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Von
Fabeau
Veröffentlicht am
29.04.2013
Lesedauer
3 Minuten
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Bangladesch: Tragödie erzeugt Wutbürger

Von
Fabeau
Veröffentlicht am
29.04.2013



Bangladeschs Rettungskräfte sind immer noch auf der Suche nach mehreren hundert Verschütteten
Die traurige Bilanz des Fabrikeinsturzes in der Nähe der Hauptstadt Dhaka beläuft sich fünf Tage nach dem Unglück auf über 380 Tote und mehr als 1.300 Verletzte. Rund 1.200 konnten geborgen werden. Trotz des ausdauernden Einsatzes der Rettungskräfte werden noch mehr als 900 Menschen vermisst. Die Angehörigen suchen auf den umliegenden Straßen mit Fotos nach ihren Familienmitgliedern. Und auch wenn die Suchtrupps hin und wieder auf lebend Verschüttete stießen, schwinden die Chancen, weitere Überlebende zu bergen. Aus diesem Grund wurde die Suche am Montag eingestellt.

Verantwortliche festgenommen

Die Polizei leiteten unterdessen die Ermittlungen ein und nahmen am Samstag drei Manager der Textilfirmen New Wave Stye und New Wave Bottoms sowie zwei Ingenieure wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung fest. Obwohl die Behörden das Gebäude wegen zahlreicher Risse in den Stützpfeilern am Dienstag gesperrt hatten, zwangen die Fabrikbesitzer ihre Arbeiter, weiter im Haus zu produzieren. Die Ingenieure sollen falsche Gutachten über die Sicherheit des Hauses erstellt haben. Drei Stockwerke waren illegal aufgebaut worden, sogar ein neuntes Stockwerk soll geplant gewesen sein, ohne dass dafür die erforderlichen Baugenehmigungen vorgelegen hätten. Auch der Eigentümer des Gebäudes Sohel Rana, der flüchtig war, wurde mittlerweile in der Nähe zur indischen Grenze festgenommen. Ministerpräsident Sheikh Hasina versprach, die Verantwortlichen des Unglücks zur Rechenschaft zu ziehen.


Wütende Arbeiter protestieren für bessere und sichere Arbeitsbedingungen

Wütende Proteste

Der Einsturz des achtstöckigen Gebäude Rana Plaza am vergangenen Mittwoch ist das schwerste Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs. Die Textilproduktion ist der wichtigste Wirtschaftszweig des kleinen und armen Landes, das mit unschlagbar niedrigen Fertigungskosten und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen im Weltmarkt konkurriert – zu Lasten der ArbeiterInnen. Doch die Arbeiter wollen sich die Ausbeutung, die schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne nicht mehr länger gefallen lassen. Am Freitag und am Wochenende gab es zahlreiche wütende, teilweise auch gewalttätige Protestaktionen in Dhaka, Savar und Chittagong. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vor. Die meisten der rund 4.500 Textilfabriken bleiben vorübergehend geschlossen. Die Gewerkschaften fordern, dass sich neben den Fabrikbesitzern auch die Regierung und die internationalen Firmen, die hier fertigen lassen und den Großteil des Profits einstreichen, ihrer Verantwortung stellen und die Produktionsbedingungen drastisch verbessern.


Auch die westlichen Handelsketten sollen in die Pflicht genommen werden

Westliche Firmen in der Verantwortung

Auch im Unglückshaus wurde fast ausschließlich für europäische oder nordamerikanische Handelsketten gefertigt. Neben den Etiketten von Primark, Bon Marche, Mango, El Corte Ingles und Joe Fresh, die mittlerweile bestätigt haben, Aufträge an die im Rana Plaza untergebrachten Firmen vergeben zu haben, wurden auch Etiketten anderer Firmen gefunden, u.a. Benetton, die mögliche Geschäftsbeziehungen mit den dort ansässige Firmen verneinte. Die Organisation Clean Clothes Campaign (CCC) fordert, dass alle westlichen Handelsketten sich dazu verpflichten, den Opfer und deren Angehörigen Soforthilfe zu leisten und langfristige Entschädigung zu zahlen. Darüber hinaus sollen sie das verbindliche und unabhängige Bangladeschische Abkommen zum Brandschutz und Gebäudesicherheit unterzeichnen und umsetzen, denn schöne Berichte, Sicherheitsvideos oder Schulungen sind ungenügend: „Wie viel Sicherheit bringt ein Sicherheitsvideo, wenn Stockwerke einstürzen oder Notausgänge nicht existieren“, fragt Ineke Zeldenrust von der CCC. Das finden auch immer mehr verunsicherte Verbraucher: Vor dem Primark Store in Londons Oxford Street zeigten sich am Samstag viele Konsumenten solidarisch und hielten Plakate mit Sprüchen wie "Love fashion, hate sweatshops" oder "Primark's shame, never again" hoch.

Fotos: via flickr

© Fabeau All rights reserved.