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Asos: Gewinnwarnung trotz Umsatzwachstum

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 18.07.2019
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"Gut aber nicht hervorragend", so das Fazit der Veröffentlichung der Handelsdaten von Asos am Donnerstag. Obwohl so mancher Einzelhändler auf das ausgewiesene Umsatzwachstum von Asos neidisch sein könnte, liegt es für den Bekleidungskonzern deutlich unter den üblichen Werten. Außerdem schraubte das Unternehmen seine Umsatzerwartungen für das Geschäftsjahr zurück, was sich umgehend auf den Aktienpreis an der Börse auswirkte.


Asos



In den vier Monaten des Berichtszeitraums (Stichtag: 30. Juni) stieg der Gesamtumsatz um 12 Prozent, wobei die Entwicklung sowohl in Großbritannien als auch in der Region "Rest der Welt" erneut stark ausfiel. Doch in Europa und in den USA drückten "betriebliche Aspekte im Zusammenhang mit unseren Lagerumwandlungsprogrammen" auf das Wachstum.

Asos sei sich der "Grundursachen" dieser Entwicklung bewusst und geht nun davon aus, dass die "Herausforderungen in der Übergangsphase im gesamten Geschäftsjahr zu spüren sein werden. Deshalb passen wir unsere Prognosen entsprechend an".

Im Detail erklärte Asos, der Einzelhandelsumsatz sei in den betreffenden vier Monaten um 11 Prozent auf GBP 894 Millionen (EUR 994 Mio.) angestiegen, der Konzernumsatz um 12 Prozent auf GBP 919,8 Millionen (EUR 1,02 Mrd.). Damit ist im Vergleich zu den ersten 10 Monaten des Geschäftsjahrs mit einem Wachstum um 12 bzw. 13 Prozent eine Verlangsamung festzustellen.

In Großbritannien ergab sich im Einzelhandel ein Plus von 16 Prozent auf GBP 334,1 Millionen (EUR 371,5 Mio.), wobei in den ersten 10 Monaten des Jahres derselbe Wert erzielt worden war. In der Region "Rest der Welt" konnte der Konzern sogar zulegen, mit einem Wachstum um 14 Prozent auf GBP 169,5 Millionen (EUR 188,4 Mio.) nach einem Anstieg um "nur" 10 Prozent in den ersten zehn Monaten.

In der EU war die Dynamik im Einzelhandel mit einer Zunahme um 5 Prozent auf GBP 269 Millionen (EUR 299 Mio.) jedoch viel schwächer. In den ersten 10 Monaten wies die Region im Vergleich dazu ein elfprozentiges Wachstum aus. Dies sei ein Ergebnis des "geringeren Lagerbestands aufgrund der Herausforderungen der Einbindung der neuen Automatisierungssoftware in unserem Euro Hub" in Berlin.

Obwohl das Unternehmen in den USA im Logistikzentrum in Atlanta mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ergab sich in den ersten vier Monaten ein Plus von 12 Prozent, was über dem zehnprozentigen Zuwachs in den vorherigen zehn Monaten liegt. Das Ergebnis in den USA wurde zwar durch Währungseffekte getragen, doch auch ohne diese Effekte lag das Wachstum leicht über demjenigen der ersten zehn Monate. Dies deutet darauf hin, dass das Wachstum nach der Meisterung der logistischen Herausforderungen wieder stark ansteigen könnte.

Insgesamt ergab sich für den Konzern im internationalen Einzelhandel für die vier Monate ein Plus von 9 Prozent auf GBP 559,9 Millionen (EUR 622,6 Mio.) und im bisherigen Jahresverlauf ein Anstieg um 10 Prozent auf GBP 1,23 Milliarden (EUR 1,37 Mrd.). Währungsneutral betrachtet erreichte der Konzern in beiden Zeiträumen ein achtprozentiges Umsatzwachstum.

Daraus wird deutlich, dass Asos als Unternehmen alles andere als am Erlahmen ist, und doch gelingt es nur mit Mühe, an das explosive Wachstum der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Mit der Rivalin Boohoo, die noch immer aus allen Rohren feuert, macht sich die Verlangsamung noch stärker bemerkbar.




Asos



Dennoch darf man nicht zu vorschnell urteilen: Angesichts der logistischen Herausforderungen, der zurückhaltenden Verbraucherstimmung und den auch für andere Modehändler sehr schwierigen Monate Mai und Juni sind die Ergebnisse mit Nachsicht zu behandeln.
 
Das Unternehmen sprach von einer "positiven Dynamik im Kundenengagement", wobei die Besuchsfrequenz in einem Jahr um 16 Prozent angestiegen ist. Die Anzahl eingegangener Bestellungen hinkt diesem Wert mit einem Plus von 14 Prozent nur knapp hinterher.

Und was ist mit der korrigierten Jahresprognose? Asos rechnet mit einem Vorsteuergewinn zwischen GBP 30 Millionen und GBP 35 Millionen, nach Abzug der Übergangskosten in Höhe von GBP 47 Millionen (zuvor: GBP 35 Millionen) und Restrukturierungskosten von GBP 3,5 Millionen. Die Bruttogewinnmarge im Einzelhandel dürfte 250 Basispunkte einbüßen.

CEO Nick Beighton erklärte, das Unternehmen mache "gute Fortschritte im Bereich Kundenengagement", doch "die Verankerung der Änderungen aus der tiefgreifenden Erneuerung der Infrastruktur und Technologie in unseren Lagern in den USA und in Europa braucht mehr Zeit als erwartet, was sich auf die Verfügbarkeit unserer Produkte auswirkt, und die Umsatz- und Kostengrundlage in diesen Regionen beeinträchtigt. Wo wir nicht von diesen Herausforderungen betroffen waren, haben wir ein starkes Wachstum erzielt. Insgesamt verbessert sich unsere Kundendynamik und wir haben erstmals die Schwelle von 20 Millionen aktiven Kunden weltweit erreicht".

Ungeachtet dieser kurzfristigen Herausforderungen ist Nick Beighton überzeugt, dass "die Umstellung zu einer Logistikinfrastruktur mit verschiedenen Standorten es uns ermöglicht, allen Kunden weltweit unser marktführendes Angebot zur Verfügung zu stellen, unser zukünftiges Wachstum zu erleichtern und längerfristige Effizienzgewinnen zu erzielen".

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