und anderen so genannten Entwicklungs- oder Schwellenländern aufzeigt.
 
In angenehmer Interview-Form ist Moderatorin Dörte Pohlabeln vom Literarischen Salon mit Burckhardt live vor den etwa 80 Zuhörern durch das Buch gegangen. Auch die Katastrophe von Rana Plaza wurde dabei immer wieder thematisiert, die laut Burckhardts Ausführungen strukturell  exemplarisch ist, für die Bedingungen, unter denen tausende Näherinnen in Bangladesch immer noch arbeiten. 
 
Die entwicklungspolitische Expertin hat auch erfolgreich mit für einen millionenschweren Entschädigungs-Fonds der Rana-Plaza-Opfer gekämpft, in den vorwiegend deutsche Textilhersteller einbezahlt haben.

Allerdings gäbe es auch Fabriken, die adäquate Bedingungen bereit stellten. Diese seien aber weit in der Unterzahl. Allein in Bangladesch gibt es demnach 5.000 offizielle Textilfabriken in denen jeweils hunderte bis tausende Näherinnen arbeiteten.  

Cover des Buches. - Heyne
 
Mit tiefem Fachwissen berichtete Burckhardt von ihren vielen verschiedenen Erfahrungen in Bangladesch, aber auch anderen Entwicklungsländern, die eine von westlich Unternehmen stark frequentierte Textilindustrie aufweisen.

Anekdotenreich wurde es, als Burckhardt berichtete, wie sie sich einmal zwei Hugo-Boss-Aktien gekauft habe, nur um auf der Aktionärs-Versammlung die unzureichenden Bedingungen zu benennen, unter denen auch die schwäbische Edelmarke in Asien produzieren lässt.

Dabei schaffte die Autorin es immer, Pauschalisierungen auf Distanz zu halten und Missstände in ihrem Zusammenhang konkret zu benennen.

Sogar für den Kostendruck der Modeindustrie zeigte sie Verständnis. Dennoch dürften T-Shirts eben nicht nur drei Euro kosten – daran klebe mit Sicherheit Blut, so Burckhardt. Fair produzierte T-Shirts seien hingegen schon zu normalen Preisen wie 20 bis 25 Euro zu haben. Also durchaus in der Fast-Fashion-Liga à la H&M.

Eine Prognose für die Entwicklung der nächsten Jahre und Jahrzehnte wagte Burckhardt nicht. Ihr Appel nach einer ganzen Reihe von Publikumsfragen: bewusster kaufen. Und das heißt am Ende auch weniger kaufen. 

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