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Veröffentlicht am
25.08.2014
Lesedauer
4 Minuten
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«Hohepriesterin der Mode»: Vor 25 Jahren starb Diana Vreeland

Von
DPA
Veröffentlicht am
25.08.2014

Elegant, exzentrisch, extravagant: Diana Vreeland ließ Parfüm in die Ausstellungsräume des renommierten Metropolitan Museums in New York pusten, schickte Models für Fotoshootings bis in die abgelegensten Winkel der Welt und kleidete sich selbst mit den ausgefallensten und originellsten Roben ihrer Zeit. Koste es was es wolle, Hauptsache nicht langweilig - so wurde die Mode-Journalistin zur Stil-Ikone, machte die Zeitschriften «Harper's Bazaar» und «Vogue» zu Designer-Bibeln und ebnete den Weg für Nachfolgerinnen wie die derzeitige «Vogue»-Chefredakteurin Anna Wintour. Bis heute wird Vreeland als «Hohepriesterin der Mode» verehrt.

Diana Vreeland (Foto: Museo Fortuny)


«Ich hatte verstanden: Wenn ich es schaffen wollte, dann musste ich herausstechen», sagte die am Freitag (22. August) vor 25 Jahren gestorbene Mode-Diva in einem Dokumentarfilm über ihr Leben. «Ich wollte mich zum beliebtesten Mädel der ganzen Welt machen.»

Ihre Strategie: «Als erstes musst du arrangieren, dass du in Paris geboren wirst. Danach kommt dann alles ganz natürlich zusammen.» Das Glück hatte Vreeland, die 1903 als Diana Dalziel als Kind einer wohlhabenden Familie in der französischen Hauptstadt zur Welt kam. Allerdings: Sie galt als das hässliche Entlein der Familie und ihre jüngere Schwester als die Schönheit. «Meine Mutter sagte immer: «Es ist so schade, dass du so eine schöne Schwester hast und selbst so hässlich bist», erzählte Vreeland später mit ihrer markanten rauchigen Stimme. «Ich war ihr hässliches kleines Monster.»

Aber Vreeland, die sich bis ins hohe Alter stets perfekt geschminkt und meist mit Zigarette in der Öffentlichkeit zeigte, ließ sich davon nicht aufhalten. Als ihre Familie nach New York zog, nahm sie Tanzunterricht und schmiss sich geradezu in das Nachtleben der Millionenmetropole. «In der Schule habe ich ganz sicher nichts gelernt, meine Ausbildung war die Welt da draußen.» Auf einer Party trifft sie ihren späteren Ehemann Thomas Reed Vreeland, mit dem sie zwei Söhne bekommen sollte. «Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte mich nie schön gefühlt - bis ich Reed traf.»

Das Paar zieht um die Welt. Vreeland eröffnet einen Dessous-Laden in London und lässt sich in Paris von ihrer Freundin Coco Chanel Kleider auf den Leib schneidern. Aber das Geld reicht nicht. «Ich habe es nur so rausgeschmissen, so wie Alkoholiker Whiskey trinken.» Als die damalige «Harper's Bazaar»-Herausgeberin Carmel Snow sie in den 1930er Jahren bei einer Tanzveranstaltung in New York entdeckt und ihr einen Job anbietet, sagt Vreeland sofort zu. «Frauen war es damals peinlich zu arbeiten, es war ein Zeichen von Armut», sagt die Schauspielerin Anjelica Huston, die Vreeland später als Model entdeckte. Diana habe es geschafft, dass Frauen ehrgeizig und außergewöhnlich sein können.

Vreeland startet mit einer kleinen Kolumne, aber krempelt die Zeitschrift bald völlig um. «Vorher ging es in all diesen Magazinen nur darum, wie man sich an seinen Ehemann anpasst und Kuchen bäckt. Diana hat gesagt: »Kuchen? Wer interessiert sich denn für Kuchen?», erzählt Huston. Vreeland zeigt Models in Bikinis und Bluejeans («Die schönsten Dinge, die ich je gesehen habe!») - damals unerhört. Sie entdeckt Models wie Lauren Bacall, Twiggy, Cher, Lauren Hutton, Veruschka und Barbra Streisand - und setzt deren kleine Makel wie Streisands auffällige Nase als Markenzeichen in Szene. Sogar die frühere First Lady Jacqueline Kennedy bittet Vreeland um Stil-Tipps für ihre Auftritte im Rampenlicht. «Diana hat das Besondere an den Menschen gesehen, bevor diese es selbst gesehen haben», sagt die Star-Designerin Diane von Fürstenberg.

Später wechselt Vreeland an die Spitze der «Vogue» und macht das Blatt auch aufgrund der vielen extravaganten und extrem teuren Fotoshooting auf der ganzen Welt zur Stil-Bibel. Die Mode-Diva selbst lebt da schon längst in einer schicken Wohnung an der New Yorker Park Avenue, von der aus die Konferenzen verabscheuende Chefredakteurin ständig Aufträge tippt und an ihre Mitarbeiter schickt. Sie verkehrt mit Schauspielern, Künstlern und Designern.

Doch die Verkaufszahlen der «Vogue» beginnen zu sinken, und die stets das Budget strapazierende Vreeland wird gefeuert. Kurz danach startet sie am Metropolitan Museum als Beraterin der Kostüm-Abteilung neu durch. Sie organisiert vorher nie dagewesene Mode-Ausstellungen, die Millionen von Besuchern anlocken. Aus den Eröffnungen machte Vreeland verschwenderische Partys, die bald zu Großereignissen der New Yorker Gesellschaft wurden. Bis heute gilt der jährliche Met Ball als «Party des Jahres».

Später schrieb Vreeland ihre Autobiografie und blieb bis kurz vor ihrem Tod nach einem Herzinfarkt im Alter von 85 Jahren fester Bestandteil der New Yorker Gesellschaft. «Ich werde jung sterben», hatte sie zuvor immer wieder betont. «Vielleicht mit 70. Vielleicht mit 80. Vielleicht mit 90. Aber ich werde sehr jung sein.»
 

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