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Adidas büßt wegen Corona fast gesamten Quartalsgewinn ein

Von
DPA
Veröffentlicht am
27.04.2020
Lesedauer
3 Minuten
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Der Sportartikelhersteller Adidas hat im ersten Quartal wegen der Corona-Pandemie einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. So musste der Konzern wegen der Ausbreitung des Virus weltweit eine Vielzahl seiner Läden schließen. In den noch offenen Läden kauften zudem erheblich weniger Kunden ein als sonst. Der Internethandel konnte dies nicht ausgleichen. Eine Besserung sieht das Management um Konzernchef Kasper Rorsted kurzfristig nicht, im Gegenteil. So dürfte das zweite Quartal noch einmal erheblich schwächer ausfallen und das Unternehmen operativ in die Verlustzone rutschen, kündigte Adidas bei der Vorlage der Zahlen am Montag in Herzogenaurach an.


Die Aktie schwankte am Vormittag erheblich. Begann das Papier nach den schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen den Handel mit Verlusten, drehte es im Verlauf deutlich ins Plus, angetrieben auch von einer robusten Dax-Entwicklung. Am späteren Vormittag gab das Papier Gewinne von 4 Prozent jedoch zum Teil wieder ab und notierte zuletzt bei einem Plus von 1,4 Prozent.

Im ersten Quartal brach der Gewinn aus den fortgeführten Geschäftsbereichen um 97 Prozent auf 20 Millionen Euro ein. Das Betriebsergebnis betrug mit 65 Millionen Euro ebenfalls nur einen Bruchteil der im Vorjahr erzielten 875 Millionen Euro und lag noch unter der durchschnittlichen Schätzung der Analysten. Produktrücknahmen in China, Stornierungen von Bestellungen und höhere Wertberichtigungen auf Forderungen belasteten das Betriebsergebnis dabei mit rund 250 Millionen Euro.

Der Umsatz ging um 19 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro zurück. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise belasteten in den ersten zwei Monaten des Jahres vor allem die Geschäfte im asiatischen Raum und hier insbesondere in China. In diesem wichtigen Markt verbuchte Adidas Umsatzverluste von 800 Millionen Euro oder 58 Prozent. Ab Mitte März griff die Krise dann auch auf die anderen Märkte weltweit über. Derzeit seien weiter mehr als 70 Prozent der Läden geschlossen, sagte Konzernchef Rorsted.

Adidas will nun seine Kräfte auf den Internethandel konzentrieren, der in Zeiten geschlossener Geschäfte floriert. E-Commerce sei so wichtig wie nie zuvor, erklärte Rorsted in einer Telefonkonferenz. 2020 will Adidas die Umsätze aus diesem Kanal auf 4 Milliarden Euro steigern, 2019 waren es fast 3 Milliarden Euro. Investitionen sollen in die digitalen Kanäle verschoben werden.

Ausgleichen kann Adidas die Umsatzverluste aus dem stationären Handel damit jedoch weiter nicht. Das Unternehmen erwartet daher im zweiten Quartal einen noch stärkeren Umsatz- und Gewinnrückgang als zum Jahresauftakt. Den Erwartungen von Adidas zufolge dürfte sich das Umsatzminus in den Monaten April bis Juni auf währungsbereinigt mehr als 40 Prozent belaufen. Rorsted hofft auf erste sukzessive Öffnungen der Läden ab Mai.

Die Umsatzentwicklung in China habe sich zwar in den ersten drei Aprilwochen allmählich erholt. Auch der E-Commerce-Erlös nahm laut Adidas deutlich zu – um 55 Prozent etwa im März. Beim Betriebsergebnis erwartet das Management zudem im zweiten Quartal einen Verlust. Wegen der anhaltenden Unsicherheiten verzichtet Adidas weiter auf einen Ausblick für 2020. Die ursprüngliche Prognose hatte der Konzern zuletzt wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zurückgezogen. Es gehe darum, mit der "neuen Normalität" umzugehen, so Rorsted. So stehe die Weltwirtschaft vor einer Rezession. "Ich bin trotz der aktuellen Situation zuversichtlich, dass die Sportartikelindustrie langfristig attraktive Möglichkeiten für Adidas bietet", so der Konzernchef.

Finanziell habe Adidas ausreichend Flexibilität und kann per Ende März auf Barmittel von fast 2 Milliarden Euro blicken. Die Nettoverschuldung schnellte jedoch in die Höhe: Sie betrug zum Ende des ersten Quartals 570 Millionen Euro, nach einer Nettofinanzposition von mehr als 900 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Um die Liquidität sicherzustellen, bekommt Adidas einen Milliardenkredit durch die staatseigene Förderbank KfW von 2,4 Milliarden Euro, dazu kommen Zusagen von 600 Millionen Euro eines Banken-Konsortiums. Dafür muss Adidas die Dividende aussetzen. Das laufende Aktienrückkaufprogramm wurde gestoppt. Adidas hat sich zudem in Deutschland mit den Arbeitnehmervertretern über eine Arbeitszeitreduzierung für einige Mitarbeitergruppen geeinigt. Pläne für einen Stellenabbau gibt es laut Rorsted zumindest derzeit nicht.

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