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Veröffentlicht am
24.03.2017
Lesedauer
3 Minuten
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«Mid Season Sale»: Im Modehandel regiert schon wieder der Rotstift

Von
DPA
Veröffentlicht am
24.03.2017

Der Winterschluss-Verkauf ist kaum vorbei, der Frühling hat noch gar nicht richtig begonnen, da regiert im Modehandel schon wieder der Rotstift. Egal ob H&M oder Zara, Pimkie oder Mango: Viele Modeanbieter locken zurzeit in den Läden oder auf ihren Internetseiten mit dem «Mid-Season-Sale» - einer Art Zwischenschlussverkauf - und versprechen dabei Preisabschläge auf ausgewählte Artikel von bis zu 50 Prozent.


Branche im Rabatt-Zorn: Der Textilhandel und der ungeliebte Mid-Season-Sale - Foto: Privat


Dass schon im März die ersten Stücke aus der Frühjahrskollektion verramscht werden, sorgt selbst in der rabatterprobten Branche für einen Aufschrei. In sozialen Medien überschlagen sich die Kommentare: «Extrem kranker Textilhandel», heißt es dort. Und: «Der Handel rabattiert sich platt.»

Andere Äußerungen erlauben allerdings auch einen Blick hinter die Kulissen, auf die Gründe für die Rabattaktionen. So schreibt eine Kommentatorin: «Wir fangen dieses Jahr auch schon einen Monat früher mit dem Mid-Season-Sale an, aber die Kunden waren bislang auch seeeeeehr verhalten, Februar ruhig ok, kennt man, aber selbst der März war ne Katastrophe und wir brauchen Platz für die neuen Kollektionen, deswegen fliegt die erste Frühjahrskollektion vom Anfang des Jahres jetzt schon raus.»

Tatsächlich verlief der Start ins neue Jahr für den Textilhandel ziemlich holprig. Nach einer Marktumfrage lagen die Umsätze im Modehandel im Januar um sieben und im Februar sogar um neun Prozent unter dem Vorjahreswert. Seit 2002 hat es keinen ähnlich schlechten Jahresbeginn geben. Das setzt die Branche gehörig unter Druck. Dass ab der zweiten Märzwoche die Nachfrage wieder etwas anzog, konnte da offenbar nicht mehr viel retten. Es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Händler zum Rotstift griffen.

Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes GermanFashion, hat dennoch wenig Verständnis für die frühen Rabattaktionen. In seinen Augen ist die Branche zu einem guten Teil selber schuld, wenn die Kunden wegbleiben. «Es ist eine Verrücktheit, dass in der Branche inzwischen im Hochsommer Winterpullis angeboten werden und im Winter Bikinis und T-Shirts, weil angeblich die Modehungrigen die neuen Kollektionen haben wollen. Ich halte das für eine Verachtung des Verbraucherbedarfs», schimpft er. So etwas führe nur zu einem Überangebot zum falschen Zeitpunkt und dann zu Preisreduzierungen.

Was die Verbraucher freut, ist Gift für den Handel. Bei einer Branchenumfrage des Handelsverbandes Textil (BTE) bezeichneten die mittelständischen Händler «zu frühe und umfangreiche Preisreduzierungen» als größtes Problem. Die Rabattschlacht macht ihnen mittlerweile mehr Sorgen als der zunehmende Wettbewerb durch Online-Anbieter oder die allgemein rückläufige Kundenfrequenz in den Innenstädten.


BTE-Präsident Steffen Jost:: Immer kürzere Zeitspannen für normale Preise, immer höhere Rabatte - Foto: BTE


BTE-Präsident Steffen Jost hatte schon zu Jahresbeginn davor gewarnt, dass sich das Rabattkarussell «immer schneller» drehe. Die Zeitspanne, in der von den Kunden noch reguläre Preise verlangt würden, werde immer kürzer, die Preisnachlässe würden aber immer höher, merkte der Branchenkenner an. Hätten vor wenigen Jahren noch Reduzierungen um 10 oder 20 Prozent genügt, die Kunden in die Läden zu locken, so seien mittlerweile Einstiegsrabatte von 30 Prozent die Regel. «Es muss sich etwas ändern!», appellierte er an die Branche. Doch verhallten seine Worte offenbar ungehört.

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