Alexander Gedat (Marc O'Polo) : "Frankreich ist sehr kompetitiv"

Alexander Gedat ist seit 17 Jahren im Hause Marc O’Polo tätig und wird im Oktober Vorstandsvorsitzender. Er beschreibt uns detailliert die Pläne und Projekte für Frankreich. Die Marke wird ihre erste Filiale am 30. August im Hexagon eröffnen, im Pariser Viertel Saint-Germain. Ein Geschäft im Einkaufszentrum So Ouest in Levallois und ein Franchise-Geschäft in Havre stehen auf dem Plan. Im Geschäftsjahr 2011/2012, das am 31. Mai endete, ist der konsolidierte Umsatz auf 346 Millionen Euro gestiegen (im Vergleich zu 318 Millionen Euro im Vorjahr). Der Absatz der Marke (inklusive Lizenzen) stieg um 9,2% auf 404 Millionen Euro.


Alexander Gedat.


FashionMag : Wie erklären Sie den Erfolg Ihrer Marke, die die Absatzmarke von 400 Millionen Euro überschreitet?
Alexander Gedat : Der deutsche Markt, gewissermaßen unser Heimatmarkt, ist der größte in Europa mit einem echten Wholesale. Deshalb konnten Marc O’Polo und die anderen in den 1970er und 1980er Jahren wachsen (Marc O’Polo wurde 1967 in Stockholm gegründet. Die Marke hat anschließend seinen Sitz nach Deutschland verlegt, Anm. d. Red.). Jedes Unternehmen hat also Geld verdient. In den 1990er Jahren hingegen kam es zu einer großen Krise. Die Anzahl der Händler ist Mitte der 1990er bis 2000er drastisch gesunken. Gerry Weber und viele andere haben eine Vertikalisierungsstrategie eingeführt, mit Geschäften, Franchise-Geschäften, Shop-in-Shops und seit kurzem E-Commerce. Parallel dazu wurde die Begehrlichkeit der Marke verstärkt. Seit ca. 10 Jahren haben wir außerdem das Image weiterentwickelt und die Marke verstärkt. Die Kombination dieser beiden Sachen, Vertikalisierung und Attraktivität einer Marke, erklärt ohne Zweifel den Erfolg.

FM : Ist deshalb der Wholesale bei Ihnen schwach?
AG : In Bezug auf die Netzwerke kann man grob sagen, dass ca. 80% des Absatzes mit den Monomarkenflächen gemacht werden, mit den Shop-in-Stores (45%), Franchise-Geschäften (15%) und Filialen (20%). Aber die beiden Erstgenannten gehören zum Wholesale. Unabhängige Multimarken-Händler machen 20% unserer gesamten Aktivität aus.


Marc O'Polo setzt 20% seines Absatzes via der Filialen um.


FM : Diese Zahlen betreffen Deutschland...
AG : In Europa finden wir mehr oder weniger die gleichen Aufteilungen. Es gibt immer noch Städte mit sehr guten Händlern. Aber heutzutage ist es schwierig, ein Geschäft zu konstruieren, das Kunden anzieht.

FM : Welche Achsen streift das mittelfristige Wachstum?
AG : Größtenteils die Internationalisierung. Folglich werden wir im August unser erstes Geschäft in Paris eröffnen (Rue Bonaparte, Anm. d. Red.). Dann wird im September ein erstes Franchise-Geschäft in Havre folgen (Ende des Jahres 2012 wird ebenfalls ein Geschäft im Einkaufszentrum So Ouest in Levallois Perret eröffnet, Anm. d. Red.).

FM : Aus Pariser Sicht ist es für eine deutsche Marke schwierig, im französischen Markt Fuß zu fassen – zumindest, wenn Frankreich nicht unbedingt Priorität hat?
AG : Frankreich ist ein sehr kompetitiver Markt, der zudem gesättigt ist. Daher müssen wir uns dort ein Stück vom bestehenden Kuchen nehmen. Wir müssen den Lieferrhythmus oder auch die Einkaufspreise in Erfahrung bringen und gucken, welche Produkte am besten laufen. In den Galeries Lafayette Haussmann in Paris ist unser Umsatz exzellent. Das hat uns den Mut gegeben, uns weiterzuentwickeln.

FM : Weicht das Markenumfeld in Frankreich für Marc O’Polo ab?
AG : Nein, nicht unbedingt. Wir finden internationale Marken und andere, speziellere wie Comptoir des Cotonniers, The Kooples oder auch Zadig & Voltaire. Diese drei und in geringerem Maße Tommy Hilfiger sind für uns vielleicht die wichtigsten Konkurrenten in Frankreich, aber sie sind gute Konkurrenten.




FM : Und außerhalb Frankreichs?
AG : Wir haben gerade unsere ersten Filialen in den Niederlanden und Belgien eröffnet, um genau zu sein in Den Haag, in Amsterdam und in Brüssel auf der Avenue Louise. Dann folgen im Jahr 2013 Eröffnungen in Brügge und in Louvain. In 6 Monaten haben wir auch in Polen 5 eigene Geschäfte eröffnet. Es sind noch 3 weitere für die wichtigsten Städte des Landes vorgesehen. In Russland läuft die Entwicklung über einen Franchise ebenfalls weiter. Und schließlich rekrutieren wir einen chinesischen Manager, der uns bei der Suche nach einem Partner im Reich der Mitte helfen soll, damit wir auch dort Fuß fassen.

FM : Wie hoch sind Ihre Investitionen im Retail?
AG :In diesem Jahr belaufen sie sich für die Eröffnungen, aber auch für Erneuerungen sowie für das Informatiksystem auf 20 Millionen. Es ist etwas mehr als in der Vergangenheit, wo die Investitionen sich in der Nähe von 15 Millionen aufhielten.

FM : Und Ihre jüngere Linie Campus?
AG :Zuerst werden wir sie in Deutschland entwickeln. Es gibt bereits eine Menge Arbeit (Campus würde 7-8% der Gruppenaktivität ausmachen, Anm. d. Red.).

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