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Veröffentlicht am
10.11.2008
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Auch Top-Modehäuser spüren die Krise!

Von
DPA
Veröffentlicht am
10.11.2008

Hamburg/Paris/Mailand (dpa) - Gähnende Leere auf der Münchner Maximilianstraße und Däumchen drehende Verkäufer: Das Bild, das sich vergangene Woche an der Top-Lage der bayerischen Metropole bot, weckte nicht gerade Kauflaune. Auf anderen Nobelmeilen wie der New Yorker Madison Avenue gibt es zahlreiche Leerstände, allein zwischen der 59. und 72. Straße sind mehr als 20 Läden verfügbar. Die Krise hat die Luxus- und Modebranche erreicht. In den USA berichten Insider, die Top-Einkäufer großer Kaufhäuser hätten ihre Order für kommendes Frühjahr um zehn bis fünfzehn Prozent verringert.


Werbekampagne von Loewe, Inhaber des Konzerns LVMH

Designerlabels wie Diane von Fürstenberg machen kein Hehl daraus, wie genau sie die Kollektion auf ihre Verkäuflichkeit prüfen. Andere wie Ralph Rucci oder Elie Tahari trotzen der Krise mit Ausgabenkürzungen. «Wir hatten einen unglaublichen Boom, doch jetzt sind wir in unserer schwierigsten Phase seit den Ereignissen des 11. September», sagte kürzlich Burt Tansky, Chef der edlen amerikanischen Kaufhauskette Neiman Marcus.<<<8>>>
Während man in den USA offen über die Probleme spricht, hält sich Europa bedeckter. Die Luxusgruppe LVMH legte kürzlich die Zahlen für das dritte Quartal 2008 vor und konnte eine leichte Umsatzsteigerung verkünden - nicht ohne auf das «schwierigere Umfeld» zu verweisen. Im Hause Louis Vuitton, eigentlich ein Zugpferd von LVMH, will man sich zur Krise momentan nicht äußern. Auch bei Armani, Versace, Prada und Gucci heißt es: «Kein Kommentar». Die Italiener kommunizieren in diesen Tagen lieber angenehme Dinge. Etwa, dass Victoria Beckham jetzt für Emporio Armani-Unterwäsche wirbt oder Gucci gerade eine neue Boutique in München eröffnet hat.

Bei Altagamma, dem italienischen Verband der Luxusgüterindustrie, sieht man die Lage realistisch. Auf einer Tagung Ende Oktober hieß es, 2009 würden die Umsätze in der hochwertigen Mode bestenfalls stagnieren, mit einem Rückgang um bis zu zwei Prozent sei durchaus zu rechnen. Und man müsse sich wohl auf ein bis zwei magere Jahre einstellen.

Patrick Thomas, Chef des französischen Hauses Hermès, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass man bisher bei ihnen die Krise noch nicht gespürt habe. In der Tat sind bei Hermès Umsatz und Verkäufe im dritten Quartal 2008 weiter gestiegen, und Thomas fühlt sich mit dem qualitätsorientierten Traditionsunternehmen gut aufgestellt. Dennoch bleibt er vorsichtig: «Natürlich werden die Kunden im kommenden Jahr weniger kaufen, natürlich wird dies ein schwieriges Jahr.» Das Gesamtkonzept werde sich aber nicht ändern. «Es ist doch ein wenig wie auf einem Flug», sagt Thomas. «Es kann immer Turbulenzen geben, und darauf muss man vorbereitet sein.»

Das deutsche Unternehmen Hugo Boss, in den vergangenen Jahren an rasante Wachstumsraten gewöhnt, verzeichnet nach dem dritten Quartal 2008 zwar noch insgesamt eine Umsatzsteigerung um drei Prozent, die Gesamtprognose für 2008 musste allerdings leicht nach unten korrigiert werden. Das Konzernergebnis für die ersten neun Monate fiel mit 127,6 Millionen Euro sogar um 17 Prozent. «Wir sind optimistisch, aber realistisch», sagte Kommunikationsdirektor Philipp Wolff dennoch in Hinblick auf 2009. Das Jahr werde für die Branche nicht einfach. Aber Hugo Boss befinde sich in einer komfortablen Finanz- und langfristig geregelten Kreditsituation. «Die Gesamt- Strategie des Unternehmens bleibt bestehen», erläuterte er.

Besorgnis, aber keine Panik - so könnte man die Stimmung zusammenfassen. Albert Eickhoff, einer von Deutschlands bedeutendsten Modehändlern, berichtet von einem Umsatzrückgang von acht Prozent im Oktober - erstmals in seiner Laufbahn. Die Orderlimits will er um etwa zehn Prozent kürzen. «Bei guter Pflege der Kundin werden wir weiterhin relativ gute Geschäfte abwickeln», sagt er. Die anspruchsvolle Klientel «des neuen Geldes» kaufe nach wie vor. «Für sie hat Mode Macht.»

Die Düsseldorfer Firma Eickhoff hat den Vorteil des seit vielen Jahren erfolgreichen Familienunternehmens. Entscheidungen können wohlüberlegt getroffen und dennoch schnell umgesetzt werden, Strukturen, die sich nun bewähren. Im Geschäft an der Königsallee werden Mitte November die neuen Kollektionen hängen - "frische Ware", die Lust auf den Kauf wecken soll. "Man sollte flink genug sein, um vorauszulaufen", sagt Eickhoff.

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