Bain/Altagamma-Studie prognostiziert starkes Jahr für die Luxusindustrie

Der florierende Absatz von Luxusgütern soll sich im Jahr 2018 weiter steigern. Die Studie geht von einem Wachstum im hohen einstelligen Bereich aus. Dazu trägt vor allem der chinesische Markt bei, der Luxusunternehmen florieren lässt, im Gegensatz zu Modeunternehmen im niedrigen Preissegment.

Gucci

Das ist das Ergebnis des Frühjahres-Zwischenberichts der internationalen Managementberatung Bain & Company, die am vergangenen Donnerstag in Kooperation mit dem italienischen Verband der Luxusgüterhersteller, Fondazione Altagamma, ihre Luxus-Studie 2018, veröffentlichte.

Die Bilanz des Berichts war durchweg positiv. Bain verkündete, dass "der Luxusmarkt zur Jahreshälfte 2018 einen starken Aufwind erlebte." Der positive Trend werde in allen Regionen zu einer währungsneutralen Preiserhöhung zwischen 6 % und 8 % führen. Dabei könnte der Umsatz in diesem Jahr bei 276 bis 281 Milliarden Euro liegen.

"Das Jahr 2018 hat einen starken Auftakt erlebt", sagte Claudia D'Arpizio, Geschäftspartnerin von Bain & Company und Hauptautorin der Studie. "Währungsschwankungen werden zwar auch Auswirkungen haben, aber wir gehen davon aus, dass sich der gesunde Trend in allen Regionen und Kundensegmenten fortsetzen wird."

Angesichts der schwierigen Einzelhandelsbedingungen in vielen Märkten ist das eine beeindruckende Leistung. Aber wem haben wir das starke Wachstum zu verdanken?

Vor allem die chinesischen Verbraucher aus der Millennial-Generation seien der Grund für diesen Erfolg, so die Studie. "Die chinesischen Konsumenten sind weiterhin ein Wachstumstreiber für die Branche. Sie sind modebewusster und digitaler vernetzt als je zuvor und beschleunigen eine Veränderung der Branche, die sich immer stärker nach den Bedürfnissen der Millennial-Generation ausrichtet.

WACHSTUMSTREIBER

Festlandchina wird 2018 für den Löwenanteil des Wachstums sorgen. Bain erwartet einen Anstieg des lokalen Marktes um 20 % bis 22 % (alle Prozentangaben sind währungsneutral). Aber nicht nur der Verbraucher wird dieses Wachstum ankurbeln. Auch die Marken selbst  werden effektiver, da sie "lernen, wie sie junge, lokale Konsumenten bedienen können, die stark von sozialen Medien beeinflusst sind", heißt es in der Studie weiter.

Während nicht alle Regionen die gleiche Wachstumsgeschwindigkeit verzeichnen, befinden sich dennoch fast alle in einer Aufwärtskurve. In Nord- und Lateinamerika profitierte der US-Luxusmarkt in der entscheidenden Weihnachtssaison von einem schwächeren Dollar. Touristen aus Asien und Europa beflügelten wichtige Städte, "während die einheimischen Verbraucher wieder Luxus genossen." Und auch der kanadische Markt wächst, wohingegen die Leistung in Lateinamerika durchwachsen ist. Daher wird der Markt Amerika im Jahr 2018 insgesamt zwischen 3 % und 5 % wachsen.

Prada

Europas Luxussegment wird nicht ganz so stark florieren. Der Markt wurde durch einen stärkeren Euro geschädigt, der Einkäufe von Touristen dämpfte. Einige Länder, darunter auch die Schweiz, Frankreich und Russland, verzeichnen dennoch einen stärkeren Konsum. Das Vereinigte Königreich und Deutschland erlebten eine Verlangsamung. Im Fall von Großbritannien ist das keine Überraschung, angesichts des starken Anstiegs des Britischen Pfunds im Jahr 2016 nach dem Brexit-Votum und in den vergangenen Monaten. Insgesamt erwartet Bain für Europa ein Wachstum zwischen 2 % und 4 %.

Zurück nach Asien: Nicht nur in China, sondern auch im Rest des Kontinents sieht das wirtschaftliche Gesamtbild vielversprechend aus, obwohl die chinesische Wachstumsrate andere asiatische Länder in den Schatten stellt. Die Konsumfreudigkeit von Touristen erhöhte die Ausgaben in Japan, insbesondere in Tokio und Osaka. Hier prognostiziert Bain ein Wachstum zwischen 6 % und 8 %.

Im übrigen Asien "setzen Hongkong und Macao ihren Erholungskurs fort", während Südkorea von Tourismus aus China profitiert. Die politischen Spannungen in der Region könnten die Wachstumstrends 2018 allerdings entscheidend beeinflussen. Das Endergebnis? Eine prognostizierte Wachstumsrate zwischen 9 % und 11 %.

Die Wachstumsrate in der übrigen Welt bleibt gleich oder verzeichnet einen leichten Anstieg um 2 %. Dubai ist weiter stabil und zieht Nutzen aus dem internationalen Tourismus, während Australien von einer wachsenden Ladenfläche profitieren wird. 

PREKARISIERUNG 

Die Forscher konstatieren, dass es in diesem Jahr vier Schlüsseltrends gibt, die den Verkauf von Luxusgütern antreiben. Dazu gehört unter anderem eine steigende Zahl junger, zunehmend modebewusster, chinesischer Verbraucher, die Wert auf ein gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis legen.

Die Studie unterstreicht auch die Bedeutung der Digitalisierung, "da die Grenzen der traditionellen und physischen Kanälen verwischen" und Social Media weiterhin den Verkauf beeinflusst, besonders bei jüngeren Verbrauchern.

Entscheidend ist auch, dass der Streetwear-Bereich im Jahr 2017 "ein herausragendes Wachstum verzeichnete. Dazu trägt vor allem die zunehmende Zwanglosigkeit am Arbeitsplatz und die Kauffreudigkeit der jüngeren Konsumenten bei." Das Streetwear-Segment bleibt ein wichtiger Hebel, um neue Kunden zu gewinnen.

Generell ist der Trend zu beobachten, dass die Menschen mehr Luxusgüter kaufen. Das heißt, dass vor allem das Kaufvolumen selbst das Marktwachstum antreibt, und nicht ausschließlich die Preiserhöhungen. Das ist eine wichtige Feststellung, da Wechselkursschwankungen die Ausgaben in verschiedenen Regionen neu verteilen, aber nicht das gesamte globale Wachstum beeinträchtigen. Tatsache ist, dass Verbraucher Luxus schätzen und mehr Produkte kaufen möchten als je zuvor.

All diese Entwicklungen stimmen Bain zuversichtlich, in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum zwischen 4 % und 5 % zu prognostizieren und das Marktvolumen bis 2025 auf 366 bis 390 Milliarden Euro zu schätzen.

Übersetzt von Eva Bolhoefer

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