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Veröffentlicht am
15.03.2019
Lesedauer
3 Minuten
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Adler setzt auf Data Sharing

Veröffentlicht am
15.03.2019

Der deutsche Modehandel braucht einen Wandel. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen daher immer mehr Unternehmen auf Künstliche Intelligenz. Auch Adler investiert in seine Zukunftsfestigkeit und nutzt  das Data Sharing.

Adler


Der Modehandel steht vor großen Herausforderungen: Rasant wechselnde Trends, Konkurrenz von großen Online-Plattformen wie Amazon und die Unvorhersehbarkeit des Kaufverhaltens bei immer anspruchsvolleren Kunden erfordern ein Umdenken in der Branche. Dass ein Kulturwandel möglich ist, zeigte die Otto Group, die einen radikalen Neuanfang wagte, ihren Versandhauskatalog einstellte und stattdessen auf Künstliche Intelligenz und eine neue Unternehmenskultur setzte. Seitdem schreibt das Hamburger Unternehmen, das im Jahr 2016 noch einen Verlust in Höhe von 380 Millionen Euro verzeichnete, wieder schwarze Zahlen.

Auch Adler will die Weichen für die Zukunft neu stellen. Dafür kollaboriert das Haibacher Textilunternehmen mit dem Düsseldorfer IT-Startup Aifora. Adler beteiligte sich an der Pilotphase und lieferte sein Business Knowhow, Aifora die Algorithmen. Auch Mitbewerber wie Peek & Cloppenburg, Kik und Reno sind Kunden des IT-Unternehmens. Wie Adler, nutzen auch sie das intelligente Preis- und Bestandsdaten-Management von Aifora. Die SaaS-Lösungen sollen mittels künstlicher Intelligenz den Umsatz und die Marge erhöhen und den Bestand reduzieren. Dazu wertet der Algorithmus die Unternehmensdaten in Echtzeit aus und erstellt Prognosen.

In Zukunft könnten die Unternehmen diese Informationen untereinander teilen, denn je mehr qualitativ hochwertige und branchenrelevante Daten bereitstehen, desto besser ist die Vorhersagegenauigkeit und Treffsicherheit des Algorithmus. Besonders wichtig dabei ist, dass die Daten anonymisiert vom Algorithmus ausgewertet werden, nicht zuletzt um Geschäftsgeheimnisse zu bewahren und das strikte Kartellgesetz zu beachten.

"In der Vergangenheit haben wir Waren auf der Grundlage von historischen Daten verteilt", erklärt Einkaufsleiter Thomas Rothe im Gespräch mit FashionNetwork.com. "Wir können sehr zeitnah ab April 2019 eine Algorithmus-Berechnung nutzen, die den Blick in die Zukunft richtet. Je mehr Daten dem selbstlernenden Algorithmus zur Verfügung stehen, desto einfacher wird es, wichtige analytisch begründete Unternehmensentscheidungen in Bezug auf das Merchandise Management zu treffen."

Viele Jahre beruhten diese Entscheidungen ausschließlich auf historischen Daten oder Empfehlungen. Ein neuer Trend, von der Konkurrenz etabliert, musste möglichst schnell erkannt werden, um auf Kundenwünsche zu reagieren. Dieses Tempo nimmt immer mehr Fahrt auf und es wird zunehmend wichtiger, schnell und flexibel zu handeln. Dank selbstlernender Algorithmen können nun kundenspezifische Szenarien entwickelt werden, die prognostizieren, welche Produkte von welcher Zielgruppe gewünscht werden. 

"Wenn Entscheider beispielsweise aufgrund von neuen Trends, kurzfristigen Marktentwicklungen oder Wetterkapriolen vorausschauend noch die Möglichkeit erhalten Liefertermine, Mengen oder Preise zu verändern, Kollektionen anzupassen, sogar ggf. Aufträge zu stornieren oder in Asien 'zu parken', bietet das viele Vorteile. Das wäre bei einer Nutzung von rein historischen Daten natürlich nicht möglich", so Rothe.

Das Preis- und Bestandsdaten-Management von Aifora erleichtert auch die Kommunikation mit den Lieferanten und eine Kollektion kann schneller angepasst werden. Darüber hinaus plant Adler auch die Ausschreibung für neue Produkte innerhalb von Kollektionen, auf die sich Lieferanten bewerben können. "KI muss bereits am Rande der Lieferkette integriert werden, wo man sie von A bis Z durchdekliniert. Alles andere wäre nur eine eindimensionale Lösung", erklärt Rothe weiter. Bereits im April werde die Technologie im Unternehmen implementiert und im Laufe des 2. Halbjahres 2019 soll sie vollumfassend nutzbar sein.

Für Rothe liegt der Grund im kriselnden Modehandel vor allem am Festhalten gewohnter Strukturen. Hier stehe immer noch die Beschaffung von Waren im Fokus und nicht der Kunde. "Prozesse und Organisation müssen vom Kunden ausgehend gestaltet werden", so Rothe. "Interne Prozesse dürfen nicht auf das IT-System ausgerichtet sein, sondern das System muss sich an die strukturellen Anforderungen, den Prozessen und Mitarbeitern orientieren."

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