Bangladesch: Erneut Tote in Textilfabrik



Mehr als hundert Tote und mehrere hundert Verletzte konnten bereits aus den Trümmern der Textilfabrik geborgen werden, aber die Zahlen werden steigen
Die Textilbranche muss nach dem Fabrikgroßbrand im November, bei dem über 112 Textilarbeiter starben, erneut negative Publicity über sich ergehen lassen, denn wieder sind in Bangladesch Menschen im Kampf um die Preisherrschaft im Fast-Fashion-Business ums Leben gekommen. Am Mittwoch stürzte in Savar, rund 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka, ein achtstöckiges Gebäude ein, in dessen zweiten bis sechsten Stock Textilfabriken untergebracht waren. Die Rettungsarbeiten an der Unglückstelle dauern noch an. Helfer und lokale Behörden versuchen Überlebende aus den Trümmern des Rana Plaza zu bergen. Die Polizei schätzt die Zahl der Toten aktuell auf mindestens 120, teilweise hört man auch, dass es mehr als 175 sein können. Die Zahl der Verletzten wird auf zwischen 600 und 1.000 taxiert. Beide Zahlen können noch steigen, denn es ist unklar, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Einsturzes im Haus aufhielten. Auch die Rettungsarbeiten sind nicht ungefährlich, denn die Trümmer sind fragil.
Das Unglück erscheint umso sinnloser, als das sich bereits am Dienstag starke Risse am Gebäude zeigten und viele Arbeiter nicht mehr darin arbeiten wollten, sie aber dazu gezwungen wurden. Die Fabrikbesitzer schlugen die Evakuierungswarnungen der Behörden in den Wind, die Fabrikbesitzer hingegen schieben die Schuld auf den Besitzer, der behauptete, Techniker hätten das Haus überprüft.
Der Fall zeigt erneut, die gefährliche Kette aus Billigbauweise, schlechten Arbeitsbedingungen und totaler Abhängigkeit in armen Zuliefererländern wie Bangladesch ist. Die Textilindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes und profiliert sich durch extrem niedrige Löhne in den Zuliefererbetrieben. Die größte der im Gebäude ansässigen Textilfabriken New Wave Style liefert an international agiernde Handels- und Modeketten wie Primark, Benetton, Matalan oder Bonmarche. Ein anderer Zulieferer Ether-Tex führt Walmart, C&A und KiK in seiner Kundenliste. C&A und KiK dementierten jedoch in dem Gebäude fertigen zu lassen, berichtet Spiegel Online. Der irische Retailer Primark bestätigte, dass einer ihrer Lieferanten im zweiten Stock des Hauses untergebracht war, und will nun gemeinsam mit NGOs und anderen Unternehmen Nachforschungen zur Unglücksursache anstellen. „Unser Unternehmen ist geschockt und zutiefst betrübt über den entsetzlichen Vorfall in Savar und spricht allen Betroffenen sein tiefstes Beileid aus“, so ein Konzernsprecher. Nützen tut das Beileid den Arbeiterinnen wenig, wenn sich nicht bald etwas an den generellen Arbeitsbedingungen ändert. Die Clean Clothes Campaign fordert anlässlich dieser neuerlichen Katastrophe die Unternehmen, die bangladeschischen Textilien kaufen, auf, endlich das bangladeschische Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen. Das Abkommen wird bereits von Tchibo und PVH (Tommy Hilfiger und Calvin Klein) mitgetragen. Zudem sollen die Unternehmen, die im Rana Plaza fertigen ließen, Soforthilfe und langfristige Kompensationen an die Hinterbliebenen und die Verletzten ohne Einkommen und Unterstützung zahlen.


Foto: via flickr/Solidarity Center

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