Amazon will Bezahlung ohne Kassen an Flughäfen einführen

Amazon will seine futuristischen kassenlosen Verkaufsstellen an Flughäfen einführen, um hungrige Reisende unter Zeitdruck zu bedienen, wie aus öffentlichen Dokumenten und gut informierten Quellen hervorgeht.


Amazon startete einst als Online-Buchladen und erobert seither immer mehr Marktanteile und Geschäftsbereiche im stationären Handel.

Seit mehreren Monaten expandiert der weltgrößte Onlinehändler sein Konzept Amazon Go, bei dem Kunden ihre Smartphones bei Betreten der Verkaufsstelle scannen und dann über Videokameras registriert wird, was sie von den Regalen nehmen. Nach dem Einkauf verlassen die Kunden den Laden und bezahlen direkt über die in ihrem Konto gespeicherte Kreditkarte.

Seit Januar wurden in Chicago, San Francisco und der Geburtsstadt des Unternehmens, Seattle, sieben kassenlose Läden eröffnet, die sich hauptsächlich an Menschen richten, die in der Nähe arbeiten und ein schnelles Mittagessen kaufen wollen.

Aus öffentlichen Dokumenten geht nun hervor, dass Amazon für die Eröffnung neuer Standorte mit verschiedenen Flughafenbetreibern im Gespräch ist. "Die Geschäftsführer von Amazon Go beantragen ein Treffen", ist einer E-Mail zu entnehmen, die ein Tech-Berater des zweitgrößten Flughafens des Landes, Los Angeles International, einem Betreiber sandte. "Interesse?" – "Ja, danke!", so die Antwort.

Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich, im Herzen des Silicon Valley, bat ein Account Manager von Amazon Cloud auch beim internationalen Flughafen von San Jose um eine Audienz, und erwähnte Amazon Go als "eine von vielen Möglichkeiten, die wir besprechen können".

Nach dem Treffen im Juni, in dessen Rahmen Amazon die Funktionsweise der Stores erklärte, schrieb ein Tech-Manager des Flughafens: "Ich freue mich, mit der Amazon Go-Technologie am Flughafen in die Zukunft zu blicken".

Vertreter beider Flughäfen haben Reuters seither erklärt, dass sie keine weitere Informationen über Amazon Go publik machen werden und der Händler wie üblich ein anspruchsvolles Angebotsabgabeverfahren durchlaufen müsse, um zugelassen zu werden. Die Cloud-Abteilung des Konzerns, Amazon Web Services, verhandelt auch in anderen Belangen mit den Flughäfen. Der genaue Stand des Amazon Go-Projekts ist nicht klar, auf Anfrage lehnte eine Konzernsprecherin lehnte jegliche Stellungnahme ab.

Eine mit der Strategie vertraute Quelle erklärte, dass Amazon überprüfe, wie die kassenlosen Stores an Flughäfen umgesetzt werden können und dass ein Angestellter mit Erfahrung in der Unternehmensentwicklung mit dem Dossier betraut worden sei.

Anonym gab die Person Auskunft: "Überlegen Sie sich, wie die Marke präsentiert werden kann. Mit einer Präsenz in nur einem Dutzend der besten Flughäfen kann ein bereites Bewusstsein für die Marke geschaffen werden". Im vergangenen Jahr wurden in den 12 größten US-Flughäfen laut Verkehrsministerium über 350 Millionen Reisende verzeichnet.

Doch der Betrieb von Flughafenläden stellt Amazon Go auch vor neue Herausforderungen. Arbeitnehmer bedürfen einer bestimmten Sicherheitsbefugnis und die Verkaufsflächen können an besonders guten Flughafenlagen sehr teuer sein. Darüber hinaus sind viele Flughäfen öffentliche Einrichtungen, wodurch Interessenten für die Übernahme von Handelsflächen öffentliche Angebote einreichen müssen.
 
"Wenn Sie einen Deal abschließen, kommen sie höchstwahrscheinlich darauf zurück und ändern ihn", so Kazuko Morgan, stellvertretende Vorsitzende des Beratungsunternehmens Cushman & Wakefield. Sie bezog sich dabei nicht auf Amazon. "Dabei dringen nicht nur die ausgehandelten Details an die Öffentlichkeit, bis zum letzten Moment kann Sie noch einer ausbremsen", fügte sie hinzu.

Doch das hindert die Flughafenbetreiber nicht daran, um den Onlinehändler zu buhlen. Im September sandte ein Manager des Dallas Fort Worth International Airports dem Vizepräsidenten von Amazon Go eine E-Mail, in der er ihm eine "Partnerschaft für den ersten Amazon Go-Flughafenstandort" vorschlug.

Es ist nicht bekannt, ob der betreffende Manager diesbezüglich eine Antwort erhalten hat.

 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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